Antifa-Fragen

Lie­be Freun­de, hier eine Kolum­ne im Namen des Friedens,
zum Nach­den­ken und für mensch­li­che, zivi­li­sier­te Dispute:

Einblicke Port Woling – Antifa


Wer die Weimarer Republik zerstörte

Eine (nicht ganz) pole­mi­sche Betrachtung

Anti­fa - ein Unwort poli­ti­scher Rhe­to­rik oder Dis­kurs­ver­mül­lung? Eins scheint auf­zu­ge­hen – im Neo­li­be­ra­lis­mus ent­lee­ren sol­che Begrif­fe den poli­ti­schen Raum oder auch die Mög­lich­keit, über­haupt den „Nebel der Ver­wir­rung“ zu durch­bli­cken. Gehört die­se Tat­sa­che nicht zur Stra­te­gie des herr­schen­den Sys­tems? Wer oder was ist das eigent­lich - Anti­fa? Lässt es sich aus­rei­chend und tri­vi­al beschrei­ben mit “Anti­fa­schis­mus” bzw. “anti­fa­schis­ti­sche Pro­test­be­we­gung” oder ver­teu­feln mit „Links­ex­trem“?

Gege­be­nen­falls ist das aber nicht Alles und Alles ist Nichts.
Suchen wir kei­ne Ant­wor­ten – suchen wir Fragen!

Die Aus­gangs­si­tua­ti­on ist viel­leicht fol­gen­de Fra­ge. Ist Anti­fa­schis­mus eine aus­ge­wie­se­ne lin­ke Bewe­gung? Ist es nicht viel­mehr eine Bewe­gung aller Kräf­te, die für Huma­nis­mus, Tole­ranz und Viel­falt ein­tre­ten? Wer gebraucht die­sen Begriff am meis­ten und gegen wen? Wer setzt das Unwort in aller Regel bewusst mani­pu­lie­rend ein?

Es sind jene Dem­ago­gen, die über die Anti­fa ledig­lich ein Bild ver­mit­teln, aber kei­ne all­ge­mein­gül­ti­gen Fak­ten. Es sind die­se Art von geis­ti­gen Spe­ku­lan­ten, die ihre klei­ne jäm­mer­li­che Welt dem Rest an Geknech­te­ten der Erde über­stül­pen wollen.

Die­ser Art von Polit­gauk­lern der Mit­te tun es in der Unter­stel­lung, die Anti­fa wäre eine Form des Links­ex­tre­mis­mus und in der sym­bo­li­schen Form eines Huf­ei­sens (Huf­ei­sen­theo­rie des Neu-Rech­ten-VS) den Rechts­ex­tre­mis­ten gegen­über­ge­stellt. Die Anti­fa wäre so im extre­mis­ti­schen Sin­ne zu Glei­chem fähig, wie der Rechtsextremismus.

Dabei befin­den sich die­se klas­si­schen Par­tei­en von Oliv­grün bis CSU selbst in unmit­tel­ba­rer Huf­ei­sen-Nach­bar­schaft der rechts-außen posi­tio­nier­ten NPAFD. Die Mit­te des Huf­ei­sens bis ganz links lang­weilt sich in ihrer gäh­nen­den Lee­re. Ja - es gibt dort über­haupt kei­ne sicht­ba­re Kraft, soweit ist die gan­ze Par­tei­en­land­schaft nach Rechts abgedriftet.

War­um pro­pa­gie­ren sie die­se alter­na­ti­ve Unter­stel­lung? Lässt sich die Anti­fa auch nur annä­hernd mit den ver­bre­che­ri­schen Aktio­nen ana­log der Natio­nal­so­zia­lis­ten im Drit­ten Reich ver­ge­gen­ständ­li­chen oder per­so­ni­fi­zie­ren? Wer das meint, ist nur ein Büt­tel oder zieht sich die Hosen mit der Kneif­zan­ge an. Wäh­rend­des­sen ist die Rechts-Mit­te den Rufern nach brau­ner Dik­ta­tur näher, als sie sich hin­ter ihrer Fas­sa­de geben.

