Datenschutzerklärung | Impressum | Woling Portrait | Nachricht | Sitemap | Wolle Ing | Wolle's Fotostock

1945-06-16 @ Vertreibung
Geschichte Port Woling – Vertriebene des Krieges – Alle Wohnungen mussten offen bleiben, Alles an Hab und Gut zurückbleiben, um in Nacht- und Nebelaktionen ihre Heimat fluchtartig zu verlassen
Aktualisiert: 13.09.2026
Bitteres Leid im Vergessen?

Wie im Titelbild – genauso hat meine Oma mit ihren 5 kleinen Kindern (2 Jungen und 3 Mädchen) Schlesien verlassen. Morgens am 16. Juni 1945 mussten sie, wie alle Bewohner des deutsch-schlesischen Ortes Hennersdorf (heute Polen), am Neiße-Ufer mit nur wenig Handgepäck zur Sammelstelle, um in die gleichfalls völlig zerstörten verbliebenen deutschen Zonen getrieben zu werden. Sie ließen für immer einen seit Jahrhunderten von meinen Vorfahren als Kirchbauern bewirtschafteten 3Seitenhof zurück.1
War es Glück, dass sie nicht wie die meisten Schlesier ihre Flucht über viele hundert Kilometer fortsetzen mussten? Gleich westlich der Neiße blieben sie bei Verwandten hängen. Die Kinder waren 3, 5, 8, 10 und 12 Jahre alt. Oma überlebte, wie viele Vertriebene, die Strapazen der Vertreibung nicht – aber die Kinder. Meine Oma Frieda-Martha starb im Mai 1946. Die 5 Kinder behielten ihren Vater (meinen Opa). Sie waren aber an ihrem neuen Ort zuerst nicht willkommen. Auch dort hatten die Menschen viel Leid erfahren.
Alles, aber Alles war in der Oberlausitz zerstört. Oft die Frauen in den Ruinen und in der Landwirtschaft allein und die Männern in dem Krieg gefallen oder Kriegsgefangene. Die widrigen Umstände ließen in den Kindern einen sehr harten Kern nach außen hin wachsen, der an sich selbst und auch jeden Menschen in Ihrem Umfeld künftig unnachgiebig und konsequent hohe Anforderungen stellte.
Die 5 Kinder wuchsen, gingen ihren Weg – immer eng verbunden -, aber vergaßen NIE – sie gaben das Gesehene weiter, zumindest an die nächste Generation. Langsam verblasst die Erinnerung. Heute ahnen noch nicht einmal die meisten Menschen – geblendet, leugnend oder unwissend, wie sie sind -, was das bedeuten könnte, Politiker im Reichentag, die Täter der Krisen von heute, sowieso nicht.
Das Land läuft heute wieder sehend in’s Verderben.
Der o. g. Vertreibungsgeschichte entstammte mein Vater. Er war eins der 5 Kinder. Meine Mutter war Sächsin und stand im Februar 1945 am oberen Talkessel, als unten die riesige Stadt Dresden ein Flammenmeer war.
Das Alles war nun für sie das sichtbare Ergebnis des vom deutschen → Faschismus vom Zaun gebrochenen Eroberungs-und Vernichtungskrieges gen Osten.
Meine Eltern trafen sich später zwischen Neiße und Elbe in einem völlig zerstörten Land. Ihnen folgte in der sozialistischen DDR eine Zeit des Friedens und großer Lebensleistungen. Dann wurde wieder Alles genommen, das Land annektiert, die → große deutsche Lüge einer “deutschen Einheit” begründet. Die Seele meines Vaters ruht im Berliner Fernsehturm.
In welcher Zeit sind wir hier und heute angekommen? In einer Zeit, die uns, erst wenn es zu spät ist, erneut eine Besinnung auferlegt? Oder siegt die Vernunft vorher. Vermutlich braucht das neue Leben erst das Erloschene und die Sünde. Phönix erwächst aus der Asche. War es nicht immer so? Muss es immer so sein?

