1941-09-** @ Massaker von Katyn

Geschichte Port Woling – Herbst 1941 oder früher, wann geschah es, warum, von wem? Die Sicht auf das Massaker an polnischen Offizieren bei Katyn (Raum Smolensk), sorgt noch immer für Diskussionen und fordert uns beim Umgang mit der Wahrheit.


»Arti­kel aktua­li­siert am 06.06.2023«

Das Massaker von Katyn – wem es nützt

Wahrheit

Was im Krieg am meis­ten schwin­det, sind Moral und Wahr­heit. Wir soll­ten aber auch den Nut­zen von etwas und die Moral der Betei­lig­ten betrach­ten, um neben vie­len Mosa­ik­stei­nen bzw. Fak­ten auch durch unse­ren Ver­stand, unsere Intui­tion, Empa­thie und Mensch­lich­keit einen Weg zur Wahr­heit gezeigt zu bekommen.

Wem nützt die Unwahr­heit am meis­ten? Jenen, die Kriege für das Groß­ka­pi­tal füh­ren oder Jenen, die ihr Land verteidigen?

Wes­sen Moral schwin­det am meis­ten, die Moral Jener, die als Kano­nen­fut­ter für Ruhm und Ehre für den Füh­rer kämp­fen und ster­ben sol­len oder Jene, die ihr Volk, seine Viel­falt, Seele, Sou­ve­rä­ni­tät, Inte­gri­tät und Unab­hän­gig­keit verteidigen.

Eins kann gleich zu Beginn gesagt wer­den. Die Wahr­heit über Katyn ist wohl zumin­dest nicht Jene, die von jeher in das Kon­zept anti­rus­si­scher Hass­pro­pa­ganda passt. Auf jeden Fall ist sie viel komplexer.

Der größte Hemm­schuh bei der Wahr­heits­fin­dung sind im selbst so dekla­rier­ten Wer­te­wes­ten seit je die Herr­schafts­eli­ten. Valide Infor­ma­tio­nen – das große Reich des Wis­sens – wären ihr Unter­gang. Täu­schung ist ihr Eli­xier zur Macht­aus­übung. Selbst­den­kende und sich breit Infor­mie­rende sind ihnen ein Sta­chel im Fleisch. Die Rech­nung der Herr­schafts­eli­ten, über Jeden, Alles und jeden Gedan­ken zu herr­schen, ist aber nicht auf­ge­gan­gen. Mehr und mehr Men­schen, die den Gehor­sam ver­wei­gern. Sie sind unbe­re­chen­bar. Sie las­sen nicht mehr so ein­fach per Gestel­lungs­be­fehle in Kriege trei­ben wie in den Jah­ren 1914 und 1939. Sie suchen mehr denn je und aktiv nach der Wahr­heit, so wie wir sie zu Katyn suchen.

Eine neue Art der Mensch­lich­keit ist ent­stan­den, mit der Nie­mand gerech­net hat, die wir irgendwo in uns weck­ten, eine kol­lek­tive Kraft – ja fast ein Sprung in der Qua­li­tät des mensch­li­chen Bewusst­seins -, die nicht mehr zu kon­trol­lie­ren ist. Die Men­schen ler­nen wie­der, selbst zu denken.

Was ist die Wahr­heit? Ist sie eine Sicht (aus einer Per­spek­tive) oder ist sie ein Fak­tum (etwas Tat­säch­li­ches)? Ist sie etwas dem Idea­lis­mus ent­spre­chen­des, das der Erkennt­nis und dem Den­ken ent­springt? Oder ist sie dem Mate­ria­lis­mus ent­sprun­gen, da alles Exis­tente der Welt auf Mate­rie und deren Gesetz­mä­ßig­kei­ten sowie Bezie­hun­gen zurück­zu­füh­ren ist, weil das Exis­tente bzw. das Sein das Bewusst­sein bestimmt?

Die ver­meint­li­che Wahr­heit – also eine Lüge – ist auch etwas, dass durch Weg­las­sen, Ver­fäl­schen oder gar Erfin­den für → Pro­pa­gan­da­zwe­cke einen star­ken Miss­brauch fin­det. Lügen spiel­ten oft­mals eine stra­te­gi­sche Rolle im psy­cho­lo­gi­schen Krieg gegen Men­schen­grup­pen oder der Beein­flus­sung gesell­schaft­li­cher Ent­wick­lun­gen. Den­ken wir an Regime-Change-Ope­ra­tio­nen gewis­ser US-Insti­tu­tio­nen seit dem 2. Weltkrieg.

Ist Wahr­heit eine Schnitt­menge im Plu­ra­lis­mus der Ansich­ten und wider­sprüch­li­chen Mei­nun­gen? Oder ist es die objek­tive Rea­li­tät? Ist Wahr­heit nur eine Samm­lung ver­schie­dene Erkennt­nis­wei­sen oder ist es etwas Unab­än­der­li­ches? Wis­sen­schaft­li­che Theo­rien und Gesetze – was haben sie mit Wahr­heit zu tun? Nähern sich Wis­sen­schaf­ten der Wahr­heit? Zumin­dest brin­gen sie uns der Wahr­heit näher – so die Geschichtsforschung.

Ich denke, Wahr­heit muss maxi­mal mit der Rea­li­tät kor­re­spon­die­ren, ohne dass es etwas Abso­lu­tes ist. Wenn die Rea­li­tät lange hin­ter uns liegt, ist die Her­aus­for­de­rung umso grö­ßer, die Wahr­heit zu erkennen.

Ori­en­tie­ren wir uns dann viel­leicht an Pla­ton, der das Wahre, ebenso wie das Schöne oder das Gute, als abso­lu­ten Wert erfasst? Wahr­heit ist keine Mei­nung, son­dern dem Irr­tum und der Illu­sion ent­ge­gen­ge­setzt. Sie ist nichts Tem­po­rä­res, son­dern etwas Veri­fi­zier­tes (Bewie­se­nes zu einem Sach­ver­halt), das in Kohä­renz (Zusam­men­hang) mit etwas Ande­rem und in der Ent­wick­lung steht (Dia­lek­tik). Skep­ti­ker hal­ten die Wahr­heit für uner­reich­bar. Dem möchte ich mich nicht anschlie­ßen, obwohl ich die Her­aus­for­de­rung zur Wahr­heits­fin­dung nicht negiere. Wahr­heit ist nicht etwas, das zu inter­pre­tie­ren ist. Sie hat Bestand, weil sie gül­tig, kor­rekt, unver­fälscht, umfas­send in den Zusam­men­hän­gen und der Ent­wick­lung ist.

