1942-07-12 @ Schlacht um Stalingrad

Geschich­te Port Woling - Wäh­rend des Gro­ßen Vater­län­di­schen Krie­ges war Sta­lin­grad ein Haupt­zie­le des Über­falls der deut­schen Wehr­macht, das Anfang 1943 mit einer ent­schei­den­den Ein­kes­se­lung & Nie­der­la­ge der deut­schen 6. Armee endete


Aktua­li­siert: 02.06.2024, Kapi­tel 8. Ein Menschenschicksal

200 Tage Schlacht um Stalingrad

Inhalt
    1. Am Vor­abend eines Gedenkens
    2. Der Volks­bund über eine Tra­gö­die der Welt
    3. Zei­chen der bevor­ste­hen­den Schlacht
    4. Schlacht­be­ginn, die ers­ten Tage
    5. Die ent­schei­den­den Kämpfe
    6. Der letz­te Monat der Schlacht - Sieg
    7. Zusam­men­fas­sung zur Verteidigungsschlacht
    8. Ein Men­schen­schick­sal
    9. His­to­ri­sche Ein­ord­nung der Schlacht

1. Am Vorabend eines Gedenkens
Berlin Treptow Ehrenmal - Autor: Wolfgang Kiessling - www.wolle-ing.de
Foto: Ber­lin, Ehren­mal Trep­tow, Blick auf die Sol­da­ten­sta­tue mit Kind und zer­bro­che­nem Hakenkreuz

Die Schlacht um Sta­lin­grad gilt als psy­cho­lo­gi­scher Wen­de­punkt in den von Deutsch­land aus­ge­gan­ge­nen aller schlimms­ten Kriegs­wir­ren der Mensch­heits­ge­schich­te sowie größ­ten Ver­bre­chen des → Faschis­mus gegen die Mensch­lich­keit, die es nicht zu ver­ges­sen gilt. Die­se Schlacht wur­de zu einer der größ­ten und blu­tigs­ten Schlach­ten des Gro­ßen Vater­län­di­schen Krie­ges und des Zwei­ten Welt­kriegs. Der Sieg der Roten Armee mar­kier­te den Beginn einer stra­te­gi­schen Wen­de im Ver­lauf des gesam­ten Krieges.

Am Vor­abend des 9. Mai 2024, des → Tages des Sie­ges im Gro­ßen Vater­län­di­schen Krieg 1941-1945 prä­sen­tier­te die Rus­si­sche Bot­schaft in Deutsch­land Infor­ma­tio­nen über geschichts­träch­ti­ge Ereig­nis­sen aus die­ser Zeit. So berich­tet die Bot­schaft u.a. über die im 2. Welt­krieg leid­ge­prüf­te Hel­den­stadt Wol­go­grad (bis 1961 – Sta­lin­grad), das admi­nis­tra­ti­ve und wirt­schaft­li­che Zen­trum des Oblast Wol­go­grad und eine der bevöl­ke­rungs­reichs­ten Städ­te Russlands.

Wäh­rend des Gro­ßen Vater­län­di­schen Krie­ges war Sta­lin­grad eines der Zie­le der Offen­si­ve »Fall Blau« und wur­de in der Schlacht um Sta­lin­grad von über 230.000 Sol­da­ten der deut­schen 6. Armee im Spät­som­mer 1942 an drei Sei­ten ein­ge­kes­selt. Die Kämp­fe began­nen am 23. August 1942, u. a. mit einer mas­si­ven Bom­bar­die­rung der Stadt durch die deut­sche Luft­waf­fe. Im Sep­tem­ber erreich­ten die Kämp­fe die Innen­stadt, wobei meh­re­re zen­tra­le Punk­te (dar­un­ter der Haupt­bahn­hof und der Mama­jew-Hügel) mehr­mals von einer Sei­te zur ande­ren über­gin­gen. Die Ver­tei­di­gungs­trup­pen der Roten Armee konn­ten nur durch Schif­fe ihren Nach­schub vom unbe­setz­ten Ost­ufer der Wol­ga erhal­ten. Das tak­ti­sche Ziel der Wehr­macht war es, durch die Ein­nah­me der Stadt den Schiffs­ver­kehr auf der Wol­ga, über die u. a. Hilfs­lie­fe­run­gen der Alli­ier­ten vom Per­si­schen Kor­ri­dor und das Kas­pi­sche Meer nach Nord- und Zen­tral­russ­land trans­por­tiert wur­den, zu unterbinden.

Anfang Novem­ber 1942 hat­te die Wehr­macht den Groß­teil des Stadt­ge­biets erobert. Doch die voll­stän­di­ge Erobe­rung der Stadt gelang auf­grund des fort­ge­setz­ten Wider­stands der Roten Armee nicht, obgleich Hit­ler in sei­ner Rede am 8. Novem­ber 1942 die Schlacht als weit­ge­hend gewon­nen dar­stell­te. Statt­des­sen wur­den die deut­schen Trup­pen und ihre Ver­bün­de­ten (vor allem Rumä­nen und Kroa­ten) am 19. Novem­ber 1942 durch die sowje­ti­sche Gegen­of­fen­si­ve unter dem Namen »Ope­ra­ti­on Ura­nus« ein­ge­kes­selt. Das deut­sche »Unter­neh­men Win­ter­ge­wit­ter« schei­ter­te. Am 2. Febru­ar 1943 stell­ten die Res­te der Sechs­ten Armee unter Gene­ral­feld­mar­schall Fried­rich Pau­lus die Kampf­hand­lun­gen ein. 108.000 deut­sche und ver­bün­de­te Sol­da­ten gin­gen in Gefan­gen­schaft. Wäh­rend der Kämp­fe wur­de die Stadt nahe­zu voll­stän­dig zer­stört. Mit dem Wie­der­auf­bau wur­de unmit­tel­bar nach der Befrei­ung im Febru­ar 1943 begon­nen. Im sel­ben Jahr wur­de auch die Städ­te­part­ner­schaft mit dem eng­li­schen Coven­try geschlos­sen” (Quel­le: telegram@russische-botschaft.de, 04.05.2024).

Ich gehe in fol­gen­dem Bei­trag näher auf das his­to­ri­sche Ereig­nis ein.

2. Der Volksbund über eine Tragödie der Welt

Der Volks­bund - ein gemein­nüt­zi­ger deut­scher Ver­ein mit dem zen­tra­len Anlie­gen des Erin­nerns und Geden­kens an deut­sche Kriegs­to­te im Aus­land - sucht nach Wegen dia­lo­gi­schen Erin­nerns. Er will Erfah­run­gen und Erin­ne­rungs­kul­tu­ren euro­päi­scher Nach­barn ken­nen sowie respek­tie­ren und aus der Erin­ne­rung her­aus Frie­dens­ar­beit leisten.

Frie­dens­ar­beit bedeu­tet für ihn, die Ver­gan­gen­heit zu beleuch­ten und für nach­fol­gen­de Gene­ra­tio­nen erfahr­bar zu machen - aus der Geschich­te ler­nen und nicht zu ver­ges­sen. In die­sem Sin­ne erin­nert er auf sei­ner Web­site an Sta­lin­grad - eine Tra­gö­die der Welt. Er erin­nert an die Grau­en und alle Opfer der Schlacht um Sta­lin­grad - für Ver­stän­di­gung, Ver­söh­nung und Frieden.

Er lässt auch die weni­gen deut­schen Über­le­ben­den zu Wort kom­men: “Wir haben die Höl­le über­lebt, aber unser Leben war für immer gezeich­net. Wer denkt heu­te noch an uns und an die vie­len Toten?” Und ich fra­ge vor allem:

Wel­che Leh­ren wur­den von Deut­schen aus Sta­lin­grad gezo­gen und wer­den von deut­schen Offi­zi­el­len heu­te gelebt?

Es geht um alle, die in Sta­lin­grad star­ben - weit mehr als zwei Mil­lio­nen Tote - Zivi­lis­ten, Rus­sen, Deut­sche, Öster­rei­cher, Rumä­nen, Ita­lie­ner, Ungarn, Kriegs­ge­fan­ge­ne in den Lagern - auch nach der Kapi­tu­la­ti­on kein Ende des Leids. Zwei Mil­lio­nen Tote durch eine Schlacht!

Die Mah­nung des Toten­ge­den­kens ist zeit­los - …

… die Opfer und die Täter - NIE ver­ges­sen, immer Auf­klä­rung und Mah­nung - die Wahr­heit und Berich­te zum Grau­en von damals wei­ter­ge­ben. In die­sem Sin­ne wur­de auch die deut­sche Kriegs­grä­ber­stät­te Rossosch­ka bei Wol­go­grad, dem frü­he­ren Sta­lin­grad, 1999 eingeweiht.

3. Zeichen der bevorstehenden Schlacht

Wie aber begann es? Am 22. Juni 1941 begann Deutsch­land heim­tü­ckisch einen → Über­fall auf die Sowjet­uni­on. Der Blitz­krieg und das »Unter­neh­men Bar­ba­ros­sa« - mit dem Ziel, den Krieg noch vor Win­ter­ein­bruch zu ent­schei­den­ein - war ein Fehl­schlag. Die zuvor statt­ge­fun­de Schlacht zur Ein­nah­me von Mos­kau (Okto­ber 1941 bis Janu­ar 1942) war unter größ­ten Opfern geschei­tert - die Faschis­ten maß­geb­lich durch die Ver­tei­di­ger der Wolo­ko­lom­sker Chaus­see auf­ge­hal­ten. Ziel war es jetzt umso mehr, die frucht­ba­ren Gebie­te Don, Kuban, unte­re Wol­ga und die Ölfel­der des Kau­ka­sus zu erreichen.

Es galt für einen abseh­ba­ren viel grö­ße­ren Feld­zug an die benö­tig­ten, gewal­ti­gen Res­sour­cen zu kommen.

Dazu star­te­ten im Som­mer 1942 die faschis­ti­schen deut­schen Trup­pen eine Offen­si­ve am Süd­flü­gel der sowje­tisch-deut­schen Front. Zu die­ser Zeit gab es in Sta­lin­grad 126 bedeut­sa­me indus­tri­el­le Unter­neh­men. Sta­lin­grad soll­te sei­ne Bedeu­tung als Zen­trum der Mili­tär­in­dus­trie und als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kno­ten­punkt ver­lie­ren. Die Umset­zung die­ses Plans wür­de auch die wich­ti­gen Ver­kehrs­ver­bin­dun­gen und Ver­sor­gungs­li­ni­en zwi­schen den zen­tra­len Regio­nen der UdSSR und dem Kau­ka­sus blockieren.

Für den Angriff auf Sta­lin­grad wur­de die 6. Armee unter dem Kom­man­do des deut­schen Gene­rals und spä­te­ren Feld­mar­schalls Fried­rich Pau­lus ein­ge­setzt. Eine der stärks­ten Trup­pen­kon­tin­gen­te Hit­ler-Deutsch­lands wur­de nach Sta­lin­grad geschickt. Den faschis­ti­schen Streit­kräf­ten stand die Sta­lin­gra­der Front unter dem Kom­man­do des Mar­schalls der Sowjet­uni­on S. K. Timo­schen­ko gegen­über und ab 23. Juli des Gene­ral­leut­nants V. N. Gordova.

Die Trup­pen­stär­ke vor der Schlacht von Sta­lin­grad zu Beginn des Deut­schen Angrif­fes betrug auf bei­den Sei­ten etwa 590.000 Sol­da­ten (Quel­le: Sta­tis­ta, 07.05.2024). Die Schlacht fand vom 12. Juli 1942 bis 2. Febru­ar 1943 auf dem Gebiet der heu­ti­gen Gebie­te Woro­nesch, Ros­tow, Wol­go­grad und der Repu­blik Kal­mü­cki­en statt.

In Geschichts­dar­stel­lun­gen wird auch der 23. August 1942 als Beginn der Schlacht ange­ge­ben, als mas­si­ve Bom­bar­die­run­gen von Sta­lin­grad began­nen. Im Grun­de aber begann die Schlacht am 12. Juli 1942 mit der Bil­dung der Sta­lin­gra­der Front, dem Start der Orga­ni­sa­ti­on zur Ver­tei­di­gung Sta­lin­grads und ers­ten Ver­tei­di­gungs­kämp­fen öst­lich von Sta­lin­grad im Raum Kantemirovka.


Die Schil­de­run­gen im fol­gen­den Kapi­tel 4 (Schlacht­be­ginn, die ers­ten Tage) sowie dem Kapi­tel 5 (Die ent­schei­den­den Kämp­fe) und Kapi­tel 6 (Der letz­te Monat der Schlacht - Sieg) ent­stam­men im Inhalt aus­zugs­wei­se einer doku­men­ta­ri­schen, wis­sen­schaft­lich erar­bei­te­ten »Zeit­leis­te der Web­site des Muse­ums­kom­ple­xes zur Schlacht von Sta­lin­grad«. Sie sind ein Spie­gel von Bege­ben­hei­ten der Schlacht.


4. Schlachtbeginn, die ersten Tage

Der 12. Juli 1942 - die Schlacht beginnt und dau­ert 200 Tage.

Das Haupt­quar­tier des sowje­ti­schen Ober­kom­man­dos bil­de­te die Sta­lin­gra­der Front. Der Fron­tober­be­fehls­ha­ber ist Mar­schall S. K. Timo­schen­ko. Das Front­haupt­quar­tier befand sich in Sta­lin­grad. Der Staat­li­che Ver­tei­di­gungs­aus­schuss ver­ab­schie­de­te einen Beschluss über die Eva­ku­ie­rung von Aus­rüs­tung und Arbei­tern der Kon­ser­ven­fa­brik Urju­pinsk des Volks­kom­mis­sa­ri­ats für Fleisch- und Milch­in­dus­trie der UdSSR. Das Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tee der Stadt Sta­lin­grad ver­ab­schie­de­te einen Beschluss über den Bau einer Ver­tei­di­gungs­li­nie mit­hil­fe von Bau­or­ga­ni­sa­tio­nen und durch Mobi­li­sie­rung der Bevöl­ke­rung. Maß­nah­men zur Stär­kung der Ein­hei­ten der Volks­mi­liz - so die Beset­zung einer Schüt­zen­di­vi­si­on mit 6900 Kämp­fern wur­den beschlos­sen - wei­ter­hin die Bil­dung von 3 zusätz­li­chen Pan­zer­ba­tail­lo­nen aus Arbei­tern und Ange­stell­ten der Fabri­ken Sudo­verf und STZ, 2 Artil­le­rie­di­vi­sio­nen mit einer Anzahl von 1400 Kämp­fern für 8 bis 10 Bat­te­rien und einer Mör­ser­kom­pa­nie, Spe­zi­al­ein­hei­ten aus Scharf­schüt­zen, Maschi­nen­ge­wehr­schüt­zen, Bahn­wär­tern, Krankenschwestern.