Ich gebe zu, Anti­fa ist als Begriff schwie­rig zu fas­sen, genau­so wie die Begriff­lich­kei­ten des Libe­ra­lis­mus und Neo­li­be­ra­lis­mus - einer Idee, die die Welt verschlingt.

Para­dox, dass gera­de die­ser ver­sa­gen­de Libe­ra­lis­mus durch sein nach­weis­li­ches Ver­sa­gen beim Umset­zen von Frie­den, Frei­heit, Gleich­heit, Brü­der­lich­keit und Men­schen­rech­ten (auf­grund des Kol­la­bie­rens des vor­han­de­nen Sys­tems des Mehr­werts Weni­ger) die Quel­le natio­na­lis­ti­scher und aus­gren­zen­der Ideen der neu­en völ­ki­schen Natio­na­lis­ten ist. Oder - ist es doch nicht para­dox, son­dern nur das Gesetz des Wer­te­wes­tens und Kapi­tals? Tra­gen sie Mit­schuld? Wie war das damals nochmal?

Tat­sa­che ist, der Neo­fa­schis­mus schrei­tet in Deutsch­land wie­der vor­an - im Gleich­schritt mit Ten­den­zen des Mili­ta­ris­mus und neu­er Kriegs­trei­be­rei. Es geschieht in einer Situa­ti­on, in der das tra­gen­de Sys­tem des Kapi­tals an sei­ne Gren­zen stößt. Die Poli­ti­sche Klas­se hat dem Nichts entgegenzusetzen.

Vor dem genann­ten Hin­ter­grund möch­te ich den Begriff Anti­fa beleuch­ten, ohne über etwas eine gül­ti­ge Defi­ni­ti­on zu lie­fern, das von Geg­nern so unglaub­lich ver­bo­gen wird.

Das Wort Anti­fa nahm eine wun­der­sa­me Wan­de­rung vor. Wohin? Augen­schein­lich von Anti­fa-Rufern ganz Rechts nach Mit­te-Rechts und wei­ter zur Mit­te, der ja seit neu­er­dings die NSAFD ange­hö­ren möch­te. Nun kann sich der Kreis schlie­ßen? Dann pas­siert eben in Thü­rin­gen sowas von sowas.

War­um tun sie das? Wann haben sie dar­an ihr Ver­gnü­gen? Wie reagiert dann das Volk oder gele­gent­lich die Exe­ku­ti­ve in Form von Poli­zis­ten, die dann ihr Neu­tra­li­täts­ge­bot radi­kal gegen die Mau­er klat­schen? Die kom­plett nach Rechts gewan­der­te Mit­te der Gesell­schaft hat das Unwort - Anti­fa - gedan­ken­los von Rechts­ex­tre­mis­ten übernommen.

Die­sen Trumpf spie­len sie immer dann aus, wenn sie sich selbst ent­lar­vend schwäch­ten. Es genügt ihnen, im Wahl­kampf poli­ti­sche Geg­ner, die angeb­lich Links ste­hen, zu dif­fa­mie­ren. Es genügt ihnen auch, um alle poli­ti­schen Geg­ner in einen Topf zu wer­fen und sie damit für inak­zep­ta­bel zu erklä­ren. Sie wol­len man­gels poli­ti­scher Grö­ße den erklär­ten Feind ein­fach nur aus­boo­ten - und das mit allen schmut­zi­gen Mitteln.

