1934-01-01 @ Schriftleitergesetz

Geschichte Port Woling – Erin­ne­rung an ein Gesetz zur Medien- und Mei­nungs­kon­trolle im Hit­ler­fa­schis­mus, das Schriftleitergesetz. 


Das Schriftleitergesetz tritt in Kraft

Am 04.10.1933 wurde das Schrift­lei­ter­ge­setz (Abk. SLG) beschlos­sen. Am 01.01.1934 trat es in Kraft – ein zen­tra­les Instru­ment des deut­schen Faschis­mus zur Gleich­schal­tung der Presse. Der ganze Geset­zes­text ist in der Öster­rei­chi­sche Natio­nal­bi­blio­thek zu fin­den.1 Mit einer wei­te­ren Ver­ord­nung wurde das Schrift­lei­ter­ge­setz am 14.06.1938 auch in Öster­reich ein­ge­führt.2

Redak­teure und Jour­na­lis­ten wur­den nun als “Schrift­lei­ter”, Haupt­re­dak­teure als „Haupt­schrift­lei­ter“ beti­telt, ihre Staats­nähe und bedin­gungs­lose Treue regle­men­tiert. Letz­tere hat­ten wie­derum die poli­ti­sche Linie des Publi­ka­ti­ons­or­gans gegen­über dem Prä­si­den­ten der Reichs­pres­se­kam­mer (RPK) und „Reichs­lei­ter für die Presse“ zu recht­fer­ti­gen. Die RPK lag wie­derum im faschis­ti­schen Deut­schen Reich in der Ver­ant­wort­lich­keit des Reichs­mi­nis­te­ri­ums für Volks­auf­klä­rung und Pro­pa­ganda (RMVP) – der zen­tra­len Insti­tu­tion der NS-Pro­pa­ganda unter Lei­tung des Pro­pa­gan­da­mi­nis­ters Joseph Goeb­bels.3 Der Pro­pa­gan­da­mi­nis­ter tönte zur Ein­füh­rung: „Ich habe die natür­li­che Absicht, der warm­her­zige Beschüt­zer der deut­schen Presse zu sein und zu blei­ben.“4

Mit dem Schrift­lei­ter­ge­setz schloss sich der Kreis und das Sys­tem zur faschis­ti­schen Medien- und Meinungskontrolle.

Ver­le­ger wur­den prak­tisch ent­mach­tet. Nur wer in einer von der Reichs­pres­se­kam­mer geführ­ten Berufs­liste regis­triert war, durfte jour­na­lis­tisch arbei­ten. Die Regis­trier­ten waren ver­pflich­tet, Alles aus den Medien fern­zu­hal­ten, was die “Kraft des Deut­schen Rei­ches”, den Gemein­schafts­wil­len oder die Tüch­tig­keit für kom­mende Ziele/Aufgaben der faschis­ti­schen Dik­ta­tur schwä­chen könnte. Ver­stöße wur­den durch spe­zi­elle Berufs­ge­richte geahn­det. Ein Aus­schluss aus der Berufs­liste war ggf. die Folge. Wer sich nicht daran hielt, wie Carl von Ossietzky, wurde ver­haf­tet, in Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger depor­tiert, miss­han­delt oder gar getötet.

Das SLG sicherte über eine ras­si­sche und poli­ti­sche Aus­wahl (u. a. wurde ein „Arier­nach­weis“ gefor­dert) unbe­dingte Loya­li­tät und poli­ti­sches Wohl­ver­hal­ten des Jour­na­lis­ten (Schrift­lei­ters) gegen­über der regie­ren­den NSDAP bzw. Poli­tik der faschis­ti­schen Füh­rung in Deutsch­land. De facto wurde den Medien die Mög­lich­keit und jour­na­lis­ti­sche Pflicht als 4. Gewalt im Staat ent­zo­gen, ihrer Funk­tion zur Kon­trolle Regie­ren­den, wahr­heits­ge­treuen und wer­tungs­freien Infor­ma­tion der Gesell­schaft , um so u. a. gesell­schaft­li­che Teil­habe zu ermöglichen.

Das Schrift­lei­ter­ge­setz bedeu­tete das end­gül­tige Aus für Pres­se­frei­heit und wan­delte die Presse in ein Werk­zeug der faschis­ti­schen Pro­pa­ganda. Es wurde nach dem Zwei­ten Welt­kriegs am 20.06.1945 aufgehoben.

Letzt­lich war das SLG Werk­zeug und Teil eines umfas­sen­den, sys­te­ma­ti­schen Pro­zes­ses zur faschis­ti­schen Medien- und Mei­nungs­kon­trolle, „Mei­nungs­re­gu­lie­rung“ sowie Depres­sion des Staa­tes gegen alle Anders­den­kende. Mei­nungs­frei­heit und Selbst­den­ken wur­den unter­drückt. Große Teile der Unter­ta­nen bzw. die Ziel­gruppe schluck­ten die Nar­ra­tive und Ideo­lo­gie der faschis­ti­schen Macher erbar­mungs­los auf dem Weg zum eige­nen Untergang.

