1933-03-23 @ Ermächtigungsgesetz

Geschichte Port Woling – Der Reichs­tag bil­ligt am 23. März 1933 das soge­nannte Ermäch­ti­gungs­ge­setz. Es geschah in einer Kri­sen­zeit, die Herr­schende und der Mili­ta­ris­mus schu­fen, um beson­ders pro­fi­ta­bel dar­aus her­vor­zu­ge­hen. Das frag­wür­dige Phä­no­men der Ver­fas­sungs­durch­bre­chung macht(e) es möglich.


Aktua­li­siert: 17.01.2025, neu Abschnitt ›Selbst­er­mäch­ti­gung …‹

Das Ermächtigungsgesetz von 1933

Verfassungsdurchbrechung

Wenn ich an Mäch­ti­ges denke, ver­bin­det sich das für mich nicht nur mit Mäch­ti­gen in einer Gesell­schaft, son­dern als IT-Spe­zia­list auch mit dem Gedan­ken an mäch­tige rekur­sive Befehle auf einer Linux-Kon­sole. Alles was unter dem Kopf einer Struk­tur hier­ar­chisch ange­ord­net ist (Ord­ner, Dateien, egal was und wie viel), kann durch einen Berech­tig­ten oder Admi­nis­tra­tor mit nur einem kur­zen Befehl oder Kom­mando geän­dert oder besei­tigt wer­den. Kann und darf es sol­che mäch­ti­gen Kom­man­dos oder, bes­ser gesagt, Gesetze auch in einer Gesell­schaft geben? Wenn ja, wäre das nicht unheil­voll, tota­li­tär und ein Vor­gang außer Kon­trolle? In wes­sen Inter­esse wäre das i.d.R. – im Inter­esse einer dunk­len Seite der Macht? Wäre sowas nicht zwei­fels­frei zu verhindern?

Dür­fen die Gesell­schaft tra­gende Dinge, wie z.B. Ermäch­ti­gungs­ge­setze, außer­halb der Kon­trolle durch den Sou­ve­rän mög­lich sein?

Port Woling - Information, AufklärungErmäch­ti­gungs­ge­setze ver­schie­de­ner Art haben in der deut­schen Geschichte bereits seit Beginn des 1. Welt­krie­ges eine unheil­volle Tra­di­tion – bis in die Gegen­wart. Mit so einem Gesetz stim­men die Par­teien eines Par­la­ments für außer­or­dent­li­che Voll­mach­ten der regie­ren­den Kräfte – unter Umge­hung des Sou­ve­rän. Es bedurfte nur der Zwei­drit­tel­mehr­heit der gebrief­ten Parlamentarier.

Kri­sen­zei­ten …

… – Zei­ten, in denen Herr­schende und Inter­es­sen­kom­plexe Kri­sen schu­fen, um beson­ders pro­fi­ta­bel dar­aus her­vor­zu­ge­hen – …

… waren immer der Vor­wand für Eige­nermäch­ti­gun­gen und den jeweils gül­ti­gen Ver­fas­sun­gen wider­spre­chen­den Hand­lun­gen – von der Reichs­ver­fas­sung im Deut­schen Reich, über die Wei­ma­rer Ver­fas­sung ab dem Jahr 1919 in der Wei­ma­rer Repu­blik bis zum heu­ti­gen Grund­ge­setz, der in der BRD exis­ten­ten Pseudo-Ver­fas­sung. Diese Hand­lun­gen kamen will­kür­lich ohne Legi­ti­mie­rung der Mehr­heit der Gesell­schaft zustande.