Geschichte und Fragen zu Katyn

Im Wald von Katyn bei Smo­lensk wur­den mehr als 4000 Lei­chen in Mas­sen­grä­bern ver­scharrt. Zum Ende der Sowjet­union gestand der Kreml die Schuld ein. Wurde damit die Wahr­heit offen­bart? Zu beach­ten ist auch – der Begriff “Katyn-Ver­bre­chen” ist umfas­send. Er geht ein­her mit der Inter­nie­rung und/oder Hin­rich­tung von bis zu 22.000 pol­ni­schen Bürgern.

Die­ser Bei­trag wird keine abschlie­ßende Ant­wort über die Wahr­heit zum Mas­sa­ker von Katyn geben. Ich wäre froh, wenn es so wäre.

Die Gedan­ken zu Katyn wer­den von mir als Bei­spiel eines geschichts­träch­ti­gen Ereig­nis­ses vor­ge­bracht, das auf­zeigt, wie schwie­rig es um die Wahr­heit von Ereig­nis­sen in der Geschichte zuwei­len ste­hen kann, wie es auch pas­sie­ren kann, dass Lügen oder geschaf­fene Legen­den Geschichte werden.

Das Mas­sa­ker von Katyn – viele Fra­gen wirft es auf. Warum wur­den große Teile des pol­ni­schen Offi­ziers­korps dort erschos­sen? Wem nützte das Ver­bre­chen? Wer voll­zog das Mas­sa­ker? Wann fand es genau statt? Gab es tan­gie­rende Ereig­nisse, die damit in Zusam­men­hang gebracht wer­den, die ggf. eine Ver­zer­rung der Wahr­heit um das Mas­sa­ker erzeu­gen? Wie gehen ver­schie­dene Sei­ten damit um, wenn es keine aus­rei­chen­den Ant­wor­ten gibt? Lässt sich die Wahr­heit noch finden?

Geschichte kann zweck­ori­en­tiert geschrie­ben wer­den, um Ideo­lo­gien und gesell­schaft­li­che Vor­gänge der Gegen­wart zu begrün­den. Hierzu gehört viel – ich möchte sagen -, viel kri­mi­nelle Ener­gie, denn es ist ein Ver­bre­chen “im Dienste des Vol­kes”, den Men­schen essen­zi­elle Grund­la­gen Ihres Daseins – und Geschichte gehört dazu – zu ver­schwei­gen, zu erfin­den oder sie zu ver­zer­ren. Geschichte kann und sollte geschrie­ben wer­den als Spie­gel der objek­ti­ven Rea­li­tät. Letz­te­res natür­lich nur, wenn genü­gend valide und veri­fi­zierte Infor­ma­tio­nen vor­han­den waren bzw. sind.

Und – die Geschichte gehört auf den Tisch – bei allen Betei­lig­ten einer Gesell­schaft. Dann kann die Gesell­schaft dar­aus ler­nen – für eine noch bes­sere Zukunft.

Rund um den Katyn-Fall tür­men sich Berge mons­trö­ser Lügen, kur­zer Fäl­schun­gen und raf­fi­nier­ter Unter­las­sun­gen. Viele Jahr­zehnte hin­ter­ein­an­der war das Katyn-Ver­bre­chen eine schmerz­hafte und nicht ver­heilte his­to­ri­sche Wunde in der Seele jedes den­ken­den Polen.

Die Feinde Russ­lands nut­zen das jah­re­lange Schwei­gen über die wah­ren Umstände der Katyn-Ereig­nisse. Der Man­gel an Infor­ma­tio­nen über die öffent­li­che Bestra­fung der für die­ses Ver­bre­chen Ver­ant­wort­li­chen wurde geschickt aus­ge­nutzt, um Feind­se­lig­keit zwi­schen den ehe­ma­li­gen Bru­der­völ­kern Polen und Russ­land zu schüren.

Katyn, die Legende eines Verbrechens

Eine Lüge, die Geschichte wurde(?) – so das Mas­sa­ker von Katyn bei Smo­lensk, die Ermor­dung pol­ni­scher Offi­ziere – zur Lüge wurde, nicht weil es nicht statt­fand, son­dern weil offen­sicht­lich die Wahr­heit über Zeit, Ablauf und Täter so ver­schwom­men ist, wie der dickste Nebel über einer Fluss­aue. Die fol­gen­den Aus­füh­run­gen wer­den es zeigen.

Wer waren die Täter? Besteht das bis­her pri­mär pro­pa­gierte Bild zum Gesche­hen als Mit­tel zum Zweck einer anti­so­wje­ti­scher Pro­pa­ganda? Für mich passt diese Legende eines Ver­bre­chens eher in den dama­li­gen deut­schen Plan und die tat­säch­lich erfolgte Pra­xis zur Aus­rot­tung der pol­ni­schen Intel­li­genz und Führungsstruktur.

Klar ist, hier besteht Bedarf zur Klä­rung (ent­ge­gen einer Ver­klä­rung) einer schlim­men Geschichte – Wahr­hei­ten auf den Tisch.

Schauen wir uns die Vor­ge­schichte an. Nach über 100 Jah­ren war Polen im Ergeb­nis des 1. Welt­krie­ges als Natio­nal­staat wie­der­erstan­den. Große Gebiete bekam es gemäß der Rege­lun­gen im Ver­sailler Ver­trag von Deutsch­land zuer­kannt. Diese phy­si­sche Nie­der­lage ver­zieh der deut­sche Revan­chis­mus den Polen nie.

Ein ver­häng­nis­vol­les Groß­macht­stre­bens Polens kenn­zeich­nete die Zeit der Zwan­zi­ger – etwas, das wir auch heute wie­der erle­ben. Die pol­ni­schen Ambi­tio­nen kol­li­dier­ten mit den deut­schen. Sie waren been­det mit der Beset­zung Polens durch Deutsch­land zu Beginn des 2. Welt­krie­ges. Deutsch­land ver­folgte nicht nur das Ziel, das Ter­ri­to­rium Polens zu erobern, son­dern auch große Teile der Bevöl­ke­rung auszurotten.