In den fol­gen­den Tagen lie­fer­ten sich Trup­pen der 38. und 9. Armee der Süd­front schwe­re Ver­tei­di­gungs­kämp­fe im Raum Kan­t­emi­rov­ka, und die 57. und 28. Armee zogen sich in getrenn­ten Grup­pen über den Don hin­aus zurück. Die 4. Pan­zer­ar­mee des Fein­des schlug öst­lich der Bahn­stre­cke Mil­ler­vo-Kamensk ein. Die Trup­pen der Sta­lin­gra­der Front ver­tei­dig­ten sich teil­wei­se am lin­ken Donufer, wäh­rend der ande­re Teil wei­ter­hin die vor­ge­se­he­nen Lini­en erreich­te. Das Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tee der Stadt Sta­lin­grad ent­schied über die Eva­ku­ie­rung von Vieh, Eigen­tum, Pro­duk­ti­ons­mit­teln von Kol­lek­tiv­wirt­schaf­ten, Staats­wirt­schaf­ten und ande­ren staat­li­chen, genos­sen­schaft­li­chen und öffent­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen an das rech­te Ufer der Flüs­se Khoper und Don sowie über den Bau von 6 zusätz­li­chen Über­gän­gen über die Wol­ga und die Instand­set­zung von Brü­cken und Zugän­gen zur Wol­ga. Die Wer­ke Bar­ri­ka­dy, Red Octo­ber und Shi­py­ard wur­den beauf­tragt, einen Pan­zer­zug für die Sta­lin­gra­der Front zu pro­du­zie­ren und ihn mit Waf­fen und Muni­ti­on auszurüsten.

Im Nord­os­ten in Rich­tung der Regi­on Woro­nesch dau­er­ten schwe­re Abwehr­kämp­fe der sowje­ti­schen Trup­pen an. Die Trup­pen der Sta­lin­gra­der Front ver­stärk­ten wei­ter­hin ihre Stel­lun­gen, kon­zen­trier­ten und grup­pier­ten ihre Kräf­te neu. Gemäß der Ent­schei­dung des Haupt­quar­tiers des Ober­kom­man­dos wur­den acht Divi­sio­nen gepan­zer­ter Züge zur Ver­tei­di­gung der Eisen­bah­nen an die Sta­lin­gra­der Front geschickt.

Durch Erlass des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der UdSSR wur­de das Gebiet Sta­lin­grad unter Kriegs­recht gestellt.

In der Regi­on wur­de die Mobi­li­sie­rung von Män­nern im Alter von 18 bis 50 Jah­ren in die Rote Armee ange­kün­digt. Das staat­li­che Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tee ver­ab­schie­de­te einen Beschluss über die Ver­la­ge­rung unge­nutz­ter Aus­rüs­tung aus dem Werk „Roter Okto­ber“ in das metall­ur­gi­sche Werk Bai­kal. Das Sta­lin­gra­der Regio­nal­exe­ku­tiv­ko­mi­tee und das Regio­nal­ko­mi­tee der All­uni­ons­kom­mu­nis­ti­schen Par­tei (Bol­sche­wi­ki) beschlos­sen, Wai­sen­häu­ser der Regi­on Sta­lin­grad aus den Bezir­ken Kaga­no­vichs­ky, Nizhne-Chirsky, Novo­ann­in­sky, Mikhai­l­ovs­ky und Siro­tin­sky zu evakuieren.

Die 4. Pan­zer­ar­mee der Faschis­ten erreich­te das Gebiet Ros­tow und umschloss die 38. und 9. Armee der Süd­front tief. Die 1. Pan­zer­ar­mee des Fein­des erreich­te das Gebiet von Kamensk. Die Ver­tei­di­gungs­front der sowje­ti­schen Trup­pen zwi­schen den Flüs­sen Don und Nörd­li­cher Donezk wur­de in einer Zone von bis zu 170 km durch­bro­chen. Der Ein­tritt des Fein­des in die gro­ße Don­schlei­fe und sein wei­te­rer Vor­marsch nach Süden führ­ten zu einer ech­ten Gefahr einer Ein­krei­sung der Trup­pen der Süd­front. Die auf brei­ter Front auf­ge­stell­te 51. Armee der Nord­kau­ka­sus­front konn­te den Ansturm feind­li­cher Pan­zer­ver­bän­de nicht zurück­hal­ten. Die Trup­pen der Süd­front zogen sich nach Süden über den Don hin­aus zurück. Sie erhiel­ten die Auf­ga­be, in Zusam­men­ar­beit mit der Nord­kau­ka­si­schen Front eine star­ke Ver­tei­di­gung auf der Don-Linie bis zur Mün­dung zu orga­ni­sie­ren. Das Sta­lin­gra­der Regio­nal­ko­mi­tee der All­uni­ons­kom­mu­nis­ti­schen Par­tei der Bol­sche­wi­ki beschloss im Ein­ver­neh­men mit dem Mili­tär­rat der Sta­lin­gra­der Front, drin­gend eine 4. Ver­tei­di­gungs­li­nie mit einer Län­ge von 50 km direkt am Stadt­rand zu errich­ten. Das Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tee der Stadt Sta­lin­grad beschloss die Eva­ku­ie­rung von medi­zi­nischn Ein­rich­tun­gen für Kin­der, Kran­ken­häu­sern, Lebens­mit­tel­ver­sor­gun­gen, Getrei­de und Staats­bank­schät­zen an das lin­ke Ufer der Wolga.

Die Trup­pen der Süd­front zogen sich bis über den Don wei­ter zurück. Die Trup­pen der Sta­lin­gra­der Front beset­zen wei­ter­hin ihre bis­he­ri­gen Stel­lun­gen, ver­stärk­ten sie, führ­ten eine teil­wei­se Umgrup­pie­rung der Kräf­te durch und führ­ten Ver­tei­di­gungs­ge­fech­te. Die 153. Schüt­zen­di­vi­si­on der 63. Armee wehr­te mit ihren Vor­wärts­ein­hei­ten einen feind­li­chen Angriff mit der Stär­ke eines Infan­te­rie­ba­tail­lons mit 13 Pan­zern süd­west­lich des Dor­fes Sto­govs­ky ab. Die Trup­pen der 62. Armee nah­men die Ver­tei­di­gung an der Linie Kletska­ja-Sur­ovi­ki­no auf. Die Trup­pen der 64. Armee ver­tei­dig­ten die Linie Sur­owi­ki­no-Werch­ne-Kur­mo­jars­ka­ja. Es wur­de mit der beschleu­nig­ten Vor­be­rei­tung tech­ni­scher Befes­ti­gun­gen auf den besetz­ten Lini­en begon­nen. Die Bewe­gung von Par­ti­sa­nen­ab­tei­lun­gen und Unter­grund­grup­pen in besetz­ten Regio­nen wur­de kor­di­niert. Wei­te­re Eva­ku­ie­run­gen wur­den beschlos­sen sowie die Eva­ku­ie­rung von Fami­li­en des Führungspersonals.

Die Front im Süden war von Rück­zugs­ge­fech­ten gekennzeichnet.

Die Trup­pen der Sta­lin­gra­der Front besetz­ten wei­ter­hin ihre bis­he­ri­gen Stel­lun­gen, ver­stär­ken sie und füh­ren Auf­klä­rungs­ar­bei­ten durch. Vor­aus­ab­tei­lung der 153. Infan­te­rie­di­vi­si­on zogen sich nach einem Gefecht mit dem Feind an der Ober­li­nie 191,0 – Sto­govs­ky nachts an das lin­ke Fluss­ufer des Don zurück. Der Geheim­dienst stell­te fest, dass Morozovs­ky vom Feind mit einer Streit­macht von bis zu zwei Infan­te­rie­ba­tail­lo­nen und einer Pan­zer­kom­pa­nie besetzt war. Im Gebiet des Dor­fes Cher­nyshevs­ka­ya (50 km süd­west­lich von Sur­ovi­ki­no) wur­de ein Gefan­ge­ner der 29. mecha­ni­sier­ten Divi­si­on des Fein­des gefan­gen genommen.

Im gro­ßen Don­bo­gen began­nen die Abwehr­kämp­fe der Sta­lin­gra­der Front. Das Haupt­quar­tier des Ober­kom­man­dos über­gab der Sta­lin­gra­der Front das Haupt­quar­tier der 28., 57. und 38. Armee mit ihrer Kom­mu­ni­ka­ti­ons­aus­rüs­tung und den zu ihnen zurück­ge­zo­ge­nen Trup­pen. Der Rat der Volks­kom­mis­sa­re der UdSSR befahl dem Volks­kom­mis­sa­ri­at für Han­del der UdSSR, ab Juli 1942 in Städ­ten, in denen Lebens­mit­tel­kar­ten ein­ge­führt wur­den, den Ver­kauf von Lebens­mit­teln über die fest­ge­leg­ten Nor­men (monat­lich 400 g But­ter, 300 g Zucker, 600 g Getrei­de­flo­cken, 6 l Milch) hin­aus für schwan­ge­re Frau­en zu orga­ni­sie­ren. Die Trup­pen der Süd­front führ­ten im Raum Kamensk und west­lich von Ros­tow wei­ter­hin Abwehr­kämp­fe mit dem Feind und zogen sich lang­sam in den Unter­lauf des Don zurück. Die Trup­pen der Sta­lin­gra­der Front füh­ren Kampf­auf­klä­run­gen durch.

Es ging eine Nach­richt der bri­ti­schen Regie­rung an die sowje­ti­sche Regie­rung ein, in der mit­ge­teilt wur­de, dass die bri­ti­sche Regie­rung davon absieht, die Sowjet­uni­on wei­ter­hin mit mili­tä­ri­schem Mate­ri­al ent­lang der Nord­rou­te zu belie­fern. Die­se Ent­schei­dung wur­de dadurch begrün­det, dass bri­ti­sche Mili­tär- und Trans­port­schif­fe, die Fracht für die Sowjet­uni­on trans­por­tier­ten, durch deut­sche Angrif­fe schwe­re Ver­lus­te erlit­ten. Die Bot­schaft berich­te­te auch, dass die bri­ti­sche Regie­rung glaub­te, dass dies die Schaf­fung einer wirk­lich star­ken zwei­ten Front im Jahr 1943 unmög­lich machen wür­de. In Lon­don began­nen Ver­hand­lun­gen zwi­schen Ver­tre­tern der Regie­run­gen Groß­bri­tan­ni­ens und der Ver­ei­nig­ten Staa­ten, in deren Ergeb­nis eine Ver­ein­ba­rung zur Ver­schie­bung der Eröff­nung einer zwei­ten Front in Euro­pa aus­ge­ar­bei­tet und beschlos­sen wur­de. 1942 mar­schie­ren alli­ier­te Streit­kräf­te in Nord­afri­ka ein.

Der Vor­sit­zen­de des Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tees der Stadt Sta­lin­grad, A.S. Chu­ya­nov, rief in einer Radio­an­spra­che an die Bewoh­ner der Regi­on dazu auf, alle ihre Kräf­te zu mobi­li­sie­ren, um der Front zu hel­fen und die Ver­tei­di­gung der Stadt und der Regi­on zu stär­ken. Die Eva­ku­ie­rung von Arbei­tern und unge­nutz­ter Aus­rüs­tung von Unter­neh­men, die zusam­men mit den Arbei­tern aus den west­li­chen Regio­nen der UdSSR nach Sta­lin­grad eva­ku­iert wur­den, begann.

Das Büro des Sta­lin­gra­der Regio­nal­ko­mi­tees der All­uni­ons­kom­mu­nis­ti­schen Par­tei der Bol­sche­wi­ki ver­ab­schie­de­te eine Reso­lu­ti­on “Über den Kampf gegen die Ver­brei­tung pro­vo­ka­ti­ver Gerüch­te”. Auf Erlass des Sta­lin­gra­der Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tees wur­de mit dem Bau von Pfer­de­fäh­ren über die Wol­ga begon­nen. In Sta­lin­grad wur­den die Unter­neh­men, die Waf­fen und Muni­ti­on her­stell­ten, vom Kom­man­deur der Nord­kau­ka­sus­front, Mar­schall S. M. Budyon­ny, besucht.

Bild von pixabay.com, unter der CC0 Public Domain zur freie Nutzung
Bild von pixabay.com, unter der CC0 Public Domain zur freie Nutzung

Die vom Feind aus dem Nor­den und Wes­ten bedräng­ten Trup­pen der Süd­front lie­fer­ten sich erbit­ter­te Kämp­fe bei der Annä­he­rung an die Stel­lun­gen des befes­tig­ten Ros­tower Gebiets und zogen sich wei­ter­hin in den Rücken zum Unte­ren Don zurück. Die Trup­pen der Sta­lin­gra­der Front führ­ten wei­ter Ver­tei­di­gungs­kämp­fe. Ein­hei­ten wur­den wei­ter zurück­ge­drängt - teil­wei­se auf das lin­ke Fluss­ufer des Don in der Nähe des Dor­fes Ves­hens­ka­ya. Die vor­de­ren Abtei­lun­gen der 62. Armee tra­ten in den Gebie­ten Pro­nin, Cher­nyshevs­ka­ya (55-75 km süd­west­lich der Stadt Ser­a­fi­mo­vich) und Kireev in die Schlacht mit feind­li­cher moto­ri­sier­ter Infan­te­rie und berit­te­nen Grup­pen. Die 302. Schüt­zen­di­vi­si­on (Kom­man­deur Oberst M.K. Zub­kov) traf in Rich­tung Sta­lin­grad ein. Bei ihrer Ankunft trat die Divi­si­on unmit­tel­bar in die Schlacht mit dem Feind ein, der den Don im Bereich des Dor­fes Niko­laevs­ka­ya über­quer­te. Der Lan­des­ver­tei­di­gungs­aus­schuss nahm eine Reso­lu­ti­on zur Beschleu­ni­gung des Baus der Eisen­bahn­stre­cke Sara­tow-Sta­lin­grad sowie über die Ent­fer­nung von Getrei­de­re­ser­ven aus den Gebie­ten der Regi­on Sta­lin­grad an.