Bei­spiele für sol­che Ermäch­ti­gungs­ge­setze deut­scher Par­la­mente waren:

  • das Kriegs­er­mäch­ti­gungs­ge­setz von 1914 (17 Kriegs­ge­setze, Gesetz über die Ermäch­ti­gung des Bun­des­rats zu wirt­schaft­li­chen Maß­nah­men … im Falle krie­ge­ri­scher Ereig­nisse, par­al­lel mit einer Bewil­li­gung der Kriegs­kre­dite, Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz auf den Reichs­rat über­tra­gen, de facto eine weit­ge­hende Ent­mün­di­gung des Reichstages),
  • diverse Ermäch­ti­gungs­ge­setze in den Jah­ren von 1919–1927 (Ermäch­ti­gungs­ge­setze, Gesetze zur Behe­bung von Staatskrisen),
  • Ermäch­ti­gungs­ge­setze in den Län­dern vor 1933 (Ermäch­ti­gungs­ge­setze und Notverordnungen),
  • das Ermäch­ti­gungs­ge­setz vom 24. März 1933 (Gesetz zur Behe­bung der Not von Volk und Reich).

Die jewei­li­gen Ver­fas­sun­gen sahen nie eine Über­tra­gung von außer­or­dent­li­che Rech­ten vor. Die gleich­ge­schal­te­ten Rechts­or­gane der Judi­ka­tive akzep­tier­ten aber jeweils diese Gesetze. Sie begrün­de­ten das mit einer vor­geb­lich zuläs­si­gen Ver­fas­sungs­durch­bre­chung – also die gefähr­li­che Pra­xis, ein Gesetz in Kraft tre­ten zu las­sen, das mit der Ver­fas­sung oder dem Grund­ge­setz nicht zu ver­ein­ba­ren ist, durch eine qua­li­fi­zierte, par­la­men­ta­ri­sche Mehr­heit, mit der man die Ver­fas­sung auch wört­lich hätte ändern können.

Vorgeschichte des Ermächtigungsgesetzes von 1933

Am 30.02.1933 wurde → Hit­ler Reichs­kanz­ler. Reichs­prä­si­dent Paul von Hin­den­burg ernannte den NSDAP-Füh­rer Adolf Hit­ler – nach einer fast vier­jäh­ri­gen Kri­sen­phase in Wirt­schaft, Poli­tik und Gesell­schaft. Eine Ent­schei­dung mit Vor­ge­schichte und gra­vie­ren­den Fol­gen. Hin­den­burg und eine aus­weg­lose Poli­tik der dama­li­gen → Poli­ti­schen Klasse als Steig­bü­gel­hal­ter des → Mili­ta­ris­mus und → Faschis­mus.

Tiefe poli­ti­sche Spal­tun­gen der Gesell­schaft in der Wei­ma­rer Repu­blik, eine mise­ra­blen Wirt­schafts­lage und die kon­ser­va­ti­ven Eli­ten führ­ten zum dro­hen­den Zusam­men­bruch des Landes.

Eine Vor­ge­schichte Anfang der Drei­ßi­ger des 20. Jahr­hun­derts mit Par­al­le­len zu heute?

Vor­an­ge­gan­gen war bereits am 7. Februar 1933 das Inkraft­tre­ten der “Not­ver­ord­nung zum Schutz des Deut­schen Vol­kes” (Schub­la­den­ver­ord­nung). Diese schränkte die Ver­samm­lungs- und Pres­se­frei­heit umfäng­lich ein und erleich­terte die Ver­fol­gung poli­ti­scher Gegner.

Par­al­lel voll­zog sich bereits eine mas­si­ver öffent­li­cheTer­ror auf den Stra­ßen durch die Sturm­ab­tei­lung (SA) und Schutz­staf­fel (SS), die dem NSDAP-Poli­ti­ker und Innen­mi­nis­ter Wil­helm Frick unter­stan­den. Diese para­mi­li­tä­ri­schen Orga­ni­sa­tion gip­fel­ten in der → Grün­dung der Gestapo am 26.04.1933, der poli­ti­schen Gehei­men Staatspolizei.

Trotz­dem war es Hit­ler zum Zeit­punkt der Macht­er­grei­fung noch nicht mög­lich, will­kür­lich Not­ver­ord­nun­gen zu erlassen.