Einer geht noch …

Anhän­ger der NS-Zeit und -Theo­rien (u. a. der NPD, AfD und diver­ser Schutz­staf­feln) bekom­men den Hals nicht voll. Sie set­zen gele­gent­lich dem Begriff Anti­fa noch einen drauf – mit der Deu­tung “Links­fa­schis­ten”. Es ist ein gehalt­lo­ser Begriff der → Neo­na­zis­mus-Spra­che zur Kon­struk­ti­on von Feind­bil­dern, letzt­lich aber ohne Bedeu­tung, ohne Anstand vor der Geschich­te, ohne jeg­li­chen his­to­ri­schen Back­ground. Die­se Bezeich­nung kön­nen wir also rechts lie­gen las­sen - und tschüss.

Was aber ist der Zweck der Psy­cho­lo­gie der Dämonisierung?
Und wei­ter zur Fra­ge über die Antifa …

Ein­lei­tend erspa­re ich mir die Wiki­pe­dia-Beschrei­bung, die die Anti­fa ein­zig der links­ex­tre­men Sze­ne zuord­net. Und bit­te - was ist aus­zu­set­zen an Links­ex­trem? Solan­ge es nicht radi­kal gewalt­be­reit und ver­bal den Ter­ror her­aus­for­dernd zugeht, wie es zuhauf bei rechts­ra­di­ka­len Fana­ti­kern pas­siert oder bei Jenen vom VS gesen­de­ten schwar­zen Ter­ror-Her­vor­ru­fern (die sie immer wie­der in lin­ke, anti­fa­schis­ti­sche oder anti­mi­li­ta­ris­ti­sche Demons­tra­tio­nen einschleusen?).

Gele­gent­lich wird der Anti­fa vor­ge­wor­fen, den Faschis­mus-Begriff zu weit zu fas­sen, so dass man den Natio­nal­so­zia­lis­mus in sei­ner Kom­ple­xi­tät nur bedingt erfasst. Schon wie­der der Ver­such einer Pau­scha­lie­rung? Spä­tes­tens hier, wenn wir die Geschich­te erfor­schen und begrei­fen, wie die »Bana­li­tät des Bösen« (nach Han­nah Arendt, jüdi­sche poli­ti­sche Theo­re­ti­ke­rin und Beob­ach­te­rin zu den Nürn­ber­ger Kriegs­ver­bre­cher­pro­zes­sen) die essen­zi­el­le Grund­la­ge bil­de­te für das uner­mess­li­che fol­gen­de Grau­en, wird Vie­les klar. Oder Alles? Dann kann der Faschis­mus­be­griff wohl nicht weit genug gefasst werden.

Dann muss der Faschis­mus-Begriff bei Denen begin­nen, die aus mili­ta­ris­ti­schen, macht­ori­en­tier­ten und öko­no­mi­schen Bestre­bun­gen her­aus den ver­bre­che­ri­schen Natio­nal­so­zia­lis­ten in den Sat­tel ver­hal­fen und es heu­te wie­der tun.

Jene sind die För­de­rer der Brau­nen Brut in Zei­ten des Kol­la­bie­rens des Kapi­tals. Sie ertei­len der Poli­ti­schen Klas­se durch deren Pri­vi­le­gie­rung die Vor­ga­be zur “Faschis­mus­ver­harm­lo­sung”.

War­um? Ihr Ziel ist ein Alles beherr­schen­der Tota­li­ta­ris­mus und unein­ge­schränk­te Macht über Jeden und alle Res­sour­cen die­ser Erde.

Zur Anti­fa-Pra­xis. Die Gegen­wart zeigt: Jeder, der nur an Huma­nis­mus denkt - selbst der Pfar­rer in der Kir­che, der mensch­li­che Gebo­te pre­digt - der Ver­eins­ver­ant­wort­li­che, der Kin­der und Jugend­li­che im Sin­ne von Viel­falt, Ethik, Moral und Mensch­lich­keit erzieht - oder die alte Frau, die die Geschich­te sehr wohl kennt und nur daher gegen Rech­te die Fah­ne hoch­hält -, lan­det als angeb­li­cher Lin­ker oder Anti­fa pau­schal in ihren Antifa-Schubkasten.