Der Feind nutz­te eine Lücke aus, die sich in der Trup­pen­zo­ne der Süd­front bil­de­te, die sich teil­wei­se über den Don im Sek­tor von Kamensk bis Kon­stan­ti­nows­ka­ja zurück­ge­zo­gen hat­ten. So erreich­te er den äuße­ren Rand des Gebiets der Ros­tower Fes­tung. Hier kam es zu schwers­ten Kämp­fen zwi­schen den sowje­ti­schen Trup­pen und dem vor­rü­cken­den Feind. Trup­pen der 51. Armee der Nord­kau­ka­sus­front füh­ren im Gebiet der Dör­fer Niko­laevs­ka­ya und Kon­stan­ti­novs­ka­ya Ver­tei­di­gungs­kämp­fe mit dem Feind, der den Don über­quert hat. Die klei­nen Ein­hei­ten der 51. Armee konn­ten den Über­gang nicht ver­hin­dern. Der Feind lan­de­te am lin­ken Donufer. Die Trup­pen der Sta­lin­gra­der Front wur­den wei­ter verstärkt.

Neue Ein­hei­ten wur­den immer unmit­tel­bar ins Gefecht geführt.

Auf­klä­rungs­ab­tei­lun­gen der 63. Armee, die 1. Infan­te­rie­di­vi­si­on erober­te den süd­öst­li­chen Stadt­rand von Gru­sche­wo, mach­te Gefan­ge­ne und zog sich auf das lin­ke Fluss­ufer des Don zurück. Die 153. Schüt­zen­di­vi­si­on erreich­te das Dorf Sto­govs­ky, wo sie auf orga­ni­sier­te feind­li­che Ver­tei­di­gungs­an­la­gen traf und den Kampf fort­setz­te. Vor­wärts­ab­tei­lun­gen der 62. Armee, die 192. Infan­te­rie­di­vi­si­on kämpf­te mit dem Feind im Bereich Donscht­schin­ka. Die 181. Infan­te­rie­di­vi­si­on hielt wei­ter­hin das Gebiet Sin­yap­kin, Gusyn­ka. Die 147. Infan­te­rie­di­vi­si­on aus dem Raum Kire­jew wur­de vom Feind mit einer Streit­macht von bis zu 2 moto­ri­sier­ten Infan­te­rie­ba­tail­lo­nen mit 60 Pan­zern zurück­ge­drängt. Die 196. Infan­te­rie­di­vi­si­on hielt wei­ter­hin das Gebiet Werch­ne­g­nu­tow – Nischnegnutow.

Das staat­li­che Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tee ver­ab­schie­de­te einen Beschluss über die Eva­ku­ie­rung von Aus­rüs­tung aus dem Werk Nr. 91 des Volks­kom­mis­sa­ri­ats für che­mi­sche Indus­trie in Keme­ro­wo in das Werk Nr. 510. Das Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tee der Stadt Sta­lin­grad ver­ab­schie­de­te eine Reso­lu­ti­on über die Über­füh­rung aller Luft­ver­tei­di­gungs­ver­bän­de Sta­lin­grads in den Kaser­nen­sta­tus und über die Pro­duk­ti­on von 10.000 Kis­ten mit 50-mm-Minen für Par­ti­sa­nen­ab­tei­lun­gen der Region.

21. Juli 1942 - der Schrift­stel­ler M.A. Scho­loch­ow kam nach Sta­lin­grad, um sich mit Sol­da­ten der Roten Armee zu treffen.

5. Die entscheidenden Kämpfe

Von Juli bis Novem­ber 1942 gelang es der Roten Armee, den Feind in Abwehr­kämp­fen zu ver­zet­teln. Bis zum 23. August 1942 wur­den von den 400.000 Ein­woh­nern Sta­lin­grads etwa 100.000 eva­ku­iert. Am 24. August ver­ab­schie­de­te das Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tee der Stadt Sta­lin­grad einen ver­spä­te­ten Beschluss über die Eva­ku­ie­rung von Frau­en, Kin­dern und Ver­wun­de­ten an das lin­ke Wol­ga-Ufer. Alle Bür­ger, auch Frau­en und Kin­der, arbei­te­ten am Bau von Schüt­zen­grä­ben und ande­ren Befestigungsanlagen.

Am 23. August 1942 führ­te die 4. Luft­flot­te der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen deut­schen Luft­waf­fe den längs­ten und zer­stö­re­rischs­ten Bom­ben­an­griff auf die Stadt durch. Bis zu 400 deut­sche Flug­zeu­ge betei­lig­ten sich an den Bom­ben­an­grif­fen, die unun­ter­bro­chen von auf­ein­an­der­fol­gen­den Flug­zeug­wel­len durch­ge­führt wur­den, dar­un­ter bis zu 160 zwei­mo­to­ri­ge, schwe­re Bom­ber. Die deut­schen Flug­zeu­ge zer­stör­ten die Stadt, töte­ten mehr als 90.000 Men­schen, zer­stör­ten mehr als die Hälf­te des Woh­nungs­be­stands von Sta­lin­grad aus der Vor­kriegs­zeit und ver­wan­del­ten die Stadt in ein rie­si­ges Gebiet vol­ler bren­nen­der Ruinen.

Bis zum 1. Sep­tem­ber 1942 konn­te die sowje­ti­sche Füh­rung ihren Trup­pen in Sta­lin­grad nur noch ris­kan­te Über­gän­ge über die Wol­ga ermög­li­chen. Inmit­ten der Rui­nen der bereits zer­stör­ten Stadt errich­te­te die 62. sowje­ti­sche Armee Ver­tei­di­gungs­stel­lun­gen mit Schieß­stän­den in Gebäu­den und Fabri­ken. Scharf­schüt­zen und Angriffs­grup­pen hiel­ten den Feind so gut sie konn­ten fest. Die Deut­schen, die tie­fer in Sta­lin­grad vor­dran­gen, erlit­ten schwe­re Ver­lus­te. Sowje­ti­sche Ver­stär­kun­gen wur­den vom Ost­ufer unter stän­di­gem Bom­bar­de­ment und Artil­le­rie­feu­er über die Wol­ga trans­por­tiert und direkt in die Gefech­te ein­ge­führt. Es kam zu vie­len Kämp­fen im Nahkampf.

Mit­te Sep­tem­ber 1942 ent­wi­ckel­te das Ober­kom­man­do Plä­ne zu einer Gegenoffensive.

Схема боевых действий 308 СД в составе 1-ой Гв.Армии 18-20 сентября 1942 года.
Sche­ma der Kampf­hand­lun­gen vom 18. bis 20. Sep­tem­ber 1942, sowje­ti­scher Gegen­an­griff - Serg Koma, CC BY-SA 4.0 via Wiki­me­dia Commons
Vom 13. bis 26. Sep­tem­ber dräng­ten Wehr­machts­ein­hei­ten die Trup­pen der 62. Armee zurück und dran­gen in die Innen­stadt ein. Der Fluss stand voll­stän­dig unter Beschuss deut­scher Trup­pen. Jedes Schiff und Boot wur­de gejagt. Trotz­dem wur­den wäh­rend der Schlacht um die Stadt über 82.000 Sol­da­ten und Kom­man­deu­re, eine gro­ße Men­ge mili­tä­ri­scher Aus­rüs­tung, Lebens­mit­tel und ande­re mili­tä­ri­sche Güter vom lin­ken Ufer zum rech­ten Ufer trans­por­tiert und etwa 52.000 Ver­wun­de­te und Zivi­lis­ten ans lin­ke Ufer evakuiert.

Am 30. Sep­tem­ber 1942 wur­de die Don-Front gebil­det. Sie umfass­te die 1. Gar­de­ar­mee, 21., 24., 63. und 66. Armee, 4. Pan­zer­ar­mee und Luft­waf­fen­ein­hei­ten. Am 30. Sep­tem­ber begann um 5:00 Uhr die Artil­le­rie­vor­be­rei­tung. In der Fol­ge der Kämp­fe wur­de geplant, die direkt in Sta­lin­grad kämp­fen­den deut­schen Trup­pen (14. Pan­zer­korps, 51. und 4. Armee­korps, ins­ge­samt etwa 12 Divi­sio­nen - der 6. Armee unter Gene­ral­feld­mar­schall Fried­rich Pau­lus und 24 wei­te­ren Gene­rä­len der Wehr­macht - ein­zu­kes­seln und zu vernichten.

Die deut­sche Mili­tär­dok­trin basier­te auf dem Zusam­men­spiel der Trup­pen­gat­tun­gen im All­ge­mei­nen und im Beson­de­ren auf dem engen Zusam­men­spiel von Infan­te­rie, Pio­nie­ren, Artil­le­rie und Sturz­kampf­bom­bern. Als Reak­ti­on dar­auf ver­such­ten sowje­ti­sche Sol­da­ten, sich Dut­zen­de Meter von feind­li­chen Stel­lun­gen ent­fernt zu posi­tio­nie­ren. In die­sem Fall konn­ten deut­sche Artil­le­rie und Luft­fahrt nicht ope­rie­ren, ohne Gefahr zu lau­fen, ihre eige­nen zu tref­fen. Oft waren die Geg­ner durch eine Wand, einen Boden oder einen Trep­pen­ab­satz getrennt. In die­sem Fall muss­te die deut­sche Infan­te­rie auf Augen­hö­he mit der sowje­ti­schen Infan­te­rie kämp­fen – mit Geweh­ren, Gra­na­ten, Bajo­net­ten und Messern.

Der Kampf galt jeder Stra­ße, jeder Fabrik, jedem Haus, Kel­ler und Treppenhaus.

2023-03, Belarus, Festung Brest
Foto: 2023-03, Bela­rus, Fes­tung Brest

Sogar ein­zel­ne Gebäu­de wur­den in die Kar­ten auf­ge­nom­men und mit Namen ver­se­hen: Paw­lows Haus, Müh­le, Kauf­haus, Auf­zug, Gefäng­nis, Zabo­lot­ny-Haus, Mol­ke­rei, Haus der Spe­zia­lis­ten, L-för­mi­ges Haus, Nagel­fa­brik und ande­re. Die Rote Armee führ­te stän­dig Gegen­an­grif­fe durch und ver­such­te, zuvor ver­lo­re­ne Stel­lun­gen zurück­zu­er­obern. Mamaev Kur­gan und der Bahn­hof Sta­lin­grad-I wech­sel­ten mehr­mals den Besit­zer. Die Angriffs­grup­pen bei­der Sei­ten ver­such­ten, alle Durch­gän­ge zum Feind zu nut­zen – Abwas­ser­ka­nä­le, Kel­ler, Tunnel.

Am Mor­gen des 14. Okto­ber star­te­te die deut­sche 6. Armee eine ent­schei­den­de Offen­si­ve gegen die sowje­ti­schen Brü­cken­köp­fe nahe der Wol­ga. Sie wur­de von mehr als tau­send Flug­zeu­gen der 4. Luft­flot­te der Luft­waf­fe unter­stützt. Die Kon­zen­tra­ti­on deut­scher Trup­pen war bei­spiel­los – auf einer Front­län­ge von nur etwa 4 km(!) rück­ten drei Infan­te­rie- und zwei Pan­zer­di­vi­sio­nen auf das Trak­to­ren­werk und das Bar­ri­ka­den­werk vor. Die sowje­ti­schen Ein­hei­ten ver­tei­dig­ten sich hart­nä­ckig mit Unter­stüt­zung der Artil­le­rie vom Ost­ufer der Wol­ga und den Schif­fen der Wol­ga-Mili­tär­flot­til­le. Auf­grund der Vor­be­rei­tung der sowje­ti­schen Gegen­of­fen­si­ve kam es jedoch bei der Artil­le­rie am lin­ken Wol­ga-Ufer zu einem Munitionsmangel.

Am 9. Novem­ber begann kal­tes Wet­ter, die Luft­tem­pe­ra­tur sank auf 18 Grad unter Null. Die Über­que­rung der Wol­ga wur­de auf­grund der auf dem Fluss trei­ben­den Eis­schol­len äußerst schwie­rig und die Trup­pen der 62. Armee lit­ten unter aku­tem Man­gel an Muni­ti­on und Nah­rungs­mit­teln. Bis Ende Novem­ber gelang es noch den deut­schen Trup­pen, den süd­li­chen Teil des Bar­ri­ca­des-Werks zu erobern und in einem 500 m brei­ten Gebiet bis zur Wol­ga vor­zu­drin­gen. Die 62. Armee der Roten Armee hielt nun drei klei­ne, von­ein­an­der iso­lier­te Brü­cken­köp­fe - der kleins­te davon war die Insel Ljud­ni­kow. Die Divi­sio­nen der 62. Armee zähl­ten nach Ver­lus­ten nur noch 500-700 Mann. Auch die deut­schen Divi­sio­nen erlit­ten gro­ße Ver­lus­te, bei vie­len Ein­hei­ten fie­len mehr als 40 % des Per­so­nals im Gefecht.

Der Feind unter­nahm einen letz­ten Ver­such, Sta­lin­grad ein­zu­neh­men. 5 feind­li­che Infan­te­rie- und 2 Pan­zer­di­vi­sio­nen star­te­ten eine Offen­si­ve an einer etwa 5 Kilo­me­ter brei­ten Front von der Volk­host­ro­evs­ka­ya-Stra­ße bis zur Ban­ny-Schlucht. Die Trup­pen der 62. Armee waren gezwun­gen, die Stadt in drei Rich­tun­gen zu ver­tei­di­gen - am nörd­li­chen Stadt­rand - im Gebiet Rynok, Spar­ta­nov­ka, im Zen­trum - in der Nähe des Bar­ri­ka­dy-Werks, im Bereich des Roten Okto­ber-Werks. Die sowje­ti­schen Trup­pen schlu­gen aber alle feind­li­chen Angrif­fe im Bereich der Mezens­ka­ya-Stra­ße und des Werks „Roter Okto­ber“ zurück.

Arbei­ter, Hand­wer­ker und Inge­nieu­re aus Sta­lin­gra­der Unter­neh­men Sei­te kämp­fen an Sei­te mit den Sol­da­ten in den Kämp­fen um die Stadt.