Am 5. März 1933 fand die letzte Wahl des Reichs­ta­ges statt. Eine abso­lute Ermäch­ti­gung war nun das Ziel. Der Weg dort­hin wurde bereits nach dem Reichs­tags­brand geeb­net mit der Reichs­tags­brand­ver­ord­nung (Ver­ord­nung des Reichs­prä­si­den­ten zum Schutz von Volk und Staat) vom 27. Februar 1933. Die poli­ti­schen Fol­gen (bei der Beant­wor­tung der Frage “Wem nützte es?”) spre­chen für eine mut­maß­li­che Tat­be­tei­li­gung der Faschis­ten. Mit der Reichs­tags­brand­ver­ord­nung wur­den diverse Rechte, wie das Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung, per­sön­li­che Frei­heit, das Brief-, Post-, Fern­spre­cher- und Tele­gra­phen­ge­heim­nis sowie die Ver­eins- und Ver­samm­lungs­frei­heit wei­test­ge­hend abgeschafft.

Zerschlagung des Widerstand
Hamburger-Volkszeitung
Ham­bur­ger-Volks­zei­tung, 22.03.1933, Bild: aus Buch “Ernst Thäl­mann – Bil­der, Doku­mente, Texte”, S. 328, Dietz Ver­lag 1986

In der Folge wur­den inner­halb weni­ger Monate sys­te­ma­tisch Anti­kriegs­be­we­gun­gen, gewerk­schaft­li­che und anti­fa­schis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen sowie auch Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen und Ver­eine zer­schla­gen, ihre Anfüh­rer, Mit­glie­der und Sym­pa­thi­san­ten ver­folgt, inhaf­tiert und feige ermor­det. Von den vie­len Kom­mu­nis­ten in Deutsch­land (KPD Mit­glie­der­zahl bis zu 360.000, Stand Novem­ber 1932) über­leb­ten weni­ger als die Hälfte die Dik­ta­tur. Viele Wider­ständ­ler aus allen Tei­len und Schich­ten der Gesell­schaft wur­den gleich­falls ver­folgt und ermordet.

Der Anfüh­rer sei­ner Klasse Ernst Thäl­mann war bereits ver­haf­tet. Anti­fa­schis­ti­sche Pro­test­kund­ge­bun­gen fan­den nur noch im Aus­land statt – in Deutsch­land war es legal nicht mehr mög­lich. Die “Ham­bur­ger Volks­zei­tung” titelte noch am 22. März 1933 “Arbei­ter, her­aus zum Mas­sen­streik – erkämpft die Frei­las­sung des Füh­rers der KPD …”. Es war ein letz­ter Ver­such. Wider­stand fand spä­tes­tens nach dem 24. März 1933 nur noch in der Ille­ga­li­tät statt – wie bei­spiel­haft der Wider­stand der Kriegs­geg­ner und Anti­fa­schis­ten → Hilde und Hans Coppi.

Das Ermächtigungsgesetz 1933
Gemeinfrei
Geset­zes­text, Reichs­ge­setz­blatt (24.03.1933), Bild Gemein­frei, Link

Schließ­lich stimmte am 23. März 1933 der Reichs­tag über das von Reichs­kanz­ler Adolf Hit­ler vor­ge­legte “Gesetz zur Behe­bung der Not von Volk und Reich” (Ermäch­ti­gungs­ge­setz) ab. Es war der letz­ter Schritt zur Errich­tung der offe­nen faschis­ti­schen Dik­ta­tur. Die gesamte gesetz­ge­bende Gewalt ging an Hit­ler und sei­nen Macht­ap­pa­rat über. Ohne Zustim­mung von Reichs­tag und Reichs­rat sowie ohne Gegen­zeich­nung des Reichs­prä­si­den­ten konnte nun die Regie­rung eigen­mäch­tig Gesetze erlassen.