An ihren Anti­fa-Lis­ten arbei­ten sie ver­mut­lich inten­siv. Wer den Stem­pel Anti­fa auf­ge­drückt bekommt, kann nach sol­chen Wahl­er­geb­nis­sen, wie in Thü­rin­gen, schon an das Kof­fer­pa­cken den­ken. Irgend­wann haben sie (die Blau-Brau­nen) die Majo­ri­tät der Stim­men - und dan­ken jenen, die ihnen für ver­bre­che­ri­sche The­sen eine demo­kra­ti­sche Büh­ne gaben - dann ste­hen sie vor der Tür.

Was hat Mensch­lich­keit mit poli­ti­scher Anschau­ung zu tun? Dann wäre jeder Pfar­rer, der mensch­li­che Gebo­te pre­digt, jeder Leh­rer, der Empa­thie ver­mit­telt, ein Links­ex­tre­mer. Kri­ti­ker der Anti­fa – merkt ihr, wie bedep­pert ihr denkt und wem ihr dient?

Die als Anti­fa beschimpf­ten und mutig gegen faschis­ti­sche Ten­den­zen auf­tre­ten­den Men­schen kom­men letzt­lich aus allen Schich­ten der Gesell­schaft. Es sind die Auf­rech­ten aus allen Berei­chen unse­res Lan­des, die Men­schen­feind­lich­keit, Natio­na­lis­mus, Anti­se­mi­tis­mus, Ras­sis­mus und jede Form der Aus­gren­zung sowie gegen die Ver­harm­lo­sung von faschis­ti­schen Ver­bre­chen mutig ent­ge­gen­tre­ten. Es sind ein­fach Men­schen und erst recht kei­ne Aus­sät­zi­gen mit kri­mi­nel­lem Hin­ter­grund. Es sind jene Ehren­haf­ten, vor denen man den Hut zie­hen sollte.

Wer Anti­fa als “Staats­feind” bezeich­net, ist im Umkehr­schluss Rechts ange­kom­men, egal wel­cher Strö­mung er angehört.

Der Ver­fas­sungs­schutz - genau jener Teil, der von Nazi-Unter­stüt­zern geführt wur­de, der, wie nicht mehr abstreit­bar, im Zusam­men­hang mit NSU und ande­ren ter­ro­ris­ti­schen Umtrie­ben agier­te (sie offen­sicht­lich her­vor­rief) - jener Ver­ein beob­ach­tet daher diver­se vir­tu­el­le Anti­fa-Grup­pie­run­gen. War­um? Weil die­se in ihrer Arbeit gegen Faschis­mus links­ex­tre­mis­ti­sche, demo­kra­tie­feind­li­che Zie­le pro­pa­gie­ren wür­den? Seit wann ist Links­ex­tre­mis­mus demo­kra­tie­feind­lich? Das wider­spricht der eige­nen Defi­ni­ti­on des Verfassungsschutzes.

Ein geschlos­se­nes Bild der Anti­fa gibt es nicht. Logisch - die Anti­fa ist weder eine poli­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on, noch ein ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein, noch ein Werk von Got­tes Gna­den - noch im Grund­satz die auto­no­me Anti­fa. Was also ist sie dann? Sind es eine Grund­ord­nung bekämp­fen­de Fein­de? Eigent­lich lässt sich die­se Fra­ge ein­fach beantworten.

Schau­en wir nur, wer von wem mit Anti­fa beti­telt wurde.

Aktu­ell wird der Begriff zu einem Schimpf­wort der ver­ein­ten Rechtsfront.

So benut­zen gern Braun-Libe­ra­le, Schein­christ-Demo­kra­ten, zuwei­len selbst Oliv­grü­ne Fracking-Feti­schis­ten den Titel Anti­fa. Es geschieht ver­stärkt nach dem letz­ten kläg­li­chen Ver­such in Thü­rin­gen, die Men­schen für dumm zu ver­kau­fen (Minis­ter­prä­si­den­ten­wahl vom 05.02.2020). Sie gin­gen den Nazis auf den Leim und wer­den es wei­ter tun.