Bei einer Sit­zung des Staat­li­chen Ver­tei­di­gungs­aus­schus­ses berich­te­ten G. K. Schu­kow und A. M. Was­sil­jew­ski über einen über­ar­bei­te­ten Plan für eine Gegen­of­fen­si­ve in Rich­tung Sta­lin­grad (»Ope­ra­ti­on Ura­nus«). Der Plan wur­de schließ­lich geneh­migt und der Start­ter­min für die Ope­ra­ti­on fest­ge­legt. Die Trup­pen der 62. Armee lie­fern sich erbit­ter­te Schlach­ten, die zu Mas­sen­kämp­fen im Nah­kampf füh­ren. Wer die Schlacht unter Über­an­stren­gung aller Sin­ne über­lebt, wird sich für immer ver­brannt an die­se Höl­le erin­nern, als wäre sie mit einem hei­ßen Eisen gewe­sen. Die Spu­ren die­ses Kamp­fes wer­den nie­mals gelöscht. Hit­ler erwar­te­te in einem Tele­gramm an Pau­lus, dass mit der Anstren­gung der letz­ten Kräf­te Sta­lin­grad genom­men wird.

In den letz­ten Tagen vor der Gene­ral­of­fen­si­ve der sowje­ti­schen Trup­pen (ab 19. Novem­ber) kämpf­te die Divi­si­on haupt­säch­lich mit erbeu­ter Muni­ti­on. 2.200 Kom­so­mol-Mit­glie­der - Frei­wil­li­ge der Regi­on - tra­ten in die Rei­hen der Roten Armee ein. Bei einer Kund­ge­bung in Kamy­schin leg­ten Frei­wil­li­ge einen fei­er­li­chen Eid ab - um jeden Zen­ti­me­ter ihres Hei­mat­lan­des zu kämp­fen - bis zum Tod. Ins­ge­samt schlos­sen sich wäh­rend der Ver­tei­di­gungs­kämp­fe bei Sta­lin­grad 15.000 Kom­so­mol-Mit­glie­der der Regi­on frei­wil­lig den Ver­tei­di­gern der Stadt an.

19. Novem­ber 1942 - Beginn der Gegenoffensive.

Aus dem Befehl des Befehls­ha­bers der Trup­pen der Süd­west­front, Gene­ral­leut­nant N. F. Vat­u­tin: „Ich befeh­le: Beginn des Artil­le­rie­be­schus­ses am 19. Novem­ber 1942 um 7.30 Uhr. Beginn des Angriffs der Infan­te­rie, Artil­le­rie und Pan­zer am 19. Novem­ber 1942. Berich­ten Sie zeit­nah über den Ver­lauf der Schlacht.“ Der Wet­ter­be­richt von 6.00 bis 18.00 Uhr am 18. Novem­ber 1942. „Mor­gens völ­lig bewölkt, stel­len­wei­se Nebel und Schnee.“ 

Map Battle of Stalingrad-ru
Ope­ra­ti­on “Ura­nus” (Операция “Уран”) - Kampf­hand­lun­gen vom 19. Novem­ber bis 24. Dezem­ber 1942 - Map Batt­le of Stalingrad-ru
Die stra­te­gi­sche Offen­siv­ope­ra­ti­on der sowje­ti­schen Trup­pen mit dem Code­na­men „Ura­nus“ begann, die faschis­ti­schen Aggres­so­ren bei Sta­lin­grad ein­zu­krei­sen. Zu Beginn der Gegen­of­fen­si­ve in Rich­tung Sta­lin­grad wur­den Trup­pen des Süd­wes­tens ein­ge­setzt. Den sowje­ti­schen Trup­pen stan­den die 8. ita­lie­ni­sche, 3. und 4. rumä­ni­sche, deut­sche 6. Feld- und 4. Pan­zer­ar­mee der Hee­res­grup­pe B gegen­über. Das Kräf­te­ver­hält­nis zu Beginn der Gegen­of­fen­si­ve war in der Trup­pen­stär­ke rela­tiv aus­ge­gli­chen, bei Waf­fen und Mör­sern gab es eine 1,5fache Über­le­gen­heit der Roten Armee, bei Pan­zern und Sturm­ge­schüt­zen eine 2,2fache und bei Flug­zeu­gen auch eine rela­ti­ve Ausgeglichenheit.

Nach einem mas­si­ven Artil­le­rie­be­schuss star­te­ten die Trup­pen der Süd­west­front und der Don­front eine Gegen­of­fen­si­ve nörd­lich von Sta­lin­grad. Der Haupt­schlag wur­de von der Süd­west­front aus­ge­führt. Sei­ne Angriffs­trup­pe: die 21. Armee und die 5. Pan­zer­ar­mee, mit Unter­stüt­zung der 2. und 17. Luft­ar­mee, schlu­gen vom Brü­cken­kopf Kletska­ya und Ser­a­fi­mo­witsch aus zu. Die 65. Armee der Don-Front begann Angrif­fe süd­öst­lich in Rich­tung Zappelig.

2023-03, Belarus, Minsk
Foto: Pan­zer-Denk­mal, Bela­rus, Minsk

Um 14 Uhr war der hart­nä­cki­ge Wider­stand des Fein­des gebro­chen, die ers­ten, am stärks­ten befes­tig­ten Stel­lun­gen wur­den durch­bro­chen, die feind­li­chen Ver­tei­di­gungs­an­la­gen wur­den in zwei Gebie­ten durch­bro­chen: Süd­lich von Ser­a­fi­mo­vich und im Raum Kletska­ya star­te­ten die 21. und 5. Pan­zer­ar­mee einen Vor­stoß. Am Ende des Tages hat­ten die Pan­zer 20-35 km zurück­ge­legt. Die 65. Armee rück­te in hef­ti­gen Kämp­fen 3-5 km vor, schaff­te es jedoch nicht, die Haupt­ver­tei­di­gungs­li­nie des Fein­des zu durch­bre­chen. Der Kom­man­deur der faschis­ti­schen Hee­res­grup­pe „B“, Gene­ral M. Weichs, sand­te einen Befehl an F. Pau­lus, in dem er for­der­te, sofort alle Offen­siv­ak­tio­nen in Sta­lin­grad einzustellen.

Die Trup­pen der Sta­lin­gra­der Front gin­gen in der Offen­si­ve süd­lich von Sta­lin­grad. Die Trup­pen der Don-Front durch­bra­chen wäh­rend der Offen­si­ve ab 8.30 Uhr mit ihrer rech­ten Flan­ke die Ver­tei­di­gungs­an­la­gen der 13. und 15. Infan­te­rie- sowie 1. Kaval­le­rie­di­vi­si­on der Rumä­nen sowie der 62. Infan­te­rie­di­vi­si­on der Wehr­macht. Die 266. Schüt­zen­di­vi­si­on (Gene­ral­ma­jor L. V. Vetosh­ni­kov) traf als Teil der 1. Gar­de­ar­mee der Süd­west­front ein. Am 21. Novem­ber über­nah­men Ein­hei­ten der Divi­si­on die Ver­tei­di­gung am rech­ten Fluss­ufer des Don, was die Kon­zen­tra­ti­on der Angriffs­grup­pe der Armee für den anschlie­ßen­den Durch­bruch in der Nähe von Asta­chow sicher­stell­te. In der Reso­lu­ti­on des Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tees der Stadt Sta­lin­grad wur­de die Not­wen­dig­keit fest­ge­legt, einen unun­ter­bro­che­nen Betrieb des Über­gangs der 62. Armee auf der Linie Tumak-Roter Okto­ber sicherzustellen.

Der ers­te Schnee­fall fiel in der Regi­on Stalingrad.

Die Süd­west­front ent­wi­ckel­te ihre Offen­si­ve erfolg­reich. Pan­zer­ver­bän­de erreich­ten das Manoi­lin-Gebiet und bogen scharf nach Osten ab und stürm­ten auf dem kür­zes­ten Weg zum Don im Kal­achon-Don-Gebiet. Die vor­ge­scho­be­nen Ein­hei­ten erreich­ten das Dorf Golu­bins­ka­ya, in dem sich das Haupt­quar­tier der deut­schen 6. Armee ebe­fand. F. Pau­lus ver­leg­te ihn has­tig nach Nisch­ne-Tschir­ska­ja und dann nach Gum­rak. Die Armeen der Sta­lin­gra­der Front kämpf­ten sich von Süden her auf die Süd­west­front zu. Der Abstand zwi­schen den Fron­ten wur­de auf 80 km redu­ziert. Schüt­zen­di­vi­sio­nen wur­den in Rich­tung Sta­lin­grad ver­legt, so die 44. Gar­de-Schüt­zen­di­vi­sio­nen (Gene­ral­ma­jor D. A. Kupri­ya­nov) und die 195. Schüt­zen­di­vi­sio­nen (Oberst V. P. Karuna).

Um die ein­ge­kes­sel­te feind­li­che Grup­pe zu befrei­en, begann das Wehr­machts­kom­man­do, basie­rend auf der 11. Armee, mit der Bil­dung der Hee­res­grup­pe Don. Der Feind erleitt schwe­re Ver­lus­te. Ab dem 26. Novem­ber 1942 wur­de der Lebens­mit­tel­stan­dard in der ein­ge­kes­sel­ten Feind­grup­pe auf 350 Gramm Brot und 120 Gramm Fleisch redu­ziert. Am nächs­ten Tag erhiel­ten alle Sol­da­ten und Offi­zie­re der Wehr­macht, die in Sta­lin­grad umzin­gelt waren, den Text von Hit­lers Tele­gramm, in dem er ver­sprach, Alles in sei­ner Macht ste­hen­de zu tun, um Sie in Ihrem hel­den­haf­ten Kampf zu unter­stüt­zen. In den von den Faschis­ten besetz­ten Gebie­ten wur­de die Ern­te nicht ein­ge­bracht. Die meis­ten Kol­lek­tiv­bau­ern sabo­tier­ten die Getrei­de­ern­te, obwohl die Faschis­ten das Nicht­er­schei­nen zur Arbeit stark bestraf­ten - das ers­te Mal durch 25 Schlä­ge mit der Rute, das zwei­te Mal mit Hinrichtung.

Im kal­ten Dezem­ber wen­de­te sich das Blatt.

Im Ergeb­nis des sowje­ti­schen Gegen­schlags wur­de eine Ein­kes­se­lung der feind­li­chen Grup­pe der deut­schen 6. Armee um Sta­lin­grad betrie­ben. Ende Dezem­ber wur­de in den ein­ge­kes­sel­ten feind­li­chen Grup­pen die täg­li­chen Norm für die Brot­ver­tei­lung auf 300 Gramm redu­ziert. Der rus­si­sche Win­ter setz­te den dafür nicht aus­ge­rüs­te­ten deut­schen Trup­pen erbar­mungs­los zu. Noch nie in der Geschich­te war eine Stadt unter sol­chen Anstren­gun­gen bis auf die letz­te Mau­er ver­tei­digt worden. 

6. Der letzte Monat der Schlacht - Sieg
Screenshot stalingrad-battle.ru - 22.05.2014, Quelle der Schilderung in Kapitel IV, V, VI
Screen­shot stalingrad-battle.ru - 22.05.2014, Quel­le der Schil­de­rung in Kapi­tel 4, 5, 6

Der letz­te vol­le Monat der Schlacht brach­te die Ent­schei­dung. Am 1. Janu­ar 1943 beauf­trag­te das Haupt­quar­tier des Obers­ten Ober­kom­man­dos die Don-Front mit der Liqui­die­rung des ein­ge­schlos­se­nen Fein­des. Die Don-Front umfass­te ab die­sem Tag die 62., 64. und 57. Armee der Sta­lin­gra­der Front. Das Haupt­quar­tier des Obers­ten Ober­kom­man­dos benann­te die Sta­lin­gra­der Front in Süd­front um (spä­ter am 20. Okto­ber 1943 in 4. Ukrai­ni­sche Front). Die­se Front hat­te die stra­te­gi­sche Auf­ga­be erhal­ten, Ros­tow am Don zu befrei­en. Die nord­kau­ka­si­sche Offen­siv­ope­ra­ti­on wur­de von den Trup­pen des lin­ken Flü­gels der Süd­front (51. und 28. Armee) und der Trans­kau­ka­si­schen Front in Zusam­men­ar­beit mit der Schwarz­meer­flot­te und mit Unter­stüt­zung der 4. und 5. Luft­ar­mee begon­nen (Dau­er bis zum 4. Febru­ar). Sowje­ti­sche Trup­pen gin­gen in Rich­tung des Don-Neben­flus­ses Sal in die Offen­si­ve. Das deut­sche Kom­man­do begann Pan­zer­ein­hei­ten aus dem Gebiet von Moz­dok, Nal­chik und Prokhlad­ny in Rich­tung Staw­ro­pol zurück­zu­zie­hen, um ihrer Ein­krei­sung zu entgehen.

Die Ros­tower Offen­siv­ope­ra­ti­on der Trup­pen der Süd­front began­nen an der Linie Loz­na­ya - Pri­yut­noye mit Unter­stüt­zung der Trans­kau­ka­si­schen und ab dem 24. Janu­ar der Nord­kau­ka­si­schen Front. Die 5. Stoß- und 2. Gar­de­ar­mee, die den Haupt­schlag lie­fer­ten, gin­gen in Rich­tung Ros­tow in die Offen­si­ve. In Sta­lin­grad schlos­sen sich Ein­hei­ten der 95. Infan­te­rie­di­vi­si­on mit der 138. Infan­te­rie­di­vi­si­on von I. I. Lyud­ni­kov zusam­men, nach­dem sie den bis zur Wol­ga durch­ge­bro­che­nen Feind ver­nich­tet hat­ten. Zum Bahn­hof Arche­da traf die 2. Gar­de-Mör­ser­di­vi­si­on (Oberst A.F. Tver­ets­ky). Die Divi­si­on war ope­ra­tiv der 65. Armee unter­stellt. Bis zum 9. Janu­ar nah­men Ein­hei­ten der Divi­si­on Kampf­for­ma­ti­on im Bereich der Schluch­ten Ver­tyach­inska­ya, Par­fen­ovo und Rubezhna­ya auf.

Trup­pen der Süd­front durch­bra­chen die feind­li­che Ver­tei­di­gung im Gebiet süd­lich von Tor­mo­sin und star­te­ten eine Offen­si­ve in Rich­tung Ros­tow am Don.