Um die Mehr­heit zu erlan­gen, sicherte Hit­ler tak­tisch bedingt zu, das Gesetz “kon­trol­liert anzu­wen­den”. Er gab die Zusage, die Rechte der Ver­fas­sungs­or­gane, der Län­der und der Kir­che bewah­ren zu wol­len. Die Par­teien der bür­ger­li­chen Mitte signa­li­sier­ten ihre Zustimmung.

Mit Zwei­drit­tel­mehr­heit des Par­la­ments bei Anwe­sen­heit von mehr als zwei Drit­teln der Abge­ord­ne­ten stimm­ten die Abge­ord­ne­ten am 23. März 1933 für das Ermäch­ti­gungs­ge­setz (Gesetz zur Behe­bung der Not von Volk und Reich). Am 24. März 1933 trat es unmit­tel­bar in Kraft.

444 Abge­ord­nete der Regie­rungs­ko­ali­tion aus NSDAP und DNVP sowie von Zen­trum, Baye­ri­scher Volks­par­tei (BVP) und Deut­scher Staats­par­tei stimm­ten für das Gesetz. Ledig­lich 94 SPD-Abge­ord­nete lie­ßen sich nicht ein­schüch­tern und stimm­ten dage­gen. Wei­tere SPD-Abge­ord­nete sowie geschlos­sen alle 81 kom­mu­nis­ti­schen Abge­ord­ne­ten der KPD waren nicht anwe­send. Sie befan­den sich bereits auf der Flucht (Ille­ga­li­tät) vor den Faschis­ten oder waren schon inhaftiert.

Die Man­date der KPD-Abge­ord­ne­ten waren bereits auf Basis der Reichs­tags­brand­ver­ord­nung vom 8. März 1933 annul­liert worden.

“Hit­ler ein Kom­mu­nist” – wegen der dem­ago­gi­schen Selbst­be­zeich­nung ›Natio­nal­so­zia­lis­mus‹ im NSDAP-Par­tei­pro­gramm? Diese haar­sträu­bende These der Gegen­wart von Kon­ser­va­ti­ven, Leit­me­dien und Außen­rechts-Ver­tre­tern wird allein durch vor­ge­nann­ten Fakt, aber auch durch seine Auf­trag­ge­ber und Geld­ge­ber im obers­ten Finanz­ka­pi­tal der Drei­ßi­ger wie­der­legt. Es lohnt fast gar nicht, die­sen Ver­such von unbe­lehr­ba­ren, ver­ges­se­nen Geschichts­re­vi­sio­nis­ten wei­ter zu verfolgen.

Fazit

Schub­la­den­ver­ord­nung, Reichs­tags­brand­ver­ord­nung und Ermäch­ti­gungs­ge­setz ebne­ten kurz nach der Macht­er­grei­fung den Faschis­ten den Weg zur Aus­he­be­lung der Wei­ma­rer Ver­fas­sung und hin zu einem auto­ri­tä­ren bür­ger­li­chen Repres­si­ons­re­gime. Sie voll­ende­ten den Weg von der Wei­ma­rer Repu­blik zur offe­nen, tota­li­tä­ren Dik­ta­tur der reak­tio­närs­ten, chau­vi­nis­tischs­ten, am meis­ten impe­ria­lis­ti­schen Ele­mente des Finanz­ka­pi­tals. Der Faschis­mus war nun nach Jah­ren der voll­zo­ge­nen Anfänge in die offene, am meis­ten ter­ro­ris­ti­sche Phase übergegangen.

Das Ermäch­ti­gungs­ge­setz vom 24.03.1933 war eine offene Macht­über­gabe an Hit­ler mit unbe­schränk­ten, dik­ta­to­ri­schen Vollmachten.