U.a. in der Ope­ra­tion „Tan­nen­berg“ wur­den sys­te­ma­ti­sche, recht­li­che und orga­ni­sa­to­ri­sche Grund­la­gen zur Umset­zung geplant und rea­li­siert. Pol­ni­sche Zivi­lis­ten wur­den ohne Zeit­ver­zug par­al­lel zum mili­tä­ri­schen Feld­zug durch Spe­zi­al­ein­hei­ten in zumeist bes­tia­li­schen Säu­be­rungs­ak­tio­nen ermordet.

Mehr als 700 Blut­bä­der in Ort­schaf­ten im gan­zen Land wur­den an ein­hei­mi­schen Zivi­lis­ten ver­übt. Die Ver­bre­chen erreich­ten nicht den aller schlimms­ten Grad wie in → Bela­rus – trotz­dem, jeder 6. Pole kam im 2. Welt­krieg um’s Leben.

Neben­bei die Frage – sind diese Taten heute bei den Polen vergessen?

Die soge­nannte Intel­li­genz­ak­tion (Bestand­teil der AB-Aktion, voll­stän­dig außer­or­dent­li­che Befrie­dungs­ak­tion, eine Mord­kam­pa­gne der deut­schen Besat­zungs­macht wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges auf pol­ni­schem Staats­ge­biet mit dem Cha­rak­ter eines Völ­ker­mords) war her­aus­ra­gend aus den Mas­sen­mord­pro­gram­men und Ver­bre­chen gegen pol­ni­sche Ein­hei­mi­sche, Juden und auch ziel­ge­rich­tet an Behin­der­ten. Diese Aktion wurde durch die Deut­schen ziel­ge­rich­tet beschlos­sen und umge­setzt zur Eli­mi­nie­rung aller füh­ren­den „Ele­mente“ des Lan­des, ins­be­son­dere im Wes­ten Polens.

Es galt Alle zu töten – auf beson­de­ren Wunsch Hit­lers -, die in Zukunft Trä­ger eines pol­ni­schen Wider­stands sein könn­ten. Vor die­sem Anlie­gen waren noch nicht ein­mal pol­ni­sche Schul­kin­der sicher.

Die Tötun­gen gescha­hen sys­te­ma­tisch, fast unter indus­tri­el­len Bedin­gun­gen. Erschie­ßungs­kom­man­dos wüte­ten im gan­zen Land von Ende 1939 bis 1941 (Lite­ra­tur­quelle: Alex J. Kay, Das Reich der Ver­nich­tung, Ver­lag wbg Theiss, 2023).

Nach dem Über­fall auf die Sowjet­union wur­den die Tötun­gen pol­ni­scher Eli­ten im öst­lichs­ten Teil Polens, der im Sep­tem­ber 1939 von der UdSSR besetzt wor­den war, wei­ter­ge­führt. Der Feld­zug setzte sich fort gen Osten über die Ter­ri­to­rien der Sowjet­re­pu­bli­ken Bela­rus und Ukraine. Der Russ­land-Feld­zug ver­folgte zuerst den Plan mit dem Code­na­men „Richt­li­nie Nr. 21. Plan → Bar­ba­rossa”. Ziel war die Erobe­rung des sowje­ti­schen Ter­ri­to­ri­ums, mas­sen­hafte Ver­nich­tung sla­wi­schen Lebens und eine „Ger­ma­ni­sie­rung“ des Territoriums.

In der Ukraine fan­den sich will­fäh­rige Kol­la­bo­ra­teure aus der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung, die aktiv als Hel­fer in die Mas­sen­mord­ak­tio­nen ein­ge­bun­den wur­den. Es waren im beson­de­ren berüch­tigte, faschis­ti­sche Ban­dera-Ein­hei­ten, die in der Pra­xis oft noch schlim­mere Mord­me­tho­den anwen­de­ten, als es ohne­hin schon die Deut­schen taten.

Und nun tra­fen die faschis­ti­schen Mas­sen­mord-Kom­man­dos auf die sowje­ti­schen Lager mit den inter­nier­ten pol­ni­schen Offizieren.

Hier beginnt die Legende des Ver­bre­chens und Mas­sa­kers um Katyn.

Eine ein­fa­che, aber essen­zi­elle Frage, die sich ergibt, lau­tet: “Wer hatte beson­de­res Inter­esse an der Ver­nich­tung des pol­ni­schen Offi­ziers­korps?” Die Ant­wort auf diese Frage wird uns zumin­dest hilf­reich eine Rich­tung bie­ten bei der Suche nach der Ant­wort auf die Frage der Täter.

Letzt­lich spielt die dama­lige Gesamt­si­tua­tion eine Rolle. Die Umset­zung des Plans Bar­ba­rossa schei­terte bereits im Dezem­ber 1941 mit der deut­schen Nie­der­lage in der Schlacht um Mos­kau. Die Lage war somit gekenn­zeich­net durch eine Ver­schlech­te­rung der all­ge­mei­nen mili­tär­po­li­ti­schen und stra­te­gi­schen Lage für Deutsch­land. Ange­sichts die­ser Lage ergrif­fen deut­sche Besat­zungs­be­hör­den damals eine Reihe von Maß­nah­men zur Pro­vo­ka­tion, um ihre eige­nen Gräu­el­ta­ten den Orga­nen der Sowjet­macht zuzu­schrei­ben – auch in der Hoff­nung, die Rus­sen mit den Polen in Kon­flikt zu brin­gen. Die faschis­ti­sche Füh­rung hatte ihre diver­sen Pro­vo­ka­tio­nen auf den Moment abge­stimmt, als in den USA und Eng­land eine starke anti­so­wje­ti­sche Kam­pa­gne rund um die Ansprü­che der pol­ni­schen Emigranten-„Regierung“ gestar­tet wurde.