Hit­lers Trup­pen besetz­ten nun noch das Gebiet 53 km von Mari­no­v­ka bis zum zen­tra­len Teil von Sta­lin­grad nahe der Wol­ga und 35 km von Nor­den nach Süden. Die­ses Gebiet war 1400 Qua­drat­ki­lo­me­ter groß. Der Feind war nun von sie­ben sowje­ti­schen Armeen umge­ben: der 65., 21., 24., 64., 57., 66. und 62. Armee. In For­ma­tio­nen der Don-Front tra­fen sich die Schrift­stel­ler Van­da Vasi­levs­ka­ya und Alex­an­der Kor­ney­chuk mit Sol­da­ten. Das staat­li­che Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tee ver­ab­schie­de­te einen Beschluss über den Bau einer neu­en Eisen­bahn­li­nie Kal­ach – Bogut­schar (Dorf Pod­ko­lod­noye am lin­ken Donufer – Bau Nr. 213). Die ört­li­che Indus­trie der Regi­on Sta­lin­grad pro­du­zier­te und belie­fer­te die Rote Armee in die­ser Zeit mit Filz­stie­feln, kur­zen Pelz­män­teln, Sät­zen wat­tier­ter Jacken und Hosen, Fäust­lin­gen und Socken sowie Schlit­ten, Kar­ren, Sät­teln und jede Men­ge ande­re Ausrüstung.

Die nörd­li­che Trup­pen­grup­pe der Trans­kau­ka­si­schen Front ging in Rich­tung Nalt­schik-Staw­ro­pol in die Offen­si­ve. Die Trup­pen der Trans­kau­ka­si­schen Front befrei­ten die Städ­te Moz­dok und Mal­go­bek. In Rich­tung Sta­lin­grad fan­den Stel­lungs­kämp­fe statt. Die Trup­pen der 5. Pan­zer­ar­mee der Süd­west­front und die Trup­pen der 5. Stoß­ar­mee der Süd­front, die die Offen­si­ve erfolg­reich ent­wi­ckel­ten, trie­ben den Feind von der Fluss­li­nie zurück. Zum Bahn­hof Arche­da stieß die 3. Artil­le­rie-Divi­si­on (unter Gene­ral­ma­jor V. G. Solo­vyov) vor. Die Divi­si­on war ope­ra­tiv der 65. Armee unter­stellt. Bei ihrer Ankunft hat­te sie einen 130 km lan­gen Marsch unter­nom­men. Wäh­rend des Vor­mar­sches der Trup­pen der 65. Armee unter­stütz­ten Ein­hei­ten der Divi­si­on die vor­rü­cken­den Trup­pen und feu­er­ten auf die befes­tig­ten Gebie­te des Geg­ners. Das Haupt­quar­tier der Par­ti­sa­nen­be­we­gung an der Sta­lin­gra­der Front schickt eine Par­ti­sa­nen­ab­tei­lung von 60 Kämp­fern unter dem Kom­man­do von V. A. Ershov hin­ter die feind­li­chen Lini­en. Am nächs­ten Tag began­nen die Par­ti­sa­nen zu kämpfen.

Trup­pen der Trans­kau­ka­si­schen Front befrei­ten am 4. Janu­ar 1942 die Haupt­stadt der Kabar­di­no-Bal­ka­ri­schen Auto­no­men Sozia­lis­ti­schen Sowjet­re­pu­blik, Naltschik.

Das Haupt­quar­tier des Obers­ten Ober­kom­man­dos geneh­mig­te an die­sem Tag den Plan der »Ope­ra­ti­on Ring« zur Ver­nich­tung der ein­ge­kes­sel­ten Faschis­ten bei Stalingrad.

Der Zweck der Ope­ra­ti­on bestand dar­in, den Mari­no­vs­ky-Vor­sprung zu besei­ti­gen, den Ein­krei­sungs­ring zusam­men­zu­drü­cken, ihn in zwei Tei­le zu zer­le­gen und den Feind zu ver­nich­ten. Der Haupt­schlag wur­de von den Streit­kräf­ten der 65. Armee aus­ge­führt. Hit­lers Trans­port­flie­ger lie­fer­te täg­lich weni­ger als 100 Ton­nen ver­schie­de­ner Fracht an die ein­ge­schlos­se­nen Trup­pen von Pau­lus (der Tages­be­darf beträgt etwa 1000 Ton­nen). Die Tages­ra­ti­on der Sol­da­ten betrug: 150 g Brot, 65 – 70 g Fleisch oder Kon­ser­ven, Pfer­de­fleisch­sup­pe und gele­gent­lich 25 – 30 g Butter.

Trup­pen der Nord­grup­pe der Trans­kau­ka­si­schen Front befrei­ten die Stadt Prokhlad­ny. Sowje­ti­sche Trup­pen beset­zen die Lini­en Mari­no­v­ka – Ton­ka­ya-Schlucht – Grenz­über­gang 564 – Markt – Karava­tka-Schlucht – Prud­boy-Grenz­punkt (Bezirk Goro­dish­chen­sky der Regi­on Sta­lin­grad). Durch Erlass des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der UdSSR wur­den neue mili­tä­ri­sche Abzei­chen ein­ge­führt – Schul­ter­stü­cke für das Per­so­nal der Roten Armee (ab 15. Febru­ar – für das Per­so­nal der Mari­ne). Die Trup­pen der Süd­front und der Nord­grup­pe der Trans­kau­ka­si­schen Front ent­wi­ckel­ten erfolg­reich eine Offen­si­ve in Rich­tung Ros­tow am Don. Die Trup­pen der Süd­west­front kämpf­ten wei­ter um die Zer­stö­rung der ein­ge­kes­sel­ten feind­li­chen Grup­pe in den Gebie­ten Gart­mas­hev­ka, Chertko­vo, Str­elts­ov­ka. Aus dem Ein­satz­be­richt des Ein­satz­füh­rungs­haupt­quar­tiers der Wehrmacht:

In Sta­lin­grad ver­schlech­ter­ten sich die Lebens­mit­tel­ver­sor­gung und der Zustand der Trup­pen, die Lage mit Treib­stoff und Muni­ti­on wur­de kritisch.”

Das sowje­ti­sche Kom­man­do ent­wi­ckel­te am 7. Janu­ar 1942 einen Plan, für ein Ulti­ma­tum zur Kapi­tu­la­ti­on der faschis­ti­schen Trup­pen in Sta­lin­grad. Abends sen­det der Front­funk mehr­mals eine ent­spre­chen­de Nach­richt an das Haupt­quar­tier von F. Pau­lus. Der Wehr­machts-Ver­bin­dungs­of­fi­zier im Haupt­quar­tier der 6. Armee berich­te­te, dass die Zahl der Hun­ger­to­ten in den Ein­hei­ten 120 Fäl­le erreicht habe. Das staat­li­che Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tee ver­ab­schie­de­te einen Beschluss über den Bau der Eisen­bahn­li­nie Panshi­no-Kalatsch am Don der Süd­ost­bahn. Mehr als 6.000 regio­na­le Arbei­ter arbei­te­ten am Bau der Eisen­bahn­li­nie Ilo­v­lya-Sara­tov, ins­ge­samt wur­den 422 km Glei­se verlegt.

Am 8. Janu­ar unter­brei­te­te das sowje­ti­sche Kom­man­do den in Sta­lin­grad umzin­gel­ten faschis­ti­schen deut­schen Trup­pen erneut ein Ulti­ma­tum mit dem Vor­schlag, den sinn­lo­sen Wider­stand zu been­den und zu kapi­tu­lie­ren, um unnö­ti­ges Blut­ver­gie­ßen zu ver­mei­den. Das Ulti­ma­tum unter­zeich­ne­te der Ver­tre­ter des Haupt­quar­tiers des Obers­ten Ober­kom­man­dos N. N. Voronov und der Kom­man­deur der Don­front K. K. Rokos­s­ovs­ky. Es wur­de per Funk an das Haupt­quar­tier von F. Pau­lus über­mit­telt und von unse­ren Par­la­men­ta­ri­ern Major A. M. Smys­lov und dem Über­set­zer N. D. Dyat­len­ko zu den Kampf­for­ma­tio­nen faschis­ti­scher deut­scher Trup­pen über­bracht. Aus dem Ulti­ma­tum des Kom­man­dos der Don-Front der ein­ge­kes­sel­ten 6. deut­schen Armee: „Alle von Ihnen und Ihrem Haupt­quar­tier ange­führ­ten deut­schen Ein­kes­se­lungs­trup­pen stel­len den Wider­stand ein. Sie müs­sen uns das gesam­te Per­so­nal, die Waf­fen, die gesam­te mili­tä­ri­sche Aus­rüs­tung und das mili­tä­ri­sche Eigen­tum ord­nungs­ge­mäß in gutem Zustand zur Ver­fü­gung stel­len … Ihre Ant­wort wird am 9. Janu­ar 1943 um 6:00 Uhr Mos­kau­er Zeit erwar­tet …“. Dem ent­ge­gen über­brach­te Gene­ral Hube aus Hit­lers Haupt­quar­tier den Befehl, den Wider­stand bis zu einer neu­en Ent­satz­of­fen­si­ve der Wehr­machts­trup­pen in der zwei­ten Febru­ar­hälf­te fortzusetzen.

Gene­ral­oberst F. Pau­lus lehnt am fol­gen­den Tag den Kapi­tu­la­ti­ons­vor­schlag des sowje­ti­schen Kom­man­dos schrift­lich ab.

Der Mili­tär­rat der Don-Front wand­te sich mit einem Appell an die eige­nen Trup­pen: „Auf in eine sieg­rei­che, ent­schei­den­de Schlacht, lie­be Kame­ra­den!“ Durch einen Beschluss des staat­li­che Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tees wur­de der ers­te Sekre­tär des Sta­lin­gra­der Regio­nal­ko­mi­tees der All­uni­ons­kom­mu­nis­ti­schen Par­tei der Bol­sche­wi­ki, der Vor­sit­zen­de des Stadt­ver­tei­di­gungs­ko­mi­tees, A. S. Chu­ya­nov, zum Mit­glied des Mili­tär­rats der Don­front ernannt. Trup­pen der Trans­kau­ka­si­schen Front befrei­ten die Stadt Kislowodsk.

Die Trup­pen der Don-Front star­te­ten am 10. Janu­ar die Offen­siv­ope­ra­ti­on »Ope­ra­ti­on Ring« mit dem Ziel, die ein­ge­kes­sel­te faschis­ti­sche Grup­pe in der Nähe von Sta­lin­grad zu eli­mi­nie­ren. Die Artil­le­rie­vor­be­rei­tung begann um 08:05 Uhr. 7.000 Kano­nen und Mör­ser zer­stö­ren inner­halb von 55 Minu­ten mit schwe­rem Feu­er die feind­li­che Ver­tei­di­gung. Auch die Luft­fahrt der 16. Luft­waf­fe war aktiv. Um 9 Uhr gin­gen Infan­te­rie und Pan­zer zum Angriff über. Die Sol­da­ten der 65. Armee unter Gene­ral­leut­nant P. I. Batov und der 21. Armee unter Gene­ral­leut­nant I. M. Chis­t­ya­kov, die den Haupt­schlag aus­führ­ten, über­wan­den den hef­ti­gen Wider­stand des Fein­des und durch­bra­chen die feind­li­chen Ver­tei­di­gungs­an­la­gen in Rich­tung des Mari­no­vs­ky-Vor­sprungs. Die 64. und 57. Armee star­ten einen Schlag in die all­ge­mei­ne Rich­tung an der Kreu­zung Basar­gi­no – Novy Roga­chik. Aus dem Gebiet süd­west­lich von Erzov­ka in Rich­tung Goro­dish­che wur­de die Offen­si­ve von den Streit­kräf­ten der 66. und 62. Armee durchgeführt.

Das Ver­hält­nis der Kräf­te und Mit­tel der sowje­ti­schen und faschis­ti­schen Trup­pen an der Donfront …

… war rela­tiv aus­ge­gli­chen. Die Kräf­te und Mit­tel der Don-Front waren dem Feind nur in der Artil­le­rie und Luft­fahrt über­le­gen. In der Nacht zum 11. Janu­ar wur­de der deut­sche Wider­stand am nord­öst­li­chen Ufer der Karava­tka-Schlucht und am süd­west­li­chen Ufer des Flus­ses Cher­v­lena­ya gebrochen.

Die Trup­pen des lin­ken Flü­gels der Süd­west­front umgin­gen die feind­li­che Flan­ke nörd­lich von Tats­ins­ka­ya und ent­wi­ckel­ten einen Angriff ent­lang des Flus­ses Kalit­va. Sie schnit­ten die Armee­ab­tei­lung Hol­lidt (nur für weni­ge Mona­te bestehen­der Groß­ver­band der Wehr­macht) aus dem Nor­den tief ab. In der Angriffs­zo­ne der 57. Armee erober­te die 38. Infan­te­rie­di­vi­si­on unter dem Kom­man­do von Oberst G.B. Safiu­lin im Mor­gen­grau­en einen deut­schen Flug­platz in der Nähe von Vor­opo­no­vo mit 18 ein­satz­be­rei­ten Flug­zeu­gen. Das Haupt­quar­tier der Par­ti­sa­nen­be­we­gung an der Sta­lin­gra­der Front schick­te zwei Sabo­ta­ge­grup­pen in den Rücken der faschis­ti­schen Truppen.

Stoß­grup­pen der 46. und 18. Armee der Schwarz­meer-Streit­kräf­te­grup­pe der Trans­kau­ka­si­schen Front gin­gen im Gebiet süd­lich von Nef­te­gorsk und Shaum­y­an in die Offen­si­ve. Kämp­fer der 65. und 21. Armee erreich­ten den Fluss Rossosh­ka in der Gegend von Kar­pov­ka. Sowje­ti­sche Trup­pen set­zen die »Ope­ra­ti­on Luft­blo­cka­de« erfolg­reich fort. Die Ver­sor­gung des Fein­des ver­schlech­ter­te sich stark. Bei einem Bedarf von 946 Ton­nen Nah­rungs­mit­teln, Muni­ti­on und Treib­stoff beför­der­te Hit­lers Luft­fahrt im Zeit­raum vom 12. Janu­ar bis 2. Febru­ar tat­säch­lich 60–80 Ton­nen pro Tag.

Die täg­li­che Brot­por­ti­on für die Besat­zer betrug 50–100 g.

