1941-08-22 @ Kindermord in Bjelaja Zerkow

Geschichte Port Woling – Die Kin­der von Bje­laja Zer­kow in der ukrai­ni­schen Sowjet­re­pu­blik, ermor­det so grau­sam, wie ihre Eltern und viele jüdi­sche Einwohner


Kinder, Opfer des Holocaust und Krieges

Über einen Akt der systematischen Vernichtungspolitik

Kurz nach Beginn des → Über­falls Hit­ler­deutsch­lands auf die Sowjet­union, Im August 1941, nahm die 6. Armee der deut­schen Wehr­macht die Stadt Bje­laja Zer­kow (auch Tse­rkva, Bila Zerkwa) in der ukrai­ni­schen Sowjet­re­pu­blik, süd­lich von Kiew, ein. Das Gesche­hene ord­net sich ein in die eben­falls voll­zo­ge­nen Pogrome u. a. in → Babyn Jar und in vie­len Orten von → Gali­zien und Wol­hy­nien.

Auch hier gab es eine der scho­ckie­rends­ten Maß­nah­men des → Holo­caust. Ange­hö­rige der deut­schen Wehr­macht, der »Ein­satz­gruppe C, Son­der­kom­mando 4a (ein mobi­les SS-Ver­nich­tungs­kom­mando der Sicher­heits­po­li­zei und des Sicher­heits­diens­tes SD) sowie ukrai­ni­sche Ban­dera-Faschis­ten bzw. lokale Faschis­ten-Kol­la­bo­ra­teure began­nen am 08. August ein Mas­sa­ker. Das aller­schlimmste Grauen voll­zo­gen die Täter bis zum 22. August 1941. Kern­auf­gabe war die sys­te­ma­ti­sche Ver­fol­gung und Ermor­dung der jüdi­schen Bevöl­ke­rung der Stadt. 900 Juden – Män­ner, Frauen und Kin­der – wur­den in den zwei Wochen plan­mä­ßig ermordet.

Erschüt­tern­des voll­zog sich an Kin­dern, als die Erwach­se­nen und Eltern bereits ermor­det wor­den waren. 90 jüdi­sche Kin­der, Klein­kin­der und Säug­linge, blie­ben wei­nend in einem Schul­ge­bäude zurück. In zwei klei­nen Räu­men am Stadt­rand vege­tier­ten sie von ihren Eltern getrennt und war­te­ten ohne Nah­rung und Was­ser auf ihr Schicksal.

Deut­sche Mili­tär­geist­li­che berich­te­ten der mili­tä­ri­schen Füh­rung über die Lage der Kin­der. Gene­ral­feld­mar­schall Wal­ter von Rei­chenau ( † 1942 nach einem Schlag­an­fall, 1941 Lei­tung der Hee­res­gruppe Süd in Russ­land sowie bis 31.12.1941 Ober­be­fehls­ha­ber der 6. Armee) wies den Ver­such der zwei Mili­tär­ka­pläne, die jüdi­schen Wai­sen­kin­der zu ret­ten, zurück. Hel­muth Gros­curth, († 1943, Oberst der Wehr­macht, Ers­ter Gene­ral­stabs­of­fi­zier der in Bje­laja Zer­kow sta­tio­nier­ten 295. Infan­te­rie-Divi­sion) ver­suchte gleich­falls erfolg­los, die Tötun­gen zu stop­pen. Er starb spä­ter in sowje­ti­scher Gefan­gen­schaft bei Sta­lin­grad an Typhus.

Das grau­same Mas­sa­ker an den Kin­dern lei­tete der ver­ant­wort­li­che Kom­man­dant Paul Blo­bel († 1951, Anfüh­rer des SS-Son­der­kom­man­dos), bei Betei­li­gung von wei­te­ren Offi­zie­ren des Ein­satz­kom­man­dos und direk­ter logis­ti­scher Unter­stüt­zung durch die Wehr­macht. Nicht alle Täter wur­den spä­ter zur Rechen­schaft gezo­gen. Paul Blo­bel wurde in Nürn­berg vor Gericht gestellt und 1951 zum Tode ver­ur­teilt und gehängt.

Am Nach­mit­tag des 22. August 1941 fuh­ren Fahr­zeuge die Kin­der zu einer Grube am Wald­rand bei Bje­laja Zer­kow. Ukrai­ni­sche Kol­la­bo­ra­teure unter der Auf­sicht von deut­schen Wachen erschos­sen die Kin­der. “Deut­sche Sol­da­ten führ­ten sie grup­pen­weise an den Gru­ben­rand und die Mili­zio­näre schos­sen unko­or­di­niert in sie hin­ein. Auf man­che Kin­der wurde vier bis fünf Mal geschos­sen, bevor sie star­ben…”1

Wiki­pe­dia fasst hier fol­gende Berichte zusam­men – auf Basis nach­fol­gend genann­ter Quellen:

“Nach dem Ende des Kon­flikts mit der Wehr­macht began­nen die Ange­hö­ri­gen der Ein­satz­gruppe mit den Vor­be­rei­tun­gen für die Hin­rich­tung der Wai­sen­kin­der. Häf­ner zögerte jedoch, sei­nen Män­nern den Befehl zu ertei­len, die Kin­der zu töten, da er befürch­tete, dies könnte schwer­wie­gende Aus­wir­kun­gen auf ihre Psy­che und ihre Moral haben. Nach einer meh­rere Dut­zend Minu­ten andau­ern­den hef­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zung mit Paul Blo­bel wurde schließ­lich beschlos­sen, dass die Kin­der von den ukrai­ni­schen Kol­la­bo­ra­teu­ren erschos­sen wer­den soll­ten, die Häf­ner unter­stan­den. Am 22. August 1941 wur­den die Kin­der am Nach­mit­tag auf einem von einem Trak­tor gezo­ge­nen Anhän­ger aus der Stadt gebracht und an einem Mas­sen­grab im Wald erschos­sen, das zuvor von Wehr­machts­sol­da­ten aus­ge­ho­ben wor­den war. In sei­ner Stel­lung­nahme vom 26. August hielt Rei­chenau dann schrift­lich fest, „daß die ein­mal begon­nene Aktion in zweck­mä­ßi­ger Weise durch­ge­führt sei.”2

Über die Ereig­nisse sagte August Häf­ner spä­ter aus: “Die Ukrai­ner ziel­ten nicht auf bestimmte Kör­per­teile. Die Kin­der fie­len in das Grab. Sie wein­ten ent­setz­lich. Das werde ich mein Leben lang nicht ver­ges­sen. Ich konnte es nicht ertra­gen. Beson­ders erin­nere ich mich an ein klei­nes blon­des Mäd­chen, das meine Hand ergriff. Auch sie wurde spä­ter erschos­sen.”3

Das Mas­sa­ker von Bje­laja Zer­kow ver­deut­licht die sys­te­ma­ti­sche Ver­nich­tungs­po­li­tik und Bru­ta­li­tät der Faschis­ten, die Mit­wir­kung der deut­schen Wehr­macht, der ukrai­ni­schen Kol­la­bo­ra­teure (u.a. den UPA/OUN-Ein­hei­ten). Die Fol­gen mensch­li­cher Gleich­gül­tig­keit und Folg­sam­keit waren so uner­mess­lich. Bje­laja Zer­kow ist ein Kapi­tel des Holo­caust in der Ukraine, eine Geschichte von Grau­sam­keit, Schwei­gen und dem Mord an den Unschul­di­gen. Der Vor­sit­zende des Sicher­heits­rats Russ­lands, Dmit­rij Med­we­dew, erin­nerte in der Zei­tung “Kom­mers­sant” an die grau­sa­men Taten.4

Wie prä­sen­tiert sich Bje­laja Zer­kow heute bei den Nar­ben und der schmerz­haf­ten Ver­gan­gen­heit? Wie steht es heute um ein Geden­ken – mit­ten im Krieg, den die pro-faschis­ti­sche Füh­rung der Ukraine, die Hel­den der dama­li­gen Mör­der und UPA/OUN-Ein­hei­ten offi­zi­ell ehrt, gegen alles Rus­sisch-Spra­chige im Don­bass und im gan­zen Land seit dem Jahr 2014 führt? Wie steht es heute darum, da ukrai­ni­sche Füh­rer und deut­sche Unter­stüt­zer bzw. → Braune Pro­pa­gan­dis­ten erneut offen zum Mas­sen­mord an Rus­sen auf­ru­fen? Wie steht es heute darum für Nach­kom­men der dama­li­gen Täter, da wie­der von der BRD mit­ge­tra­gene Geno­zide im neuen Groß­macht­stre­ben → Eretz Israele u.a. gegen­über Paläs­tina vor allem Kin­der zur Ziel­scheibe haben?

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Quellen

(1) Peter-Usti­nov-Schule Hude, Ober­schule mit Gym­na­sia­lem Zweig, Arti­kel 29.06.2021, IN MEMORIAM…Bjelaja Zer­kow, 22.08.1941 – Kin­der­mord in der Ukraine, 08.09.2026

(2) Wiki­pe­dia, Richard Rho­des, Mis­trzowie śmierci. Ein­satz­grup­pen. Bel­lona, War­schau 2008, S. 202 f., 08.09.2026

(3) Wiki­pe­dia, Ant­ony Bee­vor, Sta­lin­grad. Książka i Wiedza, War­schau 2000, S. 64, 08.09.2026

(4) Bot­schaft der Rus­si­schen Föde­ra­tion in der Repu­bluk Öster­reich, Pres­se­stelle, Nach­rich­ten, vom 18.10.2021, Arti­kel des stlv. Vor­sit­zen­den des Sicher­heits­rats Russ­lands, Dmit­rij Med­we­dew, 08.09.2026

Video-Dokumente

Doku­men­tar­film: [Die Grube] (1995, Deutsch­land, Regie Karl Frucht­mann), Über den Kin­der­mord von Bje­laja Zer­kow im August 1941, u. a. mit Aus­sa­gen von Betei­lig­ten, Mel­dun­gen, Beschei­den und Berich­ten von Zeu­gen und Angeklagten

You­Tube, Kanal World History DE, 17.05.2026, Sogar SS und Wehr­macht woll­ten es nicht tun: Ukraine 1941, 08.09.2026

Nachsatz

Das Thema Erin­ne­rung und Auf­klä­rung bleibt ein am Anfang ste­hen­des Erfor­der­nis – leicht gesagt und schwer getan. Es erfor­dert viel Mut, viele Ideen, Mit­wir­kende, Platt­for­men und eine zuneh­mende sowie enge Ver­net­zung. Port Woling betreibt wei­ter Auf­klä­rung u. a. zu den Themen …

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