Ausschwitz - Bild von pixabay.com, unter der CC0 Public Domain zur freie Nutzung
Aus­schwitz – Bild von pixabay.com, unter der CC0 Public Domain zur freie Nutzung

Am 15.09.1935 folgte eine wei­tere mas­sive Umge­stal­tung von Staat und Rechts­grund­la­gen mit den ›Nürn­ber­ger Geset­zen (auch ›Nürn­ber­ger Ras­sen­ge­setze‹ oder ›Ari­er­ge­setze‹ genannt, mit den Tei­len Reichs­flag­gen­ge­setz, Reichs­bür­ger­ge­setz, Blut­schutz­ge­setz). Das Gesetz bil­dete die Legi­ti­ma­ti­ons­grund­lage für die Dis­kri­mi­nie­rung und Ver­fol­gung der jüdi­schen Bevöl­ke­rung. Es war Resul­tat der NS-Ras­sen­ideo­lo­gie und eine Vor­stufe des → Holo­caust. Die­ser Schritt gip­felte in der → Kris­tall­nacht vom 9. zum 10. Novem­ber 1938, setzte sich fort mit den Novem­ber­po­gro­men im Jahr 1938 und war der Start­schuss eines bei­spiel­lo­sen Ver­nich­tungs­feld­zu­ges von Men­schen gegen Men­schen in Ver­nich­tungs­la­gern und auf den Feld­zü­gen der Wehr­macht. Men­schen töte­ten Men­schen – in Mas­sen (u.a. geschätzte 6 Mil­lio­nen euro­päi­sche Juden wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs, rund zwei Drit­tel aller damals leben­den euro­päi­schen Juden).

Die Saat der ›Bana­li­tät des Bösen‹ (Begriff nach Han­nah Are­ndt, † 1975, Ana­ly­ti­ke­rin der Nürn­ber­ger Kriegs­ver­bre­cher­pro­zesse und im Eich­mann-Pro­zess) ging auf.

Nach Hin­den­burgs Tod am 2. August 1934 wurde Hit­ler mit dem “Gesetz über die Ver­ei­ni­gung der Ämter des Reichs­prä­si­den­ten und des Reichs­kanz­lers” zum “Füh­rer und Reichs­kanz­ler” ernannt. Das Ermäch­ti­gungs­ge­setz bedurfte der Ver­län­ge­rung, was in den Jah­ren 1937, 1939 sowie 1943 vor­ge­nom­men wurde. Es blieb bis zum Ende des faschis­ti­schen Regimes im Mai 1945 recht­li­che Grund­lage der deut­schen Gesetzgebung.

Wie konnte es geschehen

Will­kür­li­che Eige­nermäch­ti­gun­gen des Staa­tes gip­fel­ten im Hit­ler-Deutsch­land in der offe­nen Dik­ta­tur. Aspekte des Faschis­mus in sei­nen Anfän­gen und das frag­wür­dige Phä­no­men der Ver­fas­sungs­durch­bre­chung mach­ten es möglich.

Es bleibt die Frage, wie gelang es am Ende der Kette der Macht­aus­übung mit dem Ermäch­ti­gungs­ge­setz die­sen abso­lu­ten Sta­tus zu errei­chen, wie konn­ten Mil­lio­nen Deut­sche Hit­ler und sei­ner Par­tei der NSDAP zu so tota­li­tä­rer, dik­ta­to­ri­scher Macht ver­hel­fen? Wie konn­ten wie selbst­ver­ständ­lich in der Folge sol­che Ver­bre­chen an der Mensch­lich­keit und unfass­bare Grau­sam­kei­ten (u.a. Holo­caust, Geno­zi­den auf den Feld­zü­gen) ver­übt werden?

Wie konn­ten Mil­lio­nen Söhne und Töch­ter des Lan­des für ihren „Füh­rer“ mit wehen­den Fah­nen in den Zwei­ten Welt­krieg ziehen?