Der 13. Janu­ar war ereig­nis­reich. Trup­pen der Trans­kau­ka­si­schen Front befrei­ten die Stadt Nowot­scher­kassk. Die Trup­pen der Woro­nesch-Front began­nen mit der Offen­si­ve Ost­ro­gozh-Rossos­han zur Ver­nich­tung der feind­li­chen Grup­pe Ost­ro­gozh-Rossos­han (bis zum 27. Janu­ar). Ein­hei­ten der Don-Front grup­pie­ren ihre Trup­pen neu, der Haupt­schlag wur­de vom Sek­tor der 65. Armee in die Zone der 21. Armee ver­la­gert. In Rich­tung des Haupt­an­griffs erreich­ten sowje­ti­sche Ein­hei­ten den Fluss Ras­sosh­ka. Sowje­ti­sche Trup­pen erober­ten die Sied­lun­gen Sta­ry Roga­chik, Dmit­riev­ka, Tsy­ben­ko, Rako­tino und die Staats­farm Nr. 1. Sie über­quer­ten die Linie ent­lang des Flus­ses Cher­v­lena­ya und beweg­ten sich zum Bahn­hof Kar­pows­ka­ja. Ein­hei­ten der 64. und 57. Armee durch­bra­chen die feind­li­che Ver­tei­di­gung und erreich­ten den süd­li­chen Stadt­rand von Elk­ha. Der Durch­bruch der Ver­tei­di­gung in die­sem Front­ab­schnitt stell­te eine direk­te Bedro­hung für den Rücken der gesam­ten deut­schen Grup­pe dar, die am Ost­ufer des Flus­ses Ras­sosch­ka fest­ge­hal­ten wur­de. Die Angriffs­grup­pe der 62. Armee räum­te unter­des­sen im Bereich des Werks „Roter Okto­ber“ meh­re­re Blocks der Stadt vom Feind. Am Abend erle­dig­ten die sowje­ti­schen Trup­pen die Auf­ga­be der ers­ten Etap­pe. Der West­vor­sprung des deut­schen Ver­tei­di­gungs­sys­tems wur­de abge­schnit­ten. Das 44. Gar­de-Schüt­zen-Regi­ment der 15. Gar­de-Schüt­zen-Divi­si­on griff feind­li­che Stel­lun­gen am Ost­ufer des Flus­ses Cher­v­lena­ya an.

2023-03, Belarus, Festung Brest
Foto: 2023-03, Bela­rus, Fes­tung Brest

Der Vor­marsch zum Dorf Sta­ry Rogat­schik wur­de durch geschickt getarn­te drei Bun­ker erschwert, aus denen die Deut­schen geziel­tes Feu­er vor­nah­men. Die Zug­füh­rer des 2. Schüt­zen­ba­tail­lons, Leut­nant V. M. Osi­pov und Unter­leut­nant A. S. Belykh kro­chen mit Gra­na­ten­bün­deln zu den Bun­kern und mach­ten zwei von ihnen außer Gefecht. Bei­de Gar­dis­ten wur­den durch Maschi­nen­ge­wehr­feu­er aus dem drit­ten Bun­ker getö­tet. Maschi­nen­ge­wehr­schüt­ze Juni­or Ser­geant N. F. Ser­dy­u­kov kroch auf den Feind zu. Das Sta­lin­gra­der Kom­so­mol-Mit­glied, der ehe­ma­li­ger Mecha­ni­ker des Bar­ri­ka­dy-Werks N. F. Ser­dy­u­kov bedeck­te mit sei­nem Kör­per die Schieß­schar­ten des feind­li­chen Bun­kers. Er sorg­te für den Erfolg des Angriffs der vor­rü­cken­den Kompanie. 

Serd­ju­kow wur­de post­hum der Titel Held der Sowjet­uni­on ver­lie­hen und bleibt unvergessen.

Am Mor­gen grif­fen sowje­ti­sche Trup­pen der 6. Armee der Süd­west­front den Feind an der Kascht­sche­jew-Mar­kow­ka-Front an. Sie dran­gen am Ende des Tages bis zu einer Tie­fe von 6 km in die feind­li­chen Ver­tei­di­gungs­an­la­gen an ihrer rech­ten Flan­ke ein. Die Trup­pen der Süd­west­front führ­ten einen unter­stüt­zen­den Schlag in Rich­tung Pokrow­s­ko­je aus. Sie erleich­tern so dem lin­ken Flü­gel der Woro­nesch-Front die Erfül­lung der Auf­ga­ben der Offen­siv­ope­ra­ti­on Ost­ro­gozh-Rossos­han. In der Nacht des 15. Janu­ar erober­ten sowje­ti­sche Trup­pen den Flug­platz Pit­om­nik. Am Mor­gen kam es zu einem Tref­fen zwi­schen Ein­hei­ten der 65. und 24. Armee.

Der deut­sche Schrift­stel­ler Erich Wei­nert schrieb am 14. Janu­ar in Kar­pow­ka in sein Sta­lin­gra­der Tage­buch: „Kar­pow­ka. Die Offen­si­ve ent­wi­ckelt sich rasant. Wie wir erfuh­ren, wur­de der west­li­che Teil des Kes­sels bereits von einem rie­si­gen Keil abge­schnit­ten, der sich von der Nord­sei­te des Rossosch­ka-Fluss­tals bis nach Kar­pow­ka erstreckt. Dmit­riev­ka, Ata­mans­ka­ya und Kar­pov­ka wur­den im Sturm erobert … Über­all gab es Anzei­chen von Panik. Die Faschis­ten geben alles auf und küm­mern sich über­haupt nicht um die Kran­ken und Ver­wun­de­ten. Das gro­ße Dorf Kar­pov­ka gleicht einem Floh­markt. Über­all, wo man hin­schaut, sind umge­stürz­te Waf­fen, beschä­dig­te Pan­zer und auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te gepark­te Last­wa­gen zu sehen. Wäh­rend der Flucht ver­such­ten die Faschis­ten die Beu­te auf die über­le­ben­den Fahr­zeu­ge zu laden und ver­lo­ren dabei gut die Hälf­te. Sie lie­ßen sogar die Maschi­nen­ge­weh­re zurück. Über­all lie­gen Sta­pel von Patro­nen, Gra­na­ten und Bomben.“

Aus befrei­ten Sied­lun­gen gehen Infor­ma­tio­nen über die Gräu­el­ta­ten der faschis­ti­schen Besat­zer ein

Im Land­kreis Woro­schi­lowsk wur­den 389 Zivi­lis­ten erschos­sen, in Nisch­net­schir­ski 153 und im Kras­no­ar­me­j­ski-Bezirk 50. In den besetz­ten Gebie­ten erschos­sen die Faschis­ten alle Bewoh­ner jüdi­scher Natio­na­li­tät - in Kamen­ka 195, in Aksay 68, in Zhut­ovo und Kova­len­ki mehr als 60, in Vody­a­noye 43 Per­so­nen. Das Staats­ver­tei­di­gungs­ko­mi­tee ver­ab­schie­de­te einen Beschluss über den Bau der Eisen­bahn­stre­cke Prud­boy –- Tun­du­to­vo der Südostbahn.

Am Mor­gen des 15. Janu­ar nah­men die Trup­pen der Don-Front nach einer kur­zen Artil­le­rie­vor­be­rei­tung ihre Gene­ral­of­fen­si­ve wie­der auf. Gegen Mit­tag wur­den die feind­li­chen Ver­tei­di­gungs­an­la­gen auf der ehe­ma­li­gen mitt­le­ren Sta­lin­grad-Umge­hungs­stra­ße im Sek­tor Elkhi, Zapad­nov­ka durch­bro­chen. Im Bereich des erober­ten Flug­plat­zes in Pit­om­nik ver­ei­nig­ten sich Ein­hei­ten der 65. und 24. Armee. Trup­pen der 64. und 62. Armee hiel­ten mit akti­ven Ope­ra­tio­nen in Sta­lin­grad wei­ter­hin die feind­li­chen Streit­kräf­te fest. Dem Kom­man­deur der Don­front, K.K. Rokos­s­ovs­ky, wur­de der Rang eines Gene­ral­oberst ver­lie­hen. F. Pau­lus befahl den Chef­ärz­ten, Kran­ken­häu­ser dem vor­rü­cken­den Feind zu überlassen. 

Ein­hei­ten der Don-Front ver­folg­ten wei­ter­hin den sich zurück­zie­hen­den Feind in Rich­tung Bol­scha­ja Rossosch­ka und ver­dich­ten den Ein­kes­se­lungs­ring des Fein­des. Tags­über rück­ten die Trup­pen der Roten Armee wei­te­re 8–10 km vor. Der berühm­te Scharf­schüt­ze V.G. Zaits­ev ver­nich­te­te in Sta­lin­grad mehr als 250 Faschis­ten. Jun­ge Scharf­schüt­zen der auf sei­ne Initia­ti­ve gegrün­de­ten Scharf­schüt­zen­schu­le „Hares“ ver­nich­te­ten mehr als 1000 Faschis­ten. Das Prä­si­di­um des Obers­ten Sowjets der UdSSR ver­ab­schie­de­te das Dekret „Über die Ein­rich­tung zusätz­li­cher mili­tä­ri­scher Dienst­gra­de für lei­ten­des Füh­rungs­per­so­nal der Luft­fahrt-, Artil­le­rie- und Pan­zer­trup­pen“ (so wur­den die mili­tä­ri­sche Dienst­gra­de „Mar­schall der Luft­fahrt“, „Mar­schall der Artil­le­rie“, „Mar­schall der Pan­zer­trup­pen“ eingerichtet).

Trup­pen der Kali­nin-Front liqui­dier­ten die 7.000 Mann star­ke feind­li­che Gar­ni­son in Weli­ki­je Luki und befrei­ten die Stadt. Trup­pen der Woro­nesch-Front umzin­gel­ten die feind­li­che Grup­pe Ost­ro­gozh-Rossos­han. In Rich­tung Don­bass erreich­te die 6. A der Süd­west­front die Linie Tisch­kow, Nowops­kow, Belo­luzk. Am Ende des 17. Janu­ar erreich­ten die Sol­da­ten der 64., 57., 21. und 65. Armee, die in Rich­tung des Haupt­an­griffs ope­rier­ten, die Linie Bol­scha­ja Rossosch­ka - Gonchar - Vor­opo­no­vo. Hier hat­te der Feind im Vor­aus sehr mäch­ti­ge Befes­ti­gun­gen vor­be­rei­tet: Star­ke Fes­tun­gen mit einer gro­ßen Anzahl von Maschi­nen­ge­wehr­bun­kern, Pan­zer­kap­pen und in den Boden ein­ge­gra­be­nen Pan­zern stan­den dicht bei­ein­an­der. Das gesam­te Zufahrts­ge­biet war mit Sta­chel­draht umzäunt und stark ver­mint. „Um die­se gewal­ti­gen Posi­tio­nen zu über­win­den, war es not­wen­dig, sein Vater­land und die Sowjet­macht wirk­lich zu lie­ben und den Feind aufs Schärfs­te zu has­sen“, schrieb K. K. Rokos­s­ovs­ky. Die Län­ge der Front­li­nie ent­lang des Ein­krei­sungs­rings betrugt nun 110 km.

Die Gesamt­flä­che des ein­ge­kes­sel­ten Umlan­des der Faschis­ten ver­rin­ger­te sich um 800 Qua­drat­ki­lo­me­ter auf 600 Quadratkilometer.

Trup­pen der Trans­kau­ka­si­schen Front befrei­ten die Städ­te Diw­no­je und Tscher­kessk. Für die letz­te Pha­se der »Ope­ra­ti­on Ring« wur­den die Trup­pen neu grup­piert. Die Arbei­ter der Regi­on Sta­lin­grad schick­ten 500.000 Geschenk­pa­ke­te an die Front­sol­da­ten der Roten Armee, und die Kol­lek­tiv­bau­ern spen­de­ten 62 Mil­lio­nen Rubel aus ihren Erspar­nis­sen für den Bau von Pan­zern und Flug­zeu­gen. Die »Ope­ra­ti­on Weli­ki­je Luki« ende­te. Die Trup­pen der Kali­nin-Front rück­ten 25–30 km nach Wes­ten vor. Trup­pen der Woro­nesch-Front befrei­ten die Stadt Ost­ro­gozhsk und der Trans­kau­ka­si­schen Front die Stadt Newinno­myssk. Der Staat­li­che Ver­tei­di­gungs­aus­schuss ver­ab­schie­de­te einen Beschluss über die Orga­ni­sa­ti­on der Repa­ra­tur von Pan­zern in den Gebie­ten der Süd- und Süd­west­front im Werk Nr. 264 der Werft des Volks­kom­mis­sa­ri­ats für Pan­zer und Indus­trie in Stalingrad.

Gene­ral­oberst F. Pau­lus wand­te sich mit Berich­ten über die Ver­schlech­te­rung der Lage der Trup­pen auf­grund der kata­stro­pha­len Lage bei Nah­rungs­mit­teln, Treib­stoff und Muni­ti­on an das Kom­man­do der Hee­res­grup­pe und das Haupt­kom­man­do der Boden­trup­pen. Das Ober­kom­man­dos schränk­te die Hand­lungs­frei­heit von Gene­ral­oberst F. Pau­lus ein und ver­bot die Kapi­tu­la­ti­on. Die rumä­ni­schen Ein­hei­ten der ein­ge­kes­sel­ten feind­li­chen Grup­pe wur­den aus dem Ein­satz abgezogen.

Hit­ler for­der­te erst­mals kate­go­risch einen Angriff Japans auf die Sowjetunion.