Dort, wo sich Ähn­li­ches oder heute in wei­ter ent­wi­ckel­ter Form in geschaf­fe­nen Zen­sur-Netz­wer­ken und einem regel­rech­ten Indok­tri­na­tion-Indus­trie-Kom­plex5 voll­zieht, ist es wie­der Zei­chen des Faschis­mus in voll­zo­ge­nen Anfän­gen. Wie weit sind wir heute davon ent­fernt? Bei­spiel­haft kön­nen wir aktu­ell beob­ach­ten, wie EU-Funk­tio­näre und deut­sche Obere daran arbei­ten, eine totale Mei­nungs- und Gesin­nungs­kon­trolle (bei­spiel­haft Digi­tal Ser­vices Act, EU-Chat­kon­trolle, Euro­pean Media Free­dom Act) zu erwir­ken. Jour­na­lis­ten – zu Jour­nail­len her­ab­ge­wür­digt – haben als hörige Staats­die­ner zu amtie­ren. Unab­hän­gige Bericht­erstat­ter und Inves­ti­ga­ti­v­jour­na­lis­ten gera­ten in Gefahr, jeg­li­che Frei­hei­ten und Men­schen­rechte genom­men zu wer­den, wie u. a. im Fall Jaques Baud und Tho­mas Röper.

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Wolf­gang Kiessling (alias Woling – www.port-woling.net, alias Wolle Ing – www.wolle-ing.de)
Quellen
  1. Öster­rei­chi­sche Natio­nal­bi­blio­thek; ALEX His­to­ri­sche Rechts- und Geset­zes­texte Online; Reichs­ge­setz­blatt Teil 1; Aus­gabe Nr. 111 vom 07.10.1933; Schrift­lei­ter­ge­setz vom 04.10.1933
  2. NS-Quellen.at; Mate­ria­lien zum Natio­nal­so­zia­lis­mus, Ver­mö­gens­ent­zug, Rück­stel­lung und Ent­schä­di­gung in Öster­reich; Gesetze; Ver­ord­nung über die Ein­füh­rung des Schrift­lei­ter­ge­set­zes im Lande Österreich
  3. Inter­net-Archive, Deut­sches Pres­se­mu­seum (im Ull­stein­haus e.V.), Arti­kel von von Max Ruch­ner, Bemer­kun­gen zum deut­schen Schrift­lei­ter­ge­setz, Neue Zür­cher Zei­tung vom 10.10.1933
  4. Arol­sen-Archi­ves, The­men, News & Events, NS-Schrift­lei­ter­ge­setz: Das Ende der Pressefreiheit
  5. Begriffs­er­klä­rung “Indok­tri­na­tion-Indus­trie-Kom­plex”: Eigen­be­griff des Autors (30.01.2026 unter Face­book); In der Gegen­wart Kom­plex bzw. Pro­pa­ganda-Matrix von Betei­lig­ten im gemein­sa­men Inter­esse der umfas­sen­den Mei­nungs­re­gu­lie­rung zur Durch­set­zung staat­li­cher Nar­ra­ti­ver und ille­gi­ti­mer poli­ti­scher Direk­ti­ven – de facto zur mas­si­ven, ver­bre­che­ri­schen Indok­tri­na­tion der Hirne der Men­schen im indus­tri­el­len Maß­stab, dem sich Nichts und Nie­mand ent­zie­hen soll und darf; Betei­ligte im Netz­werk u. a. aus Regie­rung, Wis­sen­schaft und For­schung, Stif­tun­gen, NGO‘s, ThinkTanks, Unter­neh­men, „Fak­ten­prü­fern“, Medien/Leitmedien des deut­schen Zen­sur­netz­werks; ent­schei­dende Ele­mente sind die NGO’s und Stif­tun­gen – soge­nannte Nicht-ReGIE­Rungs-Orga­ni­sa­tio­nen, mit dem auf­ge­setz­ten, täu­schen­den Stem­pel der Demo­kra­tie­för­de­rung (zur För­de­rung UNSERER Demo­kra­tie – und sie mei­nen IHRE Dik­tate), die eben nicht unab­hän­gig agie­ren, die schon jah­re­lang „umge­bo­gen“, geför­dert, pri­vi­le­giert, gebrieft wur­den; sie drück(t)en den Men­schen die in ihrem Ansatz nazis­ti­sche Logik der Black­Rock-Mario­net­ten, wie CumEx-Lieb­linge, BBocks, Hebacks, Kla­bau­ter­män­ner, Flin­te­nu­schis, NAh­TOd-Kriegs­mi­nis­ter und Co. auf – im Inter­esse des Groß­ka­pi­tals; Quel­len u. a.: 
Nachsatz

Das Thema Erin­ne­rung und Auf­klä­rung bleibt ein am Anfang ste­hen­des Erfor­der­nis – leicht gesagt und schwer getan. Es erfor­dert viel Mut, viele Ideen, Mit­wir­kende, Platt­for­men und eine zuneh­mende sowie enge Ver­net­zung. Port Woling betreibt wei­ter Auf­klä­rung u. a. zu den Themen …

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