Kann es wie­der gesche­hen? Hans-Jür­gen Papier, ehe­ma­li­ger Prä­si­dent des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, äußerte im Inter­view mit der Ber­li­ner Zei­tung am 13.09.2021: “Nach dem Grund­ge­setz kön­nen die Grund­rechte auch in einer Not­stands­si­tua­tion nicht außer Kraft gesetzt wer­den. Die Rechts­lage unter dem Grund­ge­setz unter­schei­det sich ganz grund­le­gend von der Wei­ma­rer Ver­fas­sung. Dort konnte der Reichs­prä­si­dent gemäß Arti­kel 48 zur Wie­der­her­stel­lung der öffent­li­chen Sicher­heit die Grund­rechte vor­über­ge­hend außer Kraft set­zen. In unse­rer Ver­fas­sung, im Grund­ge­setz, ist das bewusst nicht so gere­gelt wor­den. Es gilt immer der Grund­satz: In dubio pro libe­rate.” Ist das in der Pra­xis so? De jure und de facto gab es in en letz­ten Jah­ren viele Ent­schei­dun­gen, die das zutiefst anzwei­feln lassen.

Das Grund­ge­setz ist schon lange nicht mehr das Maß aller Dinge im Han­deln der soge­nann­ten obers­ten Volks­ver­tre­ter, der pri­vi­le­gier­ten Poli­ti­schen Klasse und braun­ge­quirl­ter von den glo­ba­len Eli­ten bestimm­ter Ampeln. Sie set­zen sich wie­der und wie­der ein­fach dar­über hin­weg. Das geschieht ohne Furcht auf ein zur Rechen­schaft zie­hen – eine zum Groß­teil gleich­ge­schal­tete Judi­ka­tive macht es mög­lich. Tat­sa­che ist, ein Gesetz, das kei­nen expli­zi­ten Aus­weis auf eine Ver­fas­sungs­durch­bre­chung ent­hält und ver­fas­sungs­wid­rig ist, bleibt ver­fas­sungs­wid­rig – ist also trotz Mehr­hei­ten im Par­la­ment wider­recht­lich beschlossen.

Die Ver­fas­sungs­durch­bre­chung ist und bleibt ein gefähr­li­ches, tota­li­tä­res Instru­ment von Anti­de­mo­kra­ten und Faschis­ten, das Tür und Tor zur offe­nen Dik­ta­tur öff­net – Ver­fas­sungs­durch­bre­chung bleibt ein kaum beherrsch­ba­res Rechts­pro­blem.

Erschei­nun­gen anfangs der Drei­ßi­ger, wie kol­la­bie­ren­der Kapi­ta­lis­mus, Mili­ta­ris­mus, Revan­chis­mus, voll­zo­gene Anfänge des Faschis­mus, Kriegs­er­tüch­ti­gung, Arbeits­lo­sig­keit, Infla­tion, Armut, Kri­sen am Fließ­band, → Pro­pa­ganda, Indok­tri­na­tion und Des­in­for­ma­tion, Feind­bild­ma­che, staat­li­che Will­kür, Gewal­ten des Staa­tes, die sich selbst statt den Sou­ve­rän schüt­zen, ver­lo­gene Part­orgs, Poli­tik­ver­druss – sind das nicht Dinge, die wir auch von heute kennen?

Faschismus

Das fol­gende, von mir emp­foh­lene Video geht auf die Frage ein, wie es damals gesche­hen konnte.

Ich prä­zi­siere hier nur einen Begriff. Der Autor spricht von ›Nazis‹ (›Natio­nal­so­zia­lis­ten‹, dem dem­ago­gi­schen Begriff der Selbst­be­zeich­nung im NSDAP-Pro­gramm). Spre­chen wir bes­ser und mit Recht von ›Faschis­ten‹ – bevor wie­der Jemand einen “Fla­tus cere­brum” bekommt, um ›Nazis‹ auch als ›Kom­mu­nis­ten‹ zu bezeich­nen. Und Faschis­ten sind nicht zuerst Ein­zel­per­so­nen, son­dern pri­mär ideo­lo­gie­ba­sierte Bewegungen.