Da behaup­te­te doch kürz­lich ein libe­ra­ler Kom­mu­nal­po­li­ti­ker (was auch immer libe­ral sei), die Freun­de von der Anti­fa wür­den an der Zer­stö­rung der Repu­blik wir­ken. Genau­so wäre die Wei­ma­rer Repu­blik zer­stört wor­den - von Rechts und von Links. Da ist es wie­der - das nütz­lich tri­via­le Huf­ei­sen. Fängt man damit Stim­men? Ich ver­ge­be die­sem ehren­haf­ten, sonst glaub­haf­ten Men­schen - er hat­te sich wohl all­zu mensch­lich in sei­ner pole­mi­schen Rage verfangen.

Ist es ein Ein­zel­fall? Ist es nicht unglaub­lich, wie Dimen­sio­nen zur Schuld­fra­ge ver­scho­ben wer­den? Geht es nicht um eine Schuld, die in den aller­größ­ten Ver­bre­chen mün­de­te, die die Mensch­heit je her­vor­ge­bracht und erlebt hat­te? Vor­geb­li­che Lin­ke - sie tra­gen heu­te eben­falls Schuld, weil sie die Nazis dul­den und ihnen poli­ti­sche Platt­for­men bie­ten - es wird schon nicht so schlimm. Es fragt sich aller­dings heu­te - wel­che Linken?

Wer Rechts und Anti­fa gleich­setzt … nennt mal Namen von gefähr­li­chen Anti­fa­ex­tre­mis­ten. Da gera­ten sie in’s Tru­deln. Gefähr­li­che Rechts­ex­tre­mis­ten fal­len aber Jedem auf Anhieb ein – von Bernd Hoekk­ler, über Ali­ce Wun­der­land oder dem Gau­lei­ter bis hin zum Sturm­staf­fel­füh­rer Andy Wiechser.

Wer im Wahl­kampf Leu­te, die gegen Unmensch­lich­keit, Frem­den­hass und Ras­sis­mus auf­tre­ten, als gefähr­li­che Strö­mung ins Links­ex­tre­me bezeich­net, der kann nur ver­wirrt oder poli­tisch ver­irrt sein. Oder - offen­bart er bei sei­nem Stim­men­fang sei­ne eige­ne geis­ti­ge Zugehörigkeit?

Und die Ver­wir­rung kennt kei­ne Grenzen.

Als »Lin­ke« und »Anti­fas« getarn­te “Trans­at­lan­ti­fa” (ver­kapp­te brau­ne Lakai­en und Extre­mis­ten des Sys­tems) machen mobil. Ihr Hass rich­tet sich gegen Alles, was nicht Sys­tem­kon­form ist, egal ob Frei­den­ker oder Kri­ti­ker der Coro­na-Maß­nah­men. Sie grei­fen letzt­lich Alle an, die sich ernst­haft als anti­fa­schis­tisch, anti­mi­li­ta­ris­tisch und anti­ka­pi­ta­lis­tisch ver­ste­hen. Deren Gewalt­dro­hun­gen las­sen einen Ver­gleich oder zumin­dest Geis­ter­ver­wandt­schaft mit der SA (der para­mi­li­tä­ri­schen Kampf­or­ga­ni­sa­ti­on der NSDAP wäh­rend der Wei­ma­rer Repu­blik) zu.

Nun gut - wir haben auch die Anti­fa, jene alle Schich­ten über­grei­fen­de Bewe­gung gegen Faschis­mus UND sei­ne Ursa­chen. Schaut aber selbst, gegen wen regel­mä­ßig beschimp­fend der Begriff Anti­fa ver­wen­det wird - wir erle­ben es tag­täg­lich. Es sind eben Jene, mit denen man nicht Schach spie­len kann, weil sie wie­der und wie­der ein­zig nur die Figu­ren umrei­ßen. Im Fol­gen­den eini­ge Beispiele.

