Wissenschaft, Werkzeug der Macht

Kolumne Port Woling – Wenn Kri­tik mund­tot gemacht wird und Wis­sen­schaft zum Werk­zeug der Macht verkommt


Über eine Karikatur des Rückschritts

Im Elfenbeinturm wird jetzt gesiebt, nach Gesinnung

Wis­sen­schaft in Deutsch­land? Zuerst zählt die Ideo­lo­gie, dann die Wis­sen­schaft. Geht’s noch trau­ri­ger im Land ver­gan­ge­ner Zei­ten, der Dich­ter, Phi­lo­so­phen und Phy­si­ker, von Heine, Marx und Ein­stein? Ja, mit Gates und sons­ti­gen Eliten.

Die Wahr­heit ist ein­fach – wird uns jeden­falls täg­lich gesagt.

Wer nicht im Takt der herr­schen­den Mei­nung mar­schiert, darf drau­ßen blei­ben. Wer ideo­lo­gi­sche Nar­ra­tive Regie­ren­der nicht beach­tet, bekommt immer weni­ger sei­nen Abschluss oder seine Dok­tor-Arbeit durch.

Aus bit­te­rer Erfah­rung berich­ten kann Prof. Dr. Chris­tian Kreiß (deut­scher Öko­nom, Pro­fes­sor für Volks­wirt­schafts­lehre). Er kann ein Lied sin­gen über den Ver­fall des deut­schen Hoch­schul­sys­tems und die staat­lich gesteu­er­ten, hoch­gra­dig ideo­lo­gi­sier­ten Zustände in den Wis­sen­schaf­ten im All­ge­mei­nen und den Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten im Beson­de­ren.1

Und wehe, du stellst eine unbe­queme Frage – dann bist du wahl­weise “rechts”, “schwurb­le­risch”, “nicht geeig­net” oder gleich eine wan­delnde Gefahr für die Demo­kra­tie. Was für eine Demo­kra­tie, die beim lei­ses­ten Gegen­wind zum Kaf­fee­kränz­chen mit Maul­korb wird?

Hier wird nicht mehr geforscht, hier wird vorgefühlt.

Erst kommt die Hal­tung, dann der Inhalt – und am Ende steht ein betreu­tes Den­ken mit TÜV-Pla­kette vom Bun­des­mi­nis­te­rium für Moral und ein Orden. Du willst eine Dok­tor­ar­beit schrei­ben, die nicht dem neuen Staats­glau­ben ent­spricht? Dann viel Glück. Du brauchst nicht nur einen klu­gen Kopf, son­dern wenigs­tens die Fähig­keit, das eigene Rück­grat tem­po­rär als Gummi zu verwenden.

Man muss sich schon fra­gen: Wer hat eigent­lich beschlos­sen, dass 2+2 auch 5 ist, wenn es dem “rich­ti­gen” Zweck dient? Und warum klatscht der Saal noch, wenn die Zah­len tan­zen wie die Argu­mente im Bun­des­tag – ver­wa­ckelt, ver­dreht, ver­druckst? Viel­leicht, weil die Angst regiert. Angst vor der Stig­ma­ti­sie­rung. Angst vor dem Karriere-Aus.

Angst vor dem eige­nen Zwei­fel, der sich nicht mehr äußern darf, weil er sonst den Ver­dacht nährt, man könne ein fal­sches Eti­kett tragen.

Die Ideo­lo­gie ist längst nicht mehr die Farbe über dem Gemälde, sie ist der Pin­sel. Sie bestimmt, was gemalt wer­den darf, wie es aus­zu­se­hen hat – und wer über­haupt mit­ma­len darf. Und wenn das Bild am Ende aus­sieht wie eine Kari­ka­tur des Rück­schritts (siehe auch Titel­bild des Bei­trags)? Dann liegt das nicht an den Far­ben, son­dern der Gleich­schal­tung der Hand, die sie führt.

Was hier pas­siert, ist keine schräge Episode.

Es ist ein stil­ler Umbau des Den­kens – mit Demo­kra­tie im Titel und Kon­for­mi­tät im Inhalt. Frü­her nannte man das Zen­sur. Heute heißt es “wis­sen­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung”.

Deutsch­land steht am Schei­de­weg. Und wer glaubt, es sei über­trie­ben, von → Faschis­mus zu spre­chen, sollte sich daran erin­nern: Der Faschis­mus kam nicht im brau­nen Bol­ler­wa­gen mit lau­ter Musik. Er kam im fei­nen Anzug, sprach von Ord­nung, von Ver­ant­wor­tung, von “Alter­na­tiv­lo­sig­keit”. Und er wurde nicht sel­ten von denen begrüßt, die glaub­ten, es ginge dies­mal um das Gute.

Man muss kein Pro­phet sein, um zu sehen.

Wenn Kri­tik mund­tot gemacht wird und Wis­sen­schaft zum Werk­zeug der Macht ver­kommt, dann ist das keine offene Gesell­schaft mehr. Dann ist es ein ideo­lo­gi­sches Gefäng­nis mit aka­de­mi­scher Tapete. Wer da noch schweigt, hat nicht schon ver­lo­ren – er hat ver­ges­sen, wel­cher Klasse er angehört.

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Wolf­gang Kiessling (alias Woling – www.port-woling.net, alias Wolle Ing – www.wolle-ing.de)
Quelle
  1. Apo­lut, Kate­go­rien, Im Gespräch, Arti­kel vom 06.07.2025, Inter­view Ull­rich Mies mit Prof. Dr. Chris­tian Kreiß, Der Ver­fall des deut­schen Hoch­schul­sys­tems, 08.07.2025
Nachsatz

Das Thema Erin­ne­rung und Auf­klä­rung bleibt ein am Anfang ste­hen­des Erfor­der­nis – leicht gesagt und schwer getan. Es erfor­dert viel Mut, viele Ideen, Mit­wir­kende, Platt­for­men und eine zuneh­mende sowie enge Ver­net­zung. Port Woling betreibt wei­ter Auf­klä­rung u.a. zu den Themen …

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