Faschis­mus ist eine dem Sys­tem des Kapi­ta­lis­mus und ganz beson­ders des Staats­mo­no­pol­ka­pi­ta­lis­mus (Erkl.: im Reich der Ex-Kolo­ni­al­mächte kol­la­bie­ren­der Kapi­ta­lis­mus in der Phase des Impe­ria­lis­mus, in dem sich Mono­pole de facto des Staats­ap­pa­rats bzw. gan­zer Staa­ten bemäch­ti­gen und ihren Inter­es­sen unter­ord­nen) immer inhä­rente (inne­woh­nende) und gesamt­ge­sell­schaft­li­che Erscheinung.

Er ist eine Erschei­nung, die von den öko­no­misch Mäch­tigs­ten und den von ihnen gekauf­ten Par­la­men­ten aus­geht – wie wir beim Ermäch­ti­gungs­ge­setz gese­hen haben.

Faschis­ten, die insti­tu­tio­nel­len Rechts­extre­mis­ten und -ter­ro­ris­ten, sie sit­zen in einer Zeit, in dem → das Sys­tem wackelt, da Oben – damals wie heute. Es sind Jene, die eigen­mäch­tig Gesetze bre­chend heute wie­der die Anfänge voll­zo­gen haben, die im Gepäck wie­der neue Gesetze zur Eige­nermäch­ti­gung haben (siehe u.a. Infek­ti­ons­schutz­ge­setz, zur zurück­lie­gen­den gemach­ten Krise, der Plan­de­mie sowie für neue revan­chis­ti­sche, krie­ge­ri­sche Absich­ten oder zur Ein­schrän­kung demo­kra­ti­scher Grund­rechte), inklu­sive ihre Sprach­rohre Goebbel’scher Prä­gung (Leit­me­dien, Cor­rec­tiv & Co) sowie Schlä­ger­trupps (Anti-Antifa und Konsorten).

Selbstermächtigung – die neue Qualität in der Gegenwart

Deut­sche Herr­schende seit 1914 bis zum Drit­ten Reich ver­such­ten noch den Schein zu wah­ren, nach Rechts­grund­la­gen zu han­deln, nach ihren will­kür­lich erstell­ten Ermäch­ti­gungs­ge­set­zen. Aber die heu­ti­gen Des­po­ten in der “Rei­chen­kanz­lei” und an der Spitze der EU han­deln pri­mär in der tat­säch­li­chen Über­zeu­gung und per­sön­li­chen Selbst­er­mäch­ti­gung, SELBST DAS GESETZ ZU SEIN – ideo­lo­gie­ba­siert, skru­pel­los, aus dem kur­zen Halt her­aus, die Wahr­heit und das Recht beu­gend, ohne Rechts­grund­la­gen, unter per­ma­nen­ter Zuwi­der­hand­lung bestehen­der natio­na­ler und völ­ker­recht­li­cher Rege­lun­gen, ja des eige­nen Grund­ge­set­zes und ver­brief­ter Men­schen­rechte oder auch des Eini­gungs– und 2+4-Vertrages.

Wir erle­ben damit Anfang der Zwan­zi­ger des 21. Jahr­hun­derts eine neue Qua­li­tät der Eige­nermäch­ti­gung deut­scher Gewalt­herr­schaft und Täter.

Eine end­lose Kette ihrer eigen­mäch­ti­gen Grenz­über­schrei­tun­gen nicht erst seit der COVID-19-Pan­de­mie, aber auch in den fol­gen­den gemach­ten Kri­sen bele­gen es. Bei­spiel­haft seien hier nur genannt die will­kür­li­chen Beschaf­fungs­or­gien der EU-Kom­mis­si­ons-Prä­si­den­tin und Ver­ant­wort­li­cher im Gesund­heits­mi­nis­te­rium zur “Corona-Plan­de­mie” 2020 bis 2023, die deso­la­ten Ent­schei­dun­gen des Wirt­schafts­res­sorts in Deutsch­land zur Deindus­tria­li­sie­rung des Lan­des, viele anti­de­mo­kra­ti­sche Ent­schei­dun­gen im Innen­mi­nis­te­rium oder auch viele nicht legi­ti­mierte Ent­schei­dun­gen des Außen- und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums, die astro­no­mi­sche Sum­men an Gel­dern des Steu­er­zah­lers am Sou­ve­rän vor­bei nur so um sich und in aller Welt ver­tei­len, dass einem schwind­lig wird.