2 Hauptversionen über Täter

Die Wahr­heit über Katyn – eine unab­hän­gige Unter­su­chung“ – so lau­tet die Über­schrift der Web­site www.katyn.ru. Sie behan­delt sehr umfas­send das Thema mit offi­zi­el­len Doku­men­ten, Zeug­nis­sen, Ver­sio­nen, Ver­öf­fent­li­chun­gen und Infor­ma­tio­nen zu den Grab­stät­ten. Sie ist eine Inter­net­res­source des inter­na­tio­na­len Pro­jekts „The Truth about Katyn“. Sie wurde geschaf­fen, um die wah­ren Umstände einer der mys­te­riö­ses­ten und umstrit­tens­ten Epi­so­den des Zwei­ten Welt­kriegs – des Mas­sa­kers von Katyn – auf­zu­klä­ren. Wei­tere Ein­zel­hei­ten zu den Zie­len des Pro­jekts fin­den Sie im Abschnitt „Über das Pro­jekt“ der Web­site. Der Zweck des Pro­jekts besteht darin, die Wahr­heit her­aus­zu­fin­den und die Ver­ant­wort­li­chen für das Katyn-Ver­bre­chen zu iden­ti­fi­zie­ren. Alle, die daran inter­es­siert sind, sich die­ser kol­lek­ti­ven Arbeit anzu­schlie­ßen, haben die Mög­lich­keit, sich an Dis­kus­sio­nen auf die­ser Web­site zu betei­li­gen, ihre Texte dar­auf zu ver­öf­fent­li­chen und die Mate­ria­lien der Web­site mit ver­schie­de­nen Infor­ma­tio­nen zu ergän­zen, die für die end­gül­tige Lösung der Katyn-Frage nütz­lich sind. Besu­cher kön­nen ein­fach den Dis­kus­sio­nen fol­gen und die ver­öf­fent­lich­ten Mate­ria­lien frei nutzen.

Der aktu­elle Stand und Extrakt des Pro­jekts führt wohl noch nicht zur end­gül­ti­gen Ant­wort und Wahr­heit. Den Sta­tus der Web­site würde ich eher als Ruhend bezeich­nen. Ich möchte hier die Inhalte auch nicht voll­stän­dig wie­der­ge­ben – das ist jedem Inter­es­sen­ten selbst vor­be­hal­ten. Im Ergeb­nis exis­tie­ren aber bis heute 2 wesent­li­che Versionen.

DIE ERSTE VERSION – wie u.a. aktu­elle Enzy­klo­pä­dien berich­ten. Katyn (Katyn-Wald) – ein Gebiet 14 km west­lich von Smo­lensk – in den 1930ern ein Ort der Mas­sen­be­stat­tung sowje­ti­scher Bür­ger bzw. der Opfer des o.g. Plans Bar­ba­rossa. Im Früh­jahr 1940 hätte das NKWD (Volks­kom­mis­sa­riat für Innere Ange­le­gen­hei­ten der UdSSR) in Katyn mehr als 14.000 pol­ni­sche Offi­ziere, die im Herbst 1939 auf dem Ter­ri­to­rium der UdSSR inter­niert und aus ande­ren Lagern nach Katyn gebracht wur­den, getö­tet. Hin­rich­tun­gen auf dem Gebiet von Katyn wur­den aller­dings auch wäh­rend des Gro­ßen Vater­län­di­schen Krie­ges von den deut­schen Inva­so­ren durch­ge­führt. Wir erken­nen schon in die­ser These ver­schie­dene Täter­grup­pen, was eine Auf­ar­bei­tung der Geschichte zusätz­lich erschwert. 1989 wurde in Katyn ein Denk­mal errich­tet. Die Enzy­klo­pä­die Wiki­pe­dia spricht von 4400 gefan­ge­nen Polen, größ­ten­teils Offi­zie­ren, die dort vor­geb­lich vom NKWD getö­tet wur­den. Die Enzy­klo­pä­die betont dabei, dass die Tat zu einer gan­zen Reihe von Mas­sen­mor­den gehörte, die im Früh­jahr 1940 an min­des­tens fünf ver­schie­de­nen Orten in den Uni­ons­re­pu­bli­ken Russ­land, Ukraine und Weiß­russ­land an 22.000 bis 25.000 Berufs- oder Reser­ve­of­fi­zie­ren, Poli­zis­ten und Intel­lek­tu­el­len ver­übt wurden.

Wiki­pe­dia ver­schweigt, dass die Ermor­dung pol­ni­scher Intel­lek­tu­el­ler und Füh­rungs­schich­ten (wie oben in die­sem Arti­kel erwähnt) nie ein Plan der Sowjet­union war, son­dern de-facto Bestand­teil der soge­nannte Intel­li­genz­ak­tion zum Mas­sen­mord­pro­gramm des deut­schen Aggres­sors (Quelle u.a. Lite­ra­tur: Alex J. Kay, Das Reich der Ver­nich­tung, Ver­lag wbg Theiss, 2023, inte­gra­tive, umfas­sende Ana­lyse des Mas­sen­mords als Kriegs­stra­te­gie Deutschlands).

DIE ZWEITE VERSION zu den Tätern des Mas­sa­kers von Katyn geht von einer Mas­sen­exe­ku­tion pol­ni­scher Offi­ziere durch die Nazi-Inva­so­ren, began­gen im Herbst 1941, aus. Diese Ver­sion wird durch viele Indi­zien gestützt, wie wei­tere Quel­len zei­gen. Eine wesent­li­che Stütze bil­det die Tat­sa­che, dass mit der Erschie­ßung pol­ni­scher Offi­ziere im Wald von Katyn die faschis­ti­schen Inva­so­ren ihre Poli­tik der phy­si­schen Ver­nich­tung der sla­wi­schen Völ­ker und beson­ders der pol­ni­schen Füh­rungs­schicht aus ihrem Polen­feld­zug kon­se­quent fort­setz­ten. Die Hin­rich­tun­gen der Kriegs­ge­fan­ge­nen wur­den dem­nach von einer deut­schen Mili­tär­ein­rich­tung durch­ge­führt, die unter dem Deck­na­men „Haupt­quar­tier des 537. Bau­ba­tail­lons“ ver­deckt agierte. Nach Berech­nun­gen foren­si­scher Exper­ten erreichte die Gesamt­zahl der Lei­chen (Lei­chen in pol­ni­schen Mili­tär­uni­for­men) 11.000. Ein Bericht der Son­der­kom­mis­sion zur Fest­stel­lung und Unter­su­chung der Umstände von Katyn am 26.01.44 sowie das sowje­ti­sche Infor­ma­ti­ons­büro am 16.04.1943 ent­hüll­ten der gan­zen Welt die blu­ti­gen Machen­schaf­ten der Hen­ker Hit­ler-Deutsch­lands zur Ermor­dung pol­ni­scher Offi­ziere (Quelle: Web­site katyn.ru, 22.05.2023).