Ja, SO WAR ES … – “Der Schlüssel musste außen stecken” – am 14. Juli 1945 lasen auch die Bewohner der Stadt Bad Salzbrunn, einem Ort im niederschlesischen Waldenburger Bergland, einen Sonderbefehl des polnischen Abschnittskommandanten Zinkowski. Drei Stunden hatten die deutschen Bewohner Zeit, die Stadt zu verlassen. 20 Kilo Reisegepäck durften die Menschen mitnehmen. In holprigem Deutsch steht in dem Sonderbefehl “Kein Transport (Wagen, Ochsen, Pferde, Kühe usw.) wird erlaubt.” Solche Befehle gab es viele.2
Das ist tatsächlich die Geschichte – und das Dokument (rechts) mit dem Sonderbefehl zumindest Beispiel eines üblichen damaligen Prozesses – der gewaltsamen Vertreibung von Millionen aus dem Schlesischen und weiteren Gebieten im damaligen Osten Deutschlands. Der Befehl hieß „Antreten und Abmarsch“ – zu unterschiedlichen Zeiten in den Nachkriegsmonaten. Schwerste Repressalien durch die neuen Hausherren nicht nur bei Denen, die nicht folgten, sondern auch auf dem Weg gen Westen – bis hin zu weiterer Plünderung oder Totschlag.
In der neuen Heimat waren die Flüchtlinge oder Vertriebenen nicht willkommen. Ihr ganzes Hab und Gut mussten sie zurücklassen. Wie sie in Ställen untergebracht waren, wie sie lebten, wie sie die ersten Jahre verachtet wurden – ein weiteres Thema. Aber sie ertrugen es, bauten das Land später mit auf.
Die meisten schlesischen Vertrieben landeten im Großraum Köln/Ruhrgebiet und Nürnberg, wo man heute noch ganz alte Menschen mit dem besonderen schlesischen Dialekt hört, der mir auch noch etwas anhaftet. Es ist aber auch eine vielschichtige Geschichte von gegenseitiger Vertreibung, die man nicht pauschal, mit Scheuklappen oder gar mit revanchistischem Blick betrachten sollte.
Es betraf nicht nur Schlesier. Die Gesamtzahl der vertriebenen, geflüchteten oder umgesiedelten Deutschen wird auf zwölf bis 14 Millionen Menschen geschätzt. Weiterhin betraf es etwa 3 Millionen Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei und viele Deutschstämmige aus Mittel- und Osteuropa sowie dem Balkan, die sich nach 1945 westlich von Neiße und Oder neu ansiedeln mussten.
Eine leidvolle Geschichte, bei der es mich immer sehr wunderte, dass sie so verschwiegen wurde (ähnlich wie die Rheinwiesenlager).
Es geht nicht darum, die Gebiete zurückzuerobern, Gestohlenes zurückzuholen – Geschichte muss mal einen Schnitt machen, sage ich immer, wenn Frieden einkehren soll. Wahrheiten müssen aber auf den Tisch als Mahnung und als Lehren, die eine Wiederholung verhindern. Ich denke, nach einem WK3, den Deutschland gerade erneut provoziert und vorbereitet, und wieder auf die Fresse fallen würde, gibt es das Land zumindest geographisch nicht mehr oder nur rudimentär. Wenn die Überlebenden Glück haben, darf im Osten (Gebiet der ehemaligen DDR) ein neues Deutschland wieder auferstehen – wobei ich nicht glaube, dass die Russen uns das nochmal verzeihen.
2. August 1945 – zum Abschluss der Potsdamer Konferenz beschlossen die Siegermächte die Abtrennung der deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße. Es war eine weitreichende Entscheidung in Folge des Krieges und verbrecherischen Wirkens Hitlerdeutschlands. Die deutschen Einwohner dieser großen Gebiete sollten ausgesiedelt werden. Jene, die nicht schon geflohen waren, wurden gewaltsam vertrieben.
Im Westen Deutschlands galten die Vertriebenen zuerst als Flüchtlinge.
Die nackte Wahrheit – ein Artikel unter Watson.ch schildert sie ohne Übertreibung, ohne Pauschalierung. In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, obwohl es Deutsche waren.3 Vertriebene waren auf Gedeih und Verderb den Einwohnern im Nachkriegsdeutschland ausgesetzt, die ebenfalls vor schlimmen Hinterlassenschaften des 2. Weltkrieges standen. Deutsche scheinen heute ihr eigenes Schicksal vergessen zu haben.
Wie kann man Elend von Krieg, Tod, Vertreibung und Flucht vergessen in Anbetracht der heutigen Flüchtlingswellen? NEIN – es gibt keine Entschuldigung für Menschen, die dieses Leid von damals und heute negieren, verharmlosen oder mit Vorsatz wieder in Kauf nehmen.
Viele private Berichte und wenige Bücher schildern heute das Vergangene. Forschungen aber existieren wenig bzw. kaum zu dem Thema. Der Schriftsteller und Publizist Wolfgang Bittner schrieb ein hoch lesenswertes, autobiographisches Buch über diese und seiner Familie Vertreibung – den Roman „Die Heimat, der Krieg und der Goldene Westen: Ein deutsches Lebensbild“. Er schildert das damalige Leben in Schlesien aus der Sicht eines Kindes um 1942, die folgende Vertreibung aus seinem kleinen Kindheitsparadies sowie den schwierigen Neuanfang.4
Ich las das Buch und fühlte mich zurückversetzt in die Kindheit meines Vaters. Ein Arbeitsheft zu einer Wanderausstellung “Unsere neue Heimat – Sachsen” schildert die entbehrungsreichen Lebensbedingungen der Vertriebenen bei der Ankunft in Sachsen. Es werden auch Lebensberichte von Betroffenen, Vorgeschichten der Familien in der alten Heimat sowie Vertreibung und erlittene Traumatisierungen thematisiert.5