Anti­fa in der Kir­che? Da kämpft ein Pfar­rer in einem säch­si­schen Dorf seit Jah­ren gegen Nazis. Sie beschimp­fen ihn als Anti­fa. Tut er nicht das, wie gleich­falls hier­zu­lan­de vie­le Pfar­rer, Gebo­te gegen Unmensch­lich­keit zu pre­di­gen und zu leben? Wenn er es nicht täte, wäre er da nicht nur ein Schein­hei­li­ger? Tut er nicht das, was man von einem Geist­li­chen erwar­tet? Lebt er nicht mit sei­nem Auf­tre­ten gegen den All­tags­ras­sis­mus und die­se kaput­ten, geis­tig ent­hemm­ten, kri­mi­nel­len Fascho­ty­pen nur sei­ne mensch­li­che, mora­li­sche und geist­li­che Verpflichtung?

Wür­de die Kir­che sich nicht gegen Brau­nes Den­ken beken­nen, was sonst wären ihre Gebo­te im Deka­log wert?

Anti­fa - sind das (nach gewis­sen Mei­nun­gen) auch aus­län­di­sche Mit­bür­ger? So sprach ein gewis­ser Mar­cus S. im Social Net­work: “Was für eine arm­se­li­ge klei­ne und mie­se Per­son Du doch bist! Ver­las­se die­ses Land und nimm Dei­ne gan­zen Anti­fa-Pis­ser gleich mit! Du mie­ses Stück Mensch!” Unzäh­li­ge sol­cher Beschimp­fun­gen sind inzwi­schen Nor­ma­li­tät in Deutschland.

Anti­fa - ist das auch der anti­fa­schis­ti­sche All­tag? Sind es Jene, die uner­müd­lich einen gan­zen Hau­fen Bil­dungs-, Infor­ma­ti­ons- und Mobi­li­sie­rungs­ar­beit leis­ten, die über die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Geschich­te auf­klä­ren, die ein all­ge­mein­gül­ti­ges Bild über die Geschich­te des Faschis­mus auf­zei­gen, das Schlim­me nicht ver­ges­sen las­sen und die Nazi-Ver­bre­chen bloß­le­gen? Und um das Wesen nie zu ver­ken­nen, gilt es auch Ursa­chen und Zusam­men­hän­ge der Ent­wick­lung im Auge zu behal­ten. Die Wahr­heit wäre unvoll­stän­dig. Das ist Dialektik.

Anti­fa - auch zuhauf mit 18.000 Teil­neh­mern (!) am 15.02.2020 in Erfurt? War es eine Ansa­ge? Die Demo fand statt nach einem poli­ti­schen Damm­bruch in Thü­rin­gen zur Minis­ter­prä­si­den­ten­wahl eines AFDP-Spe­ku­lan­ten. Es war ein Deba­kel, das Part­or­gs - die pri­vi­le­gier­ten Par­tei­füh­rer und Absol­ven­ten der Kader­schmie­de des Kapi­tals - von kon­ser­va­tiv Rechts, Natio­nal­li­be­ral bis ganz Rechts ein­lei­te­ten und das ganz Deutsch­land erschüt­ter­te. Die geschlos­se­ne Anti­fa demons­trier­te gegen natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ten­den­zen, gegen ein Zusam­men­ge­hen mit Neo­fa­schis­ten und für Huma­nis­mus, für ver­brief­te Grund­rech­te, neue, gerech­te­re Ren­ten-, Steu­er- und Sozi­al­ge­set­ze, men­schen­wür­di­ge Exis­tenz für Alle, eine aktiv geleb­te Demo­kra­tie und zen­tra­le Rol­le des Sou­ve­räns sowie eine Macht in den Hän­den der Men­schen, wel­che sich in der Gesell­schaft befinden.