Trup­pen der Trans­kau­ka­si­schen Front befrei­ten mit Unter­stüt­zung von Par­ti­sa­nen und Arbei­tern loka­ler Unter­neh­men die Stadt Staw­ro­pol. Das sowje­ti­sche Kom­man­do berei­tet sich aktiv auf die zwei­te Pha­se der »Ope­ra­ti­on Ring« vor. In der Zone der 65. und 24. Armee dau­ern die inten­si­ven Kämp­fe an. Der Jagd­flie­ger N. Zai­kin schoss in einer Luft­schlacht bei Sta­lin­grad ein deut­sches Trans­port­flug­zeug mit Kano­nen­feu­er ab. Beim Angriff des zwei­ten Flug­zeugs ver­sag­te die Waf­fe. Vom Kom­man­do­stand aus wur­de ihm per Funk befoh­len: „Wenn Ihnen die Muni­ti­on aus­geht, holen Sie sich den Wid­der.“ Mit dem Pro­pel­ler sei­nes Flug­zeugs ramm­te Zai­kin die zwei­te Yu-52 und konn­te sicher auf dem Flug­platz lan­den. Das Lan­des­ver­tei­di­gungs­ko­mi­tee beschloss, einen Teil des vom Feind gefan­ge­nen und umzin­gel­ten Mili­tär­per­so­nals zur Wie­der­auf­fül­lung der akti­ven Armeen ein­zu­set­zen. Das Sta­lin­gra­der Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tee ver­ab­schie­de­te einen Beschluss über die Aus­bil­dung von Berg­leu­ten und Minen­räum­leh­rern. Dem Stadt­vor­stand und dem Regio­nal­ko­mi­tee des Kom­so­mol wur­de vor­ge­schla­gen, bis zum 8. Febru­ar 250 Berg­leu­te auszubilden.

Die Trup­pen der Süd­front erreich­ten am 22. Jan­aur die Linie Kras­ny Manych, Bogo­ro­dit­s­koye und befrei­ten die Stadt Salsk. Die Trup­pen der Don-Front (64., 57. und 21. Armee) nah­men ihre Offen­si­ve ent­lang der gesam­ten 22 Kilo­me­ter lan­gen Front­li­nie wie­der auf. Nach ver­nich­ten­den Schlä­gen der Artil­le­rie durch­bra­chen Ein­hei­ten der 57. Armee die feind­li­che Ver­tei­di­gungs­li­nie und erober­ten Woro­po­no­wo. Laut Befehl des Haupt­quar­tiers befahl Gene­ral­oberst F. Pau­lus den Trup­pen, den Wider­stand „unter kei­nen Umstän­den“ ein­zu­stel­len. Sowje­ti­sche Trup­pen besetz­ten den Flug­platz Gum­rak und mach­ten somit eine Ver­sor­gung der bei Sta­lin­grad umzin­gel­ten feind­li­chen Grup­pe unmög­lich. Das Sta­lin­gra­der Regio­nal­ko­mi­tee der All­uni­ons­kom­mu­nis­ti­schen Par­tei (Bol­sche­wi­ki) beschloss, in jedem Bezirk die not­wen­di­gen Plät­ze für die Beer­di­gung der Ver­tei­di­ger Sta­lin­grads bereitzustellen.

Am Sams­tag dem 23. Janu­ar ging die akti­ve Offen­si­ve der Trup­pen der Don-Front wei­ter in Rich­tung Goro­dish­che – Gum­rak und den süd­li­chen Regio­nen Sta­lin­grads. Das Zen­tral­ko­mi­tee der All­uni­ons­kom­mu­nis­ti­schen Par­tei der Bol­sche­wi­ki und der Rat der Volks­kom­mis­sa­re der UdSSR ver­ab­schie­de­ten eine Reso­lu­ti­on über Maß­nah­men zur Wie­der­her­stel­lung von MTS und Kol­lek­tiv­wirt­schaf­ten in den von der faschis­ti­schen Besat­zung befrei­ten Gebieten.

24. Janu­ar - das Haupt­quar­tier des Ober­kom­man­dos schuf die Nord­kau­ka­sus­front auf der Grund­la­ge der nörd­li­chen Trup­pen­grup­pe der Trans­kau­ka­si­schen Front. Die Schwarz­meer­flot­te stand unter sei­ner ope­ra­ti­ven Kon­trol­le. Trup­pen der Trans­kau­ka­si­schen Front befrei­ten die Stadt Arma­wir. Am Ende des Tages näher­ten sich Ein­hei­ten der 64. und 57. Armee auf der Ver­fol­gung des Fein­des dem süd­west­li­chen und west­li­chen Stadt­rand von Sta­lin­grad. Gene­ral­oberst F. Pau­lus berich­te­te dem OKW (Ober­kom­man­do der Wehr­macht) per Funk über den fast völ­li­gen Man­gel an Muni­ti­on und Lebens­mit­teln in der Trup­pe und die Unmög­lich­keit einer ein­heit­li­chen Füh­rung und Kontrolle.

Pau­lus erneu­er­te sein Ersu­chen um Erlaub­nis zur Kapitulation.

Trup­pen der Woro­nesch-Front befrei­ten am 26. Janu­ar die Stadt Woro­nesch. Seit dem Mor­gen lie­fer­ten sich Ein­hei­ten der 64. und 57. Armee erbit­ter­te Gefech­te auf den Stra­ßen von Sta­lin­grad. Die umzin­gel­ten 20. rumä­ni­sche und 297. deut­sche Infan­te­rie­di­vi­si­on kapi­tu­lier­ten. Wäh­rend der fol­gen­den vier­tä­gi­gen Offen­siv­kämp­fe rück­ten die Trup­pen der Don-Front 10–15 km vor. Die 21. Armee erober­te Gum­rak und unter­brach hier die Eisen­bahn. Die 65. Armee besetz­te Alek­sand­rov­ka und Goro­dish­che. Die 64. und 57. Armee, die aus dem Süden Sta­lin­grads vor­rück­ten, durch­bra­chen die Ver­tei­di­gungs­an­la­gen am inne­ren Rand der Stadt und kämpf­ten auf dem Gebiet von Kupo­ros­ny - Els­han­ka - Peschan­ka - Bahn­hof Voroponovo.

Seit Beginn der »Ope­ra­ti­on Ring« wur­den über 100.000 Faschis­ten getö­tet, ver­wun­det und gefan­gen genom­men. Das vom Feind besetz­te Gebiet wur­de auf 100 Qua­drat­ki­lo­me­ter redu­ziert. Sei­ne Län­ge von Nord nach Süd betrug 20 km und von West nach Ost nur 3,5 km. Die Trup­pen der Don-Front näher­ten sich dem süd­west­li­chen und west­li­chen Stadt­rand von Sta­lin­grad und ver­nich­te­ten den Feind auf den Stra­ßen der Stadt. Hit­ler lehn­te das Ersu­chen des Kom­man­deurs der 6. Feld­ar­mee zur Kapi­tu­la­ti­on ab und for­der­te den Kampf bis zum Letzten.

Die feind­li­chen Trup­pen wur­den in zwei Grup­pen geteilt - die süd­li­che im zen­tra­len Teil der Stadt Sta­lin­grad und die nörd­li­che im Bereich der Bar­rika­da- und Trak­to­ren­fa­bri­ken. Die 64., 57. und 21. Armee kämpf­ten gegen den süd­li­chen Teil der Hit­ler-Trup­pen, und die 62., 65. und 66. Armee kämpf­ten gegen die nörd­li­che Grup­pe. Gene­ral­oberst F. Pau­lus ernann­te den Kom­man­deur der nörd­li­chen Trup­pen­grup­pe, den Kom­man­deur des 11. Armee­korps, Gene­ral der Infan­te­rie K. Stre­cker, und den Kom­man­deur der süd­li­chen Trup­pen­grup­pe, den Kom­man­deur der 71. Infan­te­rie­di­vi­si­on, Oberst F. Ros­ke. F. Pau­lus befand sich am Stand­ort der süd­li­chen Grup­pe der faschis­ti­schen Trup­pen. Das Haupt­quar­tier der 6. Feld­ar­mee wech­selt sei­nen Stand­ort vom Kel­ler des Wod­ni­kow-Kran­ken­haus­ge­bäu­des in den Kel­ler des Zen­tra­len Kaufhauses.

Am 27. Janu­ar began­nen Kämp­fe zur Ver­nich­tung der in Sta­lin­grad umzin­gel­ten zer­stü­ckel­ten Trup­pen. Beson­ders hart­nä­ckig wur­de in eini­gen Gebäu­den und Stadt­tei­len gekämpft. Trup­pen der 64., 57. und 21. Armee aus dem Süd­wes­ten und Nord­wes­ten ver­dich­ten den Ein­kes­se­lungs­ring um die süd­li­che Feind­grup­pe. Im zen­tra­len Teil von Sta­lin­grad kapi­tu­lier­ten die 44. deut­sche Infan­te­rie­di­vi­si­on und die 1. rumä­ni­sche Kaval­le­rie­di­vi­si­on. In der Nacht zum 28. Janu­ar unter­zeich­ne­te Hit­ler den Ein­satz­be­fehl Nr. 2, in dem es dar­um ging, “die 6. Armee in ihrer Fes­tung zu hal­ten” und die Vor­aus­set­zun­gen für die Trup­pen­be­frei­ung bei Sta­lin­grad zu schaffen.

Zum ers­ten Mal seit Kriegs­be­ginn erließ das Volks­kom­mis­sa­ri­at für Ver­tei­di­gung der UdSSR den Befehl, Ein­hei­ten, die sich in Kämp­fen um besie­del­te Gebie­te beson­ders her­vor­ge­tan hat­ten, Ehren­na­men zu verleihen.

Erhal­te­ne Ehren­ti­tel: 1. Gar­de-Pan­zer­korps - Dons­koy, 2. Gar­de-Pan­zer­korps - Tats­in­sky, 3. Gar­de-Pan­zer­korps – Kotel­ni­kovs­ky, 3. und 4. Gar­de mecha­ni­sier­te Korps - Sta­lin­grad, 4. Pan­zer­korps - Sta­lin­grad, 4. Gar­de-Pan­zer­korps - Kan­t­emi­rovs­ky, 5. Gar­de mecha­ni­sier­tes Korps - Zimnikovsky.

Stoß­grup­pen der 13. Armee der Brjansk-Front, der 38. und 40. Armee der Woro­nesch-Front besetz­ten Kas­tor­no­je und blo­ckier­ten am 28. Janu­ar die wich­tigs­ten Flucht­we­ge des Fein­des nach Wes­ten. Gleich­zei­tig zog ein Teil der Streit­kräf­te der 13. und 40. Armee nach Wes­ten und bil­de­te eine äuße­re Ein­kes­se­lungs­front. Im Gebiet süd­öst­lich von Kas­tor­noye wur­den die Haupt­kräf­te der feind­li­chen Grup­pe (bis zu 9 Divi­sio­nen) umzin­gelt. Trup­pen der Woro­nesch-Front befrei­ten die Stadt Nowy Oskol. Trup­pen der Nord­kau­ka­sus­front befrei­ten die Stadt Kropotkin.

Von die­sem Tag an wur­de Essen in den umzin­gel­ten feind­li­chen Trup­pen nur noch an die Sol­da­ten ver­teilt, die an der Front kämpften.

2023-03, Belarus, Festung Brest
Kampf in den Rui­nen - Foto: 2023-03, Bela­rus, Fes­tung Brest

Die Trup­pen der Woro­nesch-Front began­nen, die süd­öst­lich von Kas­tor­ny ein­ge­kes­sel­te feind­li­che Grup­pe zu liqui­die­ren. Trup­pen der Nord­kau­ka­sus­front befrei­ten die Stadt Maikop. Es wur­de eine Wei­sung des Mili­tär­rats der Don-Front an die Mili­tär­rä­te der Armeen über die Behand­lung von Kriegs­ge­fan­ge­nen und die Besei­ti­gung von Män­geln bei ihrer Auf­nah­me und Beglei­tung ange­nom­men. Gene­ral­leut­nant Schle­mer und ande­re deut­sche Gene­rä­le emp­fin­gen die sowje­ti­schen Gesand­ten und ver­han­del­ten mit ihnen über die Kapi­tu­la­ti­on. Die Res­te der 376. Wehr­machts-Infan­te­rie­di­vi­si­on erga­ben sich. In Mexi­ko-Stadt fand an die­sem Tag ein fei­er­li­ches Tref­fen von Ver­tre­tern der mexi­ka­ni­schen Intel­li­genz und aus­län­di­schen Gäs­ten zu Ehren der UdSSR statt, bei dem auch der berühm­te chi­le­ni­sche Dich­ter Pablo Neru­da anwe­send war. Bei dem Tref­fen las Neru­da sein berühm­tes Gedicht „Ein neu­es Lie­bes­lied für Sta­lin­grad“ vor. Der Dich­ter über­reich­te dem “Rus­si­an Assis­tance Com­mit­tee” eine Kopie die­ses Wer­kes mit allen Urheberrechten.

Die Trup­pen der 64. und 57. Armee näher­ten sich dem Stadt­zen­trum, nach­dem sie die süd­li­che feind­li­che Grup­pe zer­stü­ckelt hat­ten. Die Trup­pen der lin­ken Flan­ke der 64. Armee - die 29. Schüt­zen­di­vi­si­on, die 38. moto­ri­sier­te Schüt­zen­bri­ga­de und die 36. Gar­de-Schüt­zen­di­vi­si­on - kämpf­ten im zen­tra­len Teil der Stadt. Das 7. Schüt­zen­korps und die 204. Schüt­zen­di­vi­si­on ver­nich­te­te den Feind nörd­lich der Fluss­mün­dung Zarin, am Ufer der Wol­ga. Trup­pen der 21. Armee rücken aus Nord­wes­ten vor.

Hit­ler ver­lieh F. Pau­lus den Rang eines Feld­mar­schalls. Die 38. moto­ri­sier­te Schüt­zen­bri­ga­de blo­ckier­te in Zusam­men­ar­beit mit dem 329. Pio­nier­ba­tail­lon in der Nacht vom 30. auf den 31. Janu­ar das Kauf­haus­ge­bäu­de, in dem sich das Haupt­quar­tier der 6. Feld­ar­mee und der Wehr­machts­grup­pe Süd befin­det. Tele­fon­lei­tun­gen wur­den durchtrennt.

Am Mor­gen des 31. Janu­ar 1942 began­nen die Deut­schen mit Ver­hand­lun­gen über eine Kapitulation.

Das Ulti­ma­tum der sowje­ti­schen Füh­rung für einen sofor­ti­gen Waf­fen­still­stand und die voll­stän­di­ge Kapi­tu­la­ti­on der süd­li­chen deut­schen Trup­pen­grup­pe wur­de ange­nom­men. Um 13:00 Uhr wur­de Gene­ral­feld­mar­schall F. Pau­lus zusam­men mit sei­nem Haupt­quar­tier gefan­gen genom­men. Die Deut­schen über­ga­ben Kar­ten von Minen­fel­dern, die spä­ter bei der Minen­räu­mung von Sta­lin­grad ver­wen­det wur­den. Die nörd­li­che Wehr­machts­grup­pe unter dem Kom­man­do von Gene­ral­oberst K. Stre­cker leis­tet wei­ter­hin Widerstand.