Und diese Leute wol­len wei­ter an den Hebeln der Macht sit­zen. Ja, sie wer­den es durch Schein­wah­len, bei dem wie­der das Volk ein­ge­spannt wird, mit dem Ergeb­nis einer wei­te­ren “braun gequirl­ten” Ampel.

Wolf­gang Kiessling (alias Woling – www.port-woling.net, alias Wolle Ing – www.wolle-ing.de)

Quellenverzeichnis
  • LeMO, NS-Regime, Eta­blie­rung der NS-Herr­schaft – Bei­trag » Ermäch­ti­gungs­ge­setz
  • Wiki­pe­dia – Bei­trag » Ermäch­ti­gungs­ge­setz
  • Stu­dyS­mar­ter – Bei­trag » Ermäch­ti­gungs­ge­setz
  • Buch, Doku­men­ta­tion ›Illus­trierte Geschichte – Deut­sche Arbei­ter­ju­gend­be­we­gung – 1904 – 1945‹ – Ver­lag Neues Leben, Ber­lin, 1987
  • Buch, Doku­men­ta­tion ›Ernst Thäl­mann – Bil­der, Doku­mente, Texte‹ – Dietz Ver­lag, Ber­lin, 1986
  • Interne Quel­len (mit vor­an­ge­hen­dem Pfeil) sowie wei­tere externe Quel­len sind im Bei­trag verlinkt
Nachsatz

Das Thema Erin­ne­rung und Auf­klä­rung bleibt ein am Anfang ste­hen­des Erfor­der­nis – leicht gesagt und schwer getan. Es erfor­dert viel Mut, viele Ideen, Mit­wir­kende, Platt­for­men und eine zuneh­mende sowie enge Ver­net­zung. Port Woling betreibt wei­ter Auf­klä­rung u.a. zu den Themen …

» Anti­fa­schis­mus » Big-Data » Dem­ago­gie » Ermäch­ti­gung » Ethik & Moral » Eutha­na­sie » Exe­ku­tive » Extre­mis­mus » Fana­tis­mus » Faschis­mus » Fata­lis­mus » Finanz­sys­tem » Frak­tale » Freund­schaft » Geden­ken » Glo­bale STASI » Glo­ba­ler Sta­tus quo » Glo­ba­li­tät » Great Reset » Geschichte » Gewalt » Instinkt » Intel­li­genz » Inter­es­sen­kom­plexe » Judi­ka­tive » Krieg » Legis­la­tive » Lob­by­is­mus » Macht » Mani­fest » Mani­pu­la­tion » Mas­sen­über­wa­chung » Medien » Mili­ta­ris­mus » Mili­tä­risch-Indus­tri­el­ler-Kom­plex » Neue Moderne » Öko­no­mie » Olig­ar­chie » Pan­de­mie » Par­teien » Patrio­tis­mus » Poli­ti­sche Klasse » Pro­pa­ganda » psy­cho­lo­gi­sche Kriegs­füh­rung » Quan­ten­re­li­gio » Reli­gio­nen » Res­sour­cen » Rote Linie » Schlüs­sel­tech­no­lo­gien » Schein­de­mo­kra­tie » Schwur von Buchen­wald » Sol­dat­sein » Sou­ve­rän » Staats­extre­mis­mus » Tei­len » Ter­ror » Tole­ranz » Tota­ler Staat » Total­im­pe­ria­lis­mus » Tota­li­ta­ris­mus » Umwelt » Wäh­len » Waf­fen » Wahl­auf­ruf » Wie es begann » Wider­stand » Whist­le­b­lo­wing

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