Ich – ein Friedenssoldat und Grenzer – denke viel über Geschichte nach. Der Zweite Weltkrieg brachte nicht nur die Vertreibung. Im Ergebnis stand auch die deutsche Teilung und 2 neue deutsche Nationen – an der jederzeit brenzligen NAHTLINIE zwischen 2 Weltsystemen. Gerade die Menschen im mittleren Deutschland sind geprägt von der Zeit, besonders die an der ehemaligen Grenze lebenden Menschen. Auch in Gerstungen, in Thüringen, im Zentrum der heutigen BRD, sollte jeder 3. Haushalt rückblickend in seiner Familie einen Hintergrund aus dem damalige Ereignis der Massenvertreibung nach dem Weltkrieg haben.
Und kaum ein Haus in Grenzortschaften der ehemaligen DDR, in dem nicht wenigstens ein Angehöriger etwas mit den Grenztruppen, den Soldaten mit dem enorm schwierigen Auftrag zur Friedenssicherung, zu tun hatte – und wenn es nur berufliche bzw. geschäftliche Verbindungen waren. Und wieder gab es gewaltsame Vertreibungen, ein schlimmes Kapitel der Vertreibung ganzer Familien aus dem Grenzgebiet, auf das ich an dieser Stelle nicht eingehe. Diese Zwangsaussiedlungen aus dem Sperrgebiet, vor allem in großangelegten Polizeiaktionen 1952 und 1961, widerfuhr entlang der Demarkationslinie ca. 12.000 Einwohnern.
Wenn man es im Kontext mit dem Kriegsergebnis sieht, waren sie auch Vertriebene der Geschichte und des Großmachtstrebens des deutschen Großkapitals.

*
Quellen
(1) Chronik der Familie Kiessling in der Gemeinde Hennersdorf (bei Görlitz)
(2) Braunschweiger Zeitung, Archiv, Artikel Klaus Herrmann 02.08.2006, Der Schlüssel muss außen stecken
(3) Watson.ch, Artikel Daniel Huber 27.02.2016, Flüchtlingsschweine – die deutschen Vertriebenen …
(4) Goettinger Tageblatt, Artikel 08.06.2019, Kultur Regional, Roman, Rezension: Die Heimat, der Krieg und der goldene Westen
(5) BVS Sachsen, der Beauftragten für Vertriebene und Spätaussiedler, Arbeitsheft zu einer Wanderausstellung ‘Unsere neue Heimat – Sachsen’
Nachsatz
Das Thema Erinnerung und Aufklärung bleibt ein am Anfang stehendes Erfordernis – leicht gesagt und schwer getan. Es erfordert viel Mut, viele Ideen, Mitwirkende, Plattformen und eine zunehmende sowie enge Vernetzung. Port Woling betreibt weiter Aufklärung u. a. zu den Themen …
» Antifaschismus » Big-Data » Demagogie » Ermächtigung » Ethik & Moral » Euthanasie » Exekutive » Extremismus » Fanatismus » Faschismus » Fatalismus » Finanzsystem » Fraktale » Freundschaft » Gedenken » Globale STASI » Globaler Status quo » Globalität » Great Reset » Geschichte » Gewalt » Instinkt » Intelligenz » Interessenkomplexe » Judikative » KI » Krieg » Kriegswirtschaft » Legislative » Lobbyismus » Macht » Manifest » Manipulation » Massenüberwachung » Medien » Militarismus » Militärisch-Industrieller-Komplex » Neue Moderne » Ökonomie » Oligarchie » Pandemie » Parteien » Patriotismus » Politische Klasse » Propaganda » psychologische Kriegsführung » Quantenreligio » Religionen » Ressourcen » Rote Linie » Schlüsseltechnologien » Scheindemokratie » Schwur von Buchenwald » Soldatsein » Souverän » Staatsextremismus » Teilen » Terror » Toleranz » Totaler Staat » Totalimperialismus » Totalitarismus » Umwelt » Verfassungsdurchbrechung » Waffen » Wahlaufruf » Wahlen » Wie es begann » Widerstand » Wifi-Sensing und Palantir » Whistleblowing » Zionismus
*