Einige Ergebnisse zum Ereignis

Am 13.04.1943 ver­brei­tete die deut­sche Presse die Nach­richt, dass die Wehr­macht im Februar 1943 in Katyn (bei Smo­lensk) die Lei­chen von 4.000 pol­ni­schen Offi­zie­ren ent­deckt hätte, die 1940 von Sowjets ermor­det wor­den wären. Das NS-Regime erhoffte sich von der Nach­richt eine Schwä­chung der Anti-Hitler-Koalition.

Am 16.04.1943 wies die Sowjet­union die „Ver­leum­dungs­an­griffe“ des faschis­ti­schen Deutsch­lands offi­zi­ell zurück. Am Fol­ge­tag wandte sich die pol­ni­sche Exil­re­gie­rung zur Klä­rung an die Sowjet­re­gie­rung. Es ist inter­es­sant, dass die pol­ni­sche Füh­rung damals nicht ver­suchte, die Sowjet­union für alles ver­ant­wort­lich zu machen, son­dern sich auf die Ver­bre­chen des faschis­ti­schen Deutsch­lands gegen das pol­ni­sche Volk kon­zen­trierte (Quelle: IK-PTZ, Mas­sa­ker von Katyn, 22.05.2023).

Vom 28. bis 30.04.1943 (3 Tage!) nahm eine inter­na­tio­nale Kom­mis­sion in Katyn eine Unter­su­chung vor. Tat­säch­lich wurde die Kom­mis­sion aus Ver­tre­tern von Staa­ten gebil­det, die von Nazi­deutsch­land besetzt waren oder alli­ierte Bezie­hun­gen zu ihm unter­hiel­ten. Wie erwar­tet stellte sich die Kom­mis­sion auf die Seite Ber­lins (Quelle: IK-PTZ, Mas­sa­ker von Katyn, 22.05.2023).

Am 05.10.1943 wurde eine Son­der­kom­mis­sion des NKWD und des NKGB unter der Lei­tung des Volks­kom­mis­sars für Staats­si­cher­heit Vse­vo­lod Mer­ku­lov und des stell­ver­tre­ten­den Volks­kom­mis­sars für innere Ange­le­gen­hei­ten Ser­gei Kru­g­lov gegrün­det. Anders als die deut­sche Kom­mis­sion ging die sowje­ti­sche Kom­mis­sion die Ange­le­gen­heit detail­lier­ter an, ein­schließ­lich der Orga­ni­sa­tion von Zeu­gen­ver­neh­mun­gen. 95 Per­so­nen wur­den befragt. Dabei kamen inter­es­sante Details zum Vor­schein. Bereits vor Kriegs­be­ginn befan­den sich west­lich von Smo­lensk drei Lager für pol­ni­sche Kriegs­ge­fan­gene. Sie beher­berg­ten Offi­ziere und Gene­räle der pol­ni­schen Armee, Gen­dar­men, Poli­zis­ten und auf pol­ni­schem Gebiet gefan­gene Beamte. Als der Krieg begann, hat­ten die sowje­ti­schen Behör­den keine Zeit, pol­ni­sche Kriegs­ge­fan­gene aus den Lagern zu eva­ku­ie­ren. Die pol­ni­schen Offi­ziere in den Spe­zi­al­la­gern wur­den im Som­mer 1941 auf­grund des raschen Vor­mar­sches der Deut­schen nicht eva­ku­iert. So befan­den sich die pol­ni­schen Offi­ziere schnell in deut­scher Gefan­gen­schaft (Quelle: IK-PTZ, Mas­sa­ker von Katyn, 22.05.2023).

Am 12.01.1944 wurde eine wei­tere Son­der­kom­mis­sion gebil­det, um die Umstände des Mas­sa­kers fest­zu­stel­len und zu unter­su­chen. Diese Kom­mis­sion wurde vom Chef­arzt der Roten Armee, Gene­ral­leut­nant des Sani­täts­diens­tes Niko­lai Nilo­vich Bur­denko, gelei­tet. Ihr gehör­ten eine Reihe pro­mi­nen­ter sowje­ti­scher Wis­sen­schaft­ler an. Der Schrift­stel­ler Ale­xej Tol­stoi und der Metro­po­lit Niko­laj (Jaru­sche­witsch) aus Kiew und Gali­zien wur­den eben­falls in die Kom­mis­sion auf­ge­nom­men. Das Ergeb­nis der ers­ten sowje­ti­schen Son­der­kom­mis­sion wurde bestä­tigt (Quelle: IK-PTZ, Mas­sa­ker von Katyn, 22.05.2023).

In die Ankla­ge­schrift des Nürn­ber­ger Tri­bu­nals wurde – obwohl die öffent­li­che Mei­nung im Wes­ten zu die­sem Zeit­punkt bereits ziem­lich vor­ein­ge­nom­men war – das Mas­sa­ker mit der Hin­rich­tung pol­ni­scher Offi­ziere in Katyn den­noch auf­ge­nom­men. Das heißt, die Ver­ant­wor­tung des faschis­ti­schen Deutsch­lands für die Bege­hung die­ses Ver­bre­chens wurde im Nürn­ber­ger Pro­zes­ses gegen die Haupt­kriegs­ver­bre­cher im 2. Welt­krieg aner­kannt. In den Jah­ren 1945 bis 1946 befand der Inter­na­tio­nale Mili­tär­ge­richts­hof in Nürn­berg Her­mann Wil­helm Göring († 1946 in Nürn­berg, deut­scher Poli­ti­ker und Kriegs­ver­bre­cher) und andere große deut­sche Kriegs­ver­bre­cher für schul­dig, eine Poli­tik der Ver­nich­tung des pol­ni­schen Vol­kes ver­folgt zu haben und u.a. pol­ni­sche Kriegs­ge­fan­gene im Katyn-Wald erschos­sen zu haben (Quelle: Web­site katyn.ru, 22.05.2023).