Anti­fa - sind das auch die vie­len klei­nen Grup­pen, Bewe­gun­gen und Netz­wer­ke, die für einen demo­kra­ti­schen und tole­ran­ten Umgang der Men­schen, aber auch die Viel­falt als Quel­le unse­rer Exis­tenz ein­tre­ten? So ist es auch Pra­xis in der Grup­pe »Bünd­nis gegen Rechts Wer­ra­tal - Akti­ons­bünd­nis gegen Rechts­ex­tre­mis­mus, Ras­sis­mus und Rech­te Gewalt im Wer­ra­tal«. Mit Vor­lie­be wer­den Mit­glie­der die­ser Grup­pe seit Jah­ren von NPAfD-Lakai­en, als auch ihrer (nach­weis­lich) rechts­ra­di­kal ori­en­tier­ten Bür­ger­wehr genann­ten Schutz­staf­fel als Anti­fa beschimpft. Nur gut, dass das kei­ne Beschimp­fung, son­dern Lob dar­stellt. Wie sagt der Schwa­be: “Nix gschwätzt isch Lob gnuag”. Ist halt so … auch rechts lie­gen las­sen, um im Sin­ne der Auf­klä­rung über den Faschis­mus weiterzumachen.

Wer die Wei­ma­rer Repu­blik zerstörte?
Das soll hier die letz­te Fra­ge sein.

Ergo – was uns noch zu sagen bleibt.

  • Faschis­mus und Mili­ta­ris­mus gehen immer ein­her und decken sich in einer Lobbykratie.
  • Ist Anti­fa groß­ar­tig? NEIN - es ist ein­fach nur nor­mal, Anti­fa zu sein.
  • Aktu­ell kann es nicht genug Anti­fa geben!
  • Wir sind Anti­fa - es ist ehren­haft und mensch­lich - seid stolz darauf.
  • Wir brau­chen eine Brand­mau­er nach Rechts UND ihren För­de­rern, gegen Jene, die Frei­heit Lan­des­ver­rat nen­nen, gegen Jene, denen Destruk­ti­on zu Maxi­mal­pro­fit verhilft.
  • Wir brau­chen neue Struk­tu­ren gegen unge­hemm­ten Kapi­ta­lis­mus, aso­zia­le Geset­ze, Mas­sen­über­wa­chung, Rechts­ruck, Neo­fa­schis­mus, Demo­kra­tie- und Friedenszerstörer.
  • Wir brau­chen eine gewal­ti­ge, gewalt­lo­se Bewe­gung der Huma­nis­mus-Extre­mis­ten - der Radi­kal-Huma­nis­ti­schen Anti­fa-, Vox­po­pu­li- und Frie­dens­par­tei (RAVF). Es wird Zeit!

Wider­stand gegen rechts - in einem Punkt muss er radi­kal sein, es geht nicht anders. Radi­kal für Anti­fa bedeu­tet, bedin­gungs­los fried­lich agie­rend (ohne Aus­nah­me, nach dem Gan­dhi-Prin­zip der sanf­ten Art), auf­klä­rend, Zusam­men­hän­ge und Hin­ter­grün­de (auch über Nazi-För­de­rer) scho­nungs­los auf­de­ckend, breit auf­ge­stellt, unnach­gie­big und Men­schen­feind­lich­keit nicht duldend.

Hin­weis

Die­sen Arti­kel ver­öf­fent­lich­te ich par­al­lel als Gast­bei­trag bereits am 16.03.2020 auf der Web­site des Bünd­nis gegen Rechts - Wer­ra­tal - Akti­ons­bünd­nis gegen Rechts­ex­tre­mis­mus, Ras­sis­mus und Rech­te Gewalt im Wer­ra­tal, 99834 Gerstungen.

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