Wei­tere Unter­su­chun­gen – u.a. des Pri­vat­de­tek­tiv Ernest Aslanyan mach­ten auf ein sehr inter­es­san­tes Detail auf­merk­sam – pol­ni­sche Kriegs­ge­fan­gene wur­den mit in Deutsch­land her­ge­stell­ten Schuss­waf­fen getö­tet. Der NKWD der UdSSR setzte sol­che Waf­fen nicht ein. Auch wenn die sowje­ti­schen Tsche­kis­ten Kopien deut­scher Waf­fen zur Ver­fü­gung hat­ten, waren diese kei­nes­wegs in der in Katyn ver­wen­de­ten Menge vor­han­den. Aus irgend­ei­nem Grund wird die­ser Umstand jedoch von den Anhän­gern der ers­ten Täter­ver­sion nicht berück­sich­tigt (Quelle: IK-PTZ, Mas­sa­ker von Katyn, 22.05.2023).

‘smoking gun’-Dokumente – Ende der Sowjet-Ära

In das übli­che west­li­che Nar­ra­tiv, dass die Sowjet­union die Ver­bre­chen beging, pas­sen auch die soge­nann­ten ‘smo­king gun’-Dokumente (Smo­king Gun, dt. rau­chende Schieß­ei­sen, als Syn­onym für einen ein­deu­ti­gen Beweis) über das Mas­sa­ker. Diese Doku­mente zei­gen eine ver­zerrte Geschichts­dar­stel­lung zu Beginn des 2. Welt­krie­ges auf. Sie bil­den heute auch Grund­lage der ver­fäl­schen­den Geschichts­dar­stel­lung der pol­ni­schen Regie­rung und ihres Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums (siehe u.a. das Doku­ment “Katyn-Mas­sa­ker 1940, Ver­schwö­rung und Ver­rat, Ver­bre­chen und Unwahr­heit, Minis­te­rium für Natio­nale Ver­tei­di­gung, Zweite, über­ar­bei­tete Auf­lage, Mili­tä­ri­sches Ver­lags­in­sti­tut, War­schau 2022″).

Die von ihm so benann­ten ‘smo­king gun’-Dokumente unter­suchte der US-ame­ri­ka­ni­sche Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Gro­ver Carr Furr III (Mont­clair State Uni­ver­sity in Mont­clair, New Jer­sey, spä­ter nach sei­nem Katyn-Bericht als Geschichts­re­vi­sio­nist pau­schal, ver­bal ver­ur­teilt). Er fasste die Ergeb­nisse in sei­nem Bericht “Katyn, offen-siv 8-2014” (hier das PDF-Doku­ment) zusam­men.

Furr stellte u.a. fest: “In den Jah­ren 1990, 1991 und 1992 wur­den drei ältere ehe­ma­lige NKWD-Leute iden­ti­fi­ziert und inter­viewt. Sie mach­ten Aus­sa­gen dar­über, was sie von den Exe­ku­tio­nen der Polen im April und Mai 1940 wuss­ten. Keine die­ser Exe­ku­tio­nen habe dem­nach im Wald von Katyn statt­ge­fun­den, dort, wo die Deut­schen die Lei­chen aus­ge­gra­ben hat­ten. 1992 über­gab die rus­si­sche Regie­rung unter Boris Jel­zin der pol­ni­schen Regie­rung Doku­mente, die angeb­lich von Sta­lin und ande­ren Polit­bü­ro­mit­glie­dern unter­zeich­net gewe­sen seien und die, falls authen­tisch, die sowje­ti­sche Schuld zwei­fels­frei bewei­sen wür­den. Diese Doku­mente seien in dem ‘ver­sie­gel­ten Paket Nr. 1’ gefun­den wor­den, wobei ‘ver­sie­gelt’ die höchste Geheim­hal­tungs­stufe bedeu­tet habe: Staats­ge­heim­nis. Ich nenne sie ‘smo­king gun’-Dokumente, weil sie übli­cher­weise als ‘ein­deu­ti­ger Beweis’ für die sowje­ti­sche Schuld betrach­tet wer­den. Jedoch ist kein Beweis jemals unzwei­deu­tig und defi­ni­tiv; jedes Beweis­stück kann, gleich ob als Doku­men­ta­tion oder als Mate­rial, auf ver­schie­dene Weise inter­pre­tiert wer­den. Die ‘smo­king gun’-Dokumente aus dem ‘ver­sie­gel­ten Paket Nr. 1’ bezie­hen sich auf die Annahme, dass sämt­li­che Kriegs­ge­fan­ge­nen, die aus den Lagern abtrans­por­tiert wur­den, auch wirk­lich zur Hin­rich­tung gefah­ren wur­den. Die Tat­sa­che, dass sie nicht im April-Mai zur Hin­rich­tung trans­por­tiert wur­den, ist ein wei­te­rer Grund dafür zu ver­mu­ten, dass diese Doku­mente Fäl­schun­gen sind, was einige schon seit lan­ger Zeit behaup­ten” (Quelle: Gro­ver Furr, Über­set­zung ins Deut­sche von Ger­hard Schne­hen → Die offi­zi­elle Ver­sion des Mas­sa­kers von Katyn wider­legt?).

Im Jahr 1990 – in der Phase des Zusam­men­bruch der Sowjet­union von 1990 bis 1991 – über­nahm die Sowjet­union offi­zi­ell die Ver­ant­wor­tung für die vor­geb­lich von Josef W. Sta­lin ange­ord­nete Ermor­dung der pol­ni­schen Offi­ziere (Quelle: LeMO Museum Chro­nik 1943, 22.05.2023). Michael Gor­bat­schow († 2022, sowje­ti­scher Poli­ti­ker, von März 1985 bis August 1991 Gene­ral­se­kre­tär der KPdSU, von März 1990 bis Dezem­ber 1991 letz­ter Staats­prä­si­dent der Sowjet­union) nahm ent­spre­chende offi­zi­elle Erklä­run­gen vor. Bis 1992 hatte die dann rus­si­sche Jel­zin-Regie­rung offi­zi­ell erklärt, dass die sowje­ti­sche Füh­rung unter Sta­lin die Schuld an der Erschie­ßung der pol­ni­schen Gefan­ge­nen in den Mona­ten April und Mai 1940 trage. Diese Kehrt­wende in einer Zeit der Desta­bi­li­sie­rung der Sowjet­union und Russ­lands kam nicht uner­war­tet. Sie wirft gleich­falls Fra­gen auf.

Zusammenfassung

Für das Kon­zepts der ‘Gro­ßen Lüge’ war bereits Adolf Hit­ler († 30. 04.1945 in Ber­lin, deut­scher Poli­ti­ker öster­rei­chi­scher Her­kunft., von 1933 bis zu sei­nem Tod Dik­ta­tor des Deut­schen Reich) ein gro­ßer Ver­fech­ter und För­de­rer. Das Kon­zept ist ein Ansatz, wie es heute im “Wer­te­ba­sier­ten Wes­ten” für die pri­vi­le­gierte, kor­rum­pierte, mani­pu­lierte → Poli­ti­sche Klasse zuneh­mend Nor­ma­li­tät ist. Es bedeu­tete für Hit­ler, in der Poli­tik NIE die Wahr­heit sagen (Quelle: Hit­ler, Mein Kampf, Kapi­tal 6, Kriegs­pro­pa­ganda sowie Kapi­tal 10, Wes­halb das Zweite Reich unterging).

Die Geschichte von Klas­sen­kämp­fen – ver­ges­sen wir sie bei der Beur­tei­lung von Katyn nicht. „Die Geschichte aller bis­he­ri­gen Gesell­schaft ist die Geschichte von Klassen­kämpfen.“ Quelle: Karl Marx und Fried­rich Engels, 1847/48, Mani­fest der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei). Auch diese Erkennt­nis hilft unter Umstän­den, geschicht­li­che Ereig­nisse zu beur­tei­len und eigene oder andere Urteile und Vor­ur­teile zu prü­fen. Die Zeit­schrift ROTE FAHNE schrieb dar­über: “Gerade die Zusam­men­hänge des Mas­sa­kers von Katyn, bei dem Anfang der 1940er Jahre in West­russ­land Tau­sende pol­ni­scher Offi­ziere ermor­det wur­den, sind ohne Prü­fung poli­ti­scher Zusam­men­hänge nicht tief­ge­hend zu ver­ste­hen. Wer kämpfte damals gegen wen? Seit 1941 führte das faschis­ti­sche Deut­sche Reich einen unge­rech­ten impe­ria­lis­ti­schen Krieg gegen die sozia­lis­ti­sche Sowjet­union. Diese kämpfte mit der Anti-Hit­ler-Koali­tion (mit Groß­bri­tan­nien und den USA) einen gerech­ten anti­fa­schis­ti­schen Befrei­ungs­krieg. Die­ser Gegen­satz bleibt wesent­li­che Grund­lage der Beur­tei­lung des Mas­sa­kers von Katyn.” Ein moder­ner Anti­kom­mu­nis­mus ent­stand und der nutzte Katyn als Waffe gegen die Haupt­kraft im sozia­lis­ti­schen Lager (Quelle: Zeit­schrift ROTE FAHNE, Aus­gabe 13/2021, 22.05.2023).

Die Bewusst­heit über die Geschichte von Klas­sen­kämp­fen bedeu­tet vor allem eins – sich vor der Wahr­heits­su­che vom Klas­sen­stand­punkt her die Frage zu beant­wor­ten, wem etwas nützt. Welt­an­schau­li­che Posi­tio­nen (Ideo­lo­gien) von Unter­su­chen­den dür­fen dabei aber nicht allei­ni­ges Kri­te­rium oder Leit­bild zur Wahr­heits­fin­dung sein.

Nach dem 2. Welt­krieg – wie ging es mit einer Katyn-Unter­su­chung wei­ter? Ab Ende des Jah­res 1951 bis in die Gegen­wart stell­ten US-Offi­zi­elle erneut die Frage des Katyn-Ver­bre­chens, um irgend­eine Art von „Beweis“ für die Ermor­dung pol­ni­scher Kriegs­ge­fan­ge­ner durch die Sowjet­union zu erhal­ten. Und damit steht erneut die Frage nach den Nutz­nie­ßern einer Schuld­zu­wei­sung an die Sowjet­union vor uns.

War die­ses Vor­ge­hen gegen die Sowjet­union früh­zei­tig mit dem Wunsch ver­bun­den, sie zu ver­leum­den, all­ge­mein aner­kannte Ver­bre­cher des deut­schen Faschis­mus zu reha­bi­li­tie­ren sowie die Auf­merk­sam­keit der Völ­ker von der Wie­der­her­stel­lung aggres­si­ver Streit­kräfte im Nord­at­lan­tik­bünd­nis und bei der Anzet­te­lung eines neuen Welt­kriegs abzulenken?

Wie ich ein­gangs erwähnte – die Wahr­heit über das rus­si­sche Katyn ist wohl zumin­dest nicht Jene, die von jeher in das Kon­zept anti­rus­si­scher Hass­pro­pa­ganda passt – auf jeden Fall ist sie viel kom­ple­xer. Ich kann an die­ser Stelle somit auch kein abschlie­ßen­des Urteil liefern.

Tat­sa­che ist, jetzt sind die Polen hung­rig nach mora­li­scher, psy­cho­lo­gi­scher, poli­ti­scher und mate­ri­el­ler Ent­schä­di­gung. Diese Hal­tung Polens geht in der Gegen­wart ein­her mit einer aggres­sivs­ten NATO-Poli­tik ent­lang rus­si­scher Gren­zen . Es geht vor allem auch ein­her mit neuen, gefähr­li­chen Groß­macht­be­stre­bun­gen Polens wie in den Zwan­zi­gern des ver­gan­ge­nen Jahrhunderts.

Mit die­sen Dar­le­gun­gen wollte ich anre­gen, etwas schein­bar Fest­ge­mei­ßel­tes wie­der unter die Lupe zu nehmen.

Noch näher zu betrach­ten sind bestimmte Quel­len und Kern­er­eig­nisse. Mir erscheint es als bedeut­sam. Wer aber hat wei­ter­hin Inter­esse an der Wahr­heit oder an einer Lügen-Story?

Zumin­dest die Wahr­heit über die Geschichte – wie oben beschrie­ben – ver­pflich­tet uns. Sie ver­pflich­tet uns, damit sich sol­che Ver­bre­chen nie wiederholen.

So könnte oder müsste ein mili­tä­ri­sches Log­buch oder Betei­ligte der deut­schen Mili­tär­ein­rich­tung mit dem Deck­na­men „Haupt­quar­tier des 537. Bau­ba­tail­lons“ wei­tere Ergeb­nisse liefern.

Viel­fäl­tige kri­mi­nal­tech­ni­sche Ergeb­nisse aus den Unter­su­chun­gen soll­ten ein­deu­tige Rück­schlüsse auf die Tat­zeit her­ge­ben. Die eigent­li­che Tat­zeit sollte sich zwi­schen den vor­geb­li­chen Ereig­nis­sen im Früh­jahr 1940 durch das sowje­ti­sche NKWD und dem Herbst 1941 durch die faschis­ti­schen Inva­so­ren ein­gren­zen las­sen. Der Tat­zeit­punkt lie­fert uns die Täter. Das sollte doch mit moderns­ten tech­no­lo­gi­schen, kri­mi­nal­tech­ni­schen Foren­sik-Werk­zeu­gen mach­bar sein.

Was geschah mit den mate­ri­el­len Indi­zien in Form von Doku­men­ten und ver­schie­de­nen Gegen­stän­den, die die Deut­schen mit Hilfe der Polen der Tech­ni­schen Kom­mis­sion im April-Juni 1943 in Kis­ten ver­pack­ten? Schließ­lich basierte die gesamte „Unter­su­chung“ der Deut­schen neben unwis­sen­schaft­li­chen medi­zi­ni­schen Schluss­fol­ge­run­gen dar­auf, Doku­mente von Lei­chen zu sam­meln und zu behaup­ten, dass keine Papiere mit Datum nach Mai 1940 dar­un­ter seien. Diese Papiere, ent­we­der in 9 oder in 14 Kis­ten ver­packt, mit einer Num­mer ver­se­hen, wur­den auf zwei Last­wa­gen in das „Reichs­ge­biet“ trans­por­tiert und vor­geb­lich gemäß Befehl ver­brannt (Quelle: IK-PTZ, Mas­sa­ker von Katyn, 22.05.2023).

Die Zahl an Ermor­de­ten – ver­schie­de­nen Unter­su­chun­gen erge­ben hier stark schwan­kende Ergeb­nisse zwi­schen 4.000 und 22.000. Ggf. ist von unter­schied­li­chen Tat­or­ten und Zeit­punk­ten bzw. Ver­bre­chen aus­zu­ge­hen, die im Sinne des Pro­pa­gan­da­ziels zusam­men­ge­fasst wur­den. Auch hier sind Wider­sprü­che auf­zu­klä­ren, deren Ergeb­nisse wei­tere Indi­zien oder Beweise über Her­gang, Zweck und Täter lie­fern können.

Ja – und es gab viele Mas­sen­grä­ber – viele Orte in der Region Smo­lensk bzw. Katyn. Zumin­dest bis in das Jahr 2012 wur­den noch mensch­li­che Über­reste aus­ge­gra­ben, unter­sucht und dabei viele Teile und Indi­zien sicher­ge­stellt. Was geschah mit den gan­zen Din­gen – wel­che Schluss­fol­ge­run­gen las­sen sie zu? Ein Teil war die Dienst­marke Nr. 1441 des pol­ni­schen Poli­zis­ten Josef Kuli­gow­ski, Sohn von Ste­phen und Jose­pha, geb. Sadurska, geb. am 12.03.1898 in einem Dorf namens Strych. Er trat am 20.06.1919 in die pol­ni­sche Armee ein und nahm 1920 am Krieg gegen Russ­land teil. Er zeich­nete sich beson­ders in der Schlacht von Mari­am­pol am 24.06.1920, aus. Ab 1921 diente er in der Poli­zei, erst in der Region von Tar­no­pol, dann, ab 1924, für viele Jahre in Lodz. Im Jahr 1939 wurde er mobi­li­siert. Seine Dienst­marke wurde ins ört­li­che Museum gebracht (Quelle: Gro­ver Furr, 22.05.2023).

Ergo

Eine abschlie­ßende Unter­su­chung zur Fest­stel­lung der Wahr­heit sehe ich noch für mög­lich – aber wohl ein­zig in einer voll­zo­ge­nen mul­ti­po­la­ren Welt unter unab­hän­gi­ger, glo­ba­ler Betei­li­gung von aner­kann­ten Per­sön­lich­kei­ten, Rechts­exper­ten und Wis­sen­schaft­lern. Die­ser Kom­mis­sion obläge die Auf­gabe, Infor­ma­tio­nen, die der Wahr­heit die­nen sol­len, in maxi­ma­len Umfang zu sam­meln, sie zu veri­fi­zie­ren und somit einer his­to­ri­schen Gesamt­be­ur­tei­lung zuzuführen.

Bis dahin bleibt für mich die so sehr pro­pa­gierte These der Ver­sion 1 “Katyn-Mas­sa­ker im Früh­jahr 1940 durch das sowje­ti­sche NKWD” als die end­gül­tige Wahr­heit unbe­grün­det und nicht maß­ge­bend für ent­spre­chende essen­zi­elle Schlussfolgerungen.

Ich selbst habe diese Recher­che (neben mei­nem Beruf) der Wahr­heit Wil­len für mein eige­nes Welt­bild vor­ge­nom­men. Natür­lich freue ich mich, wenn es zur Erwei­te­rung des Blick­win­kels – ins­be­son­dere bei Jugend­li­chen – zu his­to­ri­schen Ereig­nis­sen in der Zeit des deut­schen Faschis­mus bei­trägt oder grund­sätz­lich ein Gefühl und Fähig­kei­ten zum Umgang mit der Wahr­heit stärkt.

Letzt­lich hoffe ich aber, sofern Leser die­ses Bei­trags wei­tere Hin­weise oder Quel­len besit­zen oder ent­de­cken, dass sie diese mir mit­tei­len, um ggf. an die­ser oder auch ande­rer Stelle wich­tige Ergän­zun­gen vorzunehmen.

Quellenverzeichnis – Weitere Info’s zum Massaker

Ich möchte und kann hier nicht Alles an Details, Für und Wider, was ich in mei­nen Recher­chen fand, wie­der­ge­ben. Zur end­gül­ti­gen Ant­wort und Wahr­heit füh­ren noch viele Wege. Auch aus die­sem Grund im Fol­gen­den eine Über­sicht mei­ner Quel­len. Jedem Inter­es­sen­ten ist es selbst vor­be­hal­ten, diese Quel­len zu studieren.

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