Am 1. Febru­ar begann ein hef­ti­ger Artil­le­rie­an­griff der nörd­li­che Grup­pe. Die Kämp­fe dau­er­ten den gan­zen Tag an. Im Hit­ler­haupt­quar­tier wur­de beschlos­sen, den “hel­den­haf­ten Kampf von Sta­lin­grad” in der offi­zi­el­len Bot­schaft des OKB zu ver­herr­li­chen. Die Zei­tung “Sta­lin­grad­ska­ja Praw­da” ver­öf­fent­lich­te ein Dekret des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der UdSSR über die Ver­lei­hung von Orden und Medail­len an Par­tei-, Sowjet­ar­bei­ter, Arbei­ter und Ange­stell­te der Regi­on - akti­ve Teil­neh­mer an der Nie­der­la­ge der Faschis­ten in Sta­lin­grad. Im Kel­ler der mecha­ni­schen Mon­ta­ge­hal­le des Trak­to­ren­werks wur­de das Haupt­quar­tier der nörd­li­chen feind­li­chen Trup­pen­grup­pe unter dem Kom­man­do von Gene­ral­oberst K. Stre­cker erobert. Über 40.000 deut­sche Sol­da­ten und Offi­zie­re leg­ten ihre Waf­fen nie­der. W. Chur­chill schrieb in einer Nach­richt an J.V. Sta­lin: “Bit­te neh­men Sie mei­ne Glück­wün­sche zur Kapi­tu­la­ti­on von Feld­mar­schall Pau­lus und anläss­lich des Endes der 6. deut­schen Armee ent­ge­gen. Das ist wirk­lich ein erstaun­li­cher Sieg.”

Der Ver­tre­ter des Haupt­quar­tiers des Obers­ten Ober­kom­man­dos, Mar­schall der Artil­le­rie Woro­now, und der Kom­man­deur der Don-Front, Gene­ral­oberst Rokos­sow­ski, berich­te­ten am 2. Febru­ar 1943 dem Ober­be­fehls­ha­ber, Genos­se Stalin:

In Erfül­lung Ihres Befehls voll­ende­ten die Trup­pen der Don-Front am 2.2.43 um 16.00 Uhr die Nie­der­la­ge und Zer­stö­rung der feind­li­chen umzin­gel­ten Sta­lin­grad-Grup­pe. Voll­stän­dig zer­stört und teil­wei­se erobert: 11. Armee­korps, 8. Armee­korps, 14. Pan­zer­korps, 51. Armee­korps, 4. Armee­korps, 48. Pan­zer­korps bestehend aus 22 Divi­sio­nen: 44, 71, 76, 79, 94, 100. Licht, 113, 376, 295, 297, 305, 371, 384, 389. Infan­te­rie­di­vi­sio­nen; 3., 29. und 60. moto­ri­sier­te Divi­si­on; 14., 16. und 24. deut­sche Pan­zer­di­vi­si­on; 1. Kaval­le­rie- und 20. rumä­ni­sche Infan­te­rie­di­vi­si­on. … Über 91.000 Gefan­ge­ne wur­den genom­men, davon mehr als 2.500 Offi­zie­re und 24 Gene­rä­le, dar­un­ter 1 Gene­ral­feld­mar­schall, 2 Gene­ral­obers­te, der Rest Gene­ral­leut­nants und Gene­ral­ma­jo­re. Auf­grund der voll­stän­di­gen Liqui­die­rung der ein­ge­kes­sel­ten feind­li­chen Trup­pen wur­den die Kampf­hand­lun­gen in der Stadt Sta­lin­grad und im Sta­lin­gra­der Gebiet ein­ge­stellt. Die Tro­phä­en­zäh­lung geht weiter.“

Als Reak­ti­on auf die Mel­dung über die Liqui­die­rung der ein­ge­schlos­se­nen Sta­lin­grad-Grup­pe erließ Ober­be­fehls­ha­ber I. V. Sta­lin am sel­ben Tag einen Befehl an die Trup­pen der Don-Front, der sich an den Mar­schall der Artil­le­rie Woro­now und den Gene­ral­obers­ten Rokos­sow­ski rich­te­te. Er gra­tu­lier­te den bei­den Kom­man­die­ren­den und ihren Trup­pen der Don­front zum erfolg­rei­chen Abschluss der Liqui­die­rung der bei Sta­lin­grad umzin­gel­ten feind­li­chen Trup­pen. Er sprach allen Sol­da­ten, Kom­man­deu­ren und poli­ti­schen Mit­ar­bei­tern der Don-Front sei­nen Dank für ihre her­vor­ra­gen­den Mili­tär­ein­sät­ze aus.

Die gro­ße Schlacht an der Wol­ga, die 200 Tage und Näch­te dau­er­te, war vorbei.

7. Zusammenfassung zur Verteidigungsschlacht

Von Juli bis Novem­ber 1942 gelang es der Roten Armee, den Aggres­sor zu zwin­gen, sich in Abwehr­kämp­fen zu ver­zet­teln und bis Anfang Febru­ar 1943 infol­ge der Gegen­of­fen­si­ve »Ura­nus« eine gewal­ti­ge Grup­pe deut­scher Trup­pen ein­zu­krei­sen und zu zer­stö­ren. Am Ende war die Offen­si­ve »Win­ter­ge­wit­ter« geschei­tert. Die Rote Armee erkämpf­te einen Ein­kes­se­lungs­ring um die Rui­nen von Sta­lin­grad. Die ein­ge­schlos­se­ne Grup­pe der 6. Armee kapi­tu­lier­te am 2. Febru­ar 1943, dar­un­ter Gene­ral­feld­mar­schall Fried­rich Pau­lus und 24 wei­te­re Gene­rä­le der Wehrmacht.

Die Schlacht von Sta­lin­grad war eine der hef­tigs­ten und blu­tigs­ten in der Geschich­te der Mensch­heit - gemes­sen an der Zahl der unwie­der­bring­li­chen Gesamt­ver­lus­te (Getö­te­te, Ver­letz­te, Ver­miss­te) der Kriegs­par­tei­en. Die Ver­lus­te betru­gen u.a. (Quel­le: russ. Wiki­pe­dia, Schlacht von Sta­lin­grad, 22.05.2024):

  • Rote Armee - 478.741 Gefallene,
  • davon 323.856 Gefal­le­ne in der Ver­tei­di­gungs­pha­se der Schlacht,
  • und 154.885 Gefal­le­ne in der Offensive,
  • die Wehr­macht - etwa 300.000 Gefallene,
  • die deut­schen Ver­bün­de­ten (Ita­lie­ner, Rumä­nen, Ungarn, Kroa­ten) etwa 200.000 Gefallene,
  • die Zahl der toten Bevöl­ke­rung in Sta­lin­grad kann nicht ein­mal annä­hernd bestimmt wer­den, aber die Zahl liegt bei wenigs­tens Zehntausenden,
  • der faschis­ti­sche Block ver­lor ins­ge­samt rund 1,5 Mil­lio­nen Men­schen (!) an Toten, Ver­wun­de­ten, Gefan­ge­nen und Ver­miss­ten – ein Vier­tel aller sei­ner an der sowje­tisch-deut­schen Front ope­rie­ren­den Streitkräfte.
2023-03, Belarus, Chatyn
Foto: 2023-03, Bela­rus, Chatyn

Dazu kom­men die im Rah­men der »Ope­ra­ti­on Bar­ba­ros­sa« durch die faschis­ti­schen Wehr­macht und wei­te­re unter­stüt­zen­de Kampf­grup­pen (Kol­la­bo­ra­teu­re und Spe­zi­al­ein­hei­ten, beson­de­re, soge­nann­te „Ein­satz­grup­pen“, zusam­men­ge­setzt aus Sicher­heits­dienst und Poli­zei) in den besetz­ten Gebie­ten bes­tia­lisch und plan­mä­ßig ermor­de­ten Juden, Sla­wen und Widerständler.

Im Sta­lin­gra­der Kes­sel wur­den als Teil der 6. Armee der Wehr­macht ver­nich­tet (Quel­le w.o.):

  • Haupt­quar­tie­re der 8., 11., 51. Armee und des 14. Panzerkorps;
  • 44., 71., 76., 113., 295., 305., 376., 384., 389., 394. Infanteriedivision;
  • 100. leich­te Infanteriedivision;
  • 14., 16. und 24. Panzerdivision;
  • 3. und 60. moto­ri­sier­te Division;
  • 1. Rumä­ni­sche Kavalleriedivision;
  • 9. Luft­ver­tei­di­gungs­di­vi­si­on.

Als Teil der 4. Pan­zer­ar­mee der Wehr­macht wur­den ver­nich­tet (Quel­le w.o.):

  • Haupt­quar­tier des 4. Armeekorps;
  • 297. und 371. Infanteriedivision;
  • 29. moto­ri­sier­te Division;
  • 1. und 20. rumä­ni­sche Infanteriedivision;
  • der größ­te Teil der RGK-Artillerie;
  • Abtei­lun­gen der Todt-Organisation;
  • gro­ße Streit­kräf­te tech­ni­scher Ein­hei­ten der RGK;
  • das 48. Pan­zer­korps der Wehr­macht bestehend aus der 22. Pan­zer­di­vi­si­on und rumä­ni­sche Panzerdivision.

Außer­halb des Kes­sels wur­den fünf Divi­sio­nen der 2. Armee und des 24. Pan­zer­korps zer­stört - sie ver­lo­ren 50-70 % ihrer Stär­ke. Das 57. Pan­zer­korps der Hee­res­grup­pe A, das 48. Pan­zer­korps sowie die Divi­sio­nen der Grup­pen Hol­lidt, Kempff und Fret­ter-Picot erlit­ten enor­me Ver­lus­te. Meh­re­re Flug­platz­di­vi­sio­nen und eine gro­ße Anzahl ein­zel­ner Ein­hei­ten und For­ma­tio­nen wur­den zer­stört. Durch Maß­nah­men zur Ver­sor­gung der bei Sta­lin­grad und meh­re­ren klei­ne­ren Kes­seln ein­ge­schlos­se­nen Trup­pen wur­de die deut­sche Luft­fahrt stark geschwächt. Der deut­sche Pro­pa­gan­da­mi­nis­ter Paul Joseph Goeb­bels erklär­te Ende Janu­ar 1943: “Deutsch­land wird den rus­si­schen Angrif­fen nur dann stand­hal­ten kön­nen, wenn es gelingt, sei­ne letz­ten Trup­pen­re­ser­ven zu mobilisieren.”

Als Ergeb­nis der Schlacht ergriff die Rote Armee ent­schie­den die stra­te­gi­sche Initia­ti­ve und dik­tier­te nun dem Feind ihren Wil­len. Dies ver­än­der­te die Art des Vor­ge­hens der deut­schen Trup­pen im Kau­ka­sus, in den Gebie­ten Rschew und Dem­jansk. Nach die­ser ent­schei­den­den Schlacht konn­te das faschis­ti­sche Deutsch­land nicht mit neu­en Wehr­pflicht­kon­tin­gen­ten aus Rumä­ni­en, Ungarn und der Slo­wa­kei rech­nen. Sie muss­te die ver­blie­be­nen alli­ier­ten Divi­sio­nen nun für den rück­wär­ti­gen Dienst, den Kampf gegen Par­ti­sa­nen und in eini­gen sekun­dä­ren Abschnit­ten der Front einsetzen.

Die Kampf­kraft der Wehr­macht war grund­le­gend geschwächt. Der Weg zur Befrei­ung des sowje­ti­a­schen Ter­ri­to­ri­ums von den Agres­so­ren und Euro­pas vom Faschis­mus war geebnet.

Berlin Treptow Ehrenmal - Autor: Wolfgang Kiessling - www.wolle-ing.de
Foto: Ber­lin Trep­tow Ehren­mal, Müt­ter­chen Russ­land am Ein­gang zum Ehrenmal

Wäh­rend des Gro­ßen Vater­län­di­schen Krie­ges (1941-1945), wur­de die Schlacht um Sta­lin­grad, um die Zugän­ge zur Stadt und in der Stadt selbst (vom 12. Juli 1942 bis 2. Febru­ar 1943), zu einer der wich­tigs­ten Schlach­ten des Zwei­ten Welt­kriegs (1939-1945) - UND zu sei­nem Wen­de­punkt. Die Offen­si­ve in Rich­tung Sta­lin­grad wur­de zunächst von der 6. deut­schen Armee und ab 31. Juli 1942 von der 4. Pan­zer­ar­mee ange­führt. In einer Ver­tei­di­gungs­ope­ra­ti­on blu­te­ten sowje­ti­sche Trup­pen die Haupt­geg­ner­grup­pe bei Sta­lin­grad aus. Sie schu­fen damit die Vor­aus­set­zun­gen für eine Gegen­of­fen­si­ve. Nach­dem das sowje­ti­sche Kom­man­do zusätz­li­che Kräf­te kon­zen­triert hat­te, umzin­gel­te und besieg­te eine Offen­siv­ope­ra­ti­on die 6. und 4. Pan­zer­ar­mee der Faschis­ten sowie die rumä­ni­sche 3. und 4. Armee sowie die 8. ita­lie­ni­sche Armee.

Der 2. Febru­ar – der Tag des Endes der Schlacht von Sta­lin­grad – ist heu­te einer der Tage des mili­tä­ri­schen Ruhms Russlands.

Für her­aus­ra­gen­de Ver­diens­te um das Vater­land wur­de Sta­lin­grad am 1. Mai 1945 der Ehren­ti­tel Hel­den­stadt und am 8. Mai 1965 der Lenin-Orden und die Gold­stern-Medail­le ver­lie­hen. Gleich nach dem Krieg erhob er sich die Stadt aus der Asche wie der legen­dä­re Vogel Phönix.

1961 wur­de die Hel­den­stadt von Sta­lin­grad in Wol­go­grad umbenannt.

Das moder­ne Wol­go­grad ist heu­te eine der schöns­ten Städ­te Russ­lands. Gemäß dem Mas­ter­plan von 1945 wur­de das his­to­risch eta­blier­te linea­re Pla­nungs­sys­tem bei­be­hal­ten und der Küs­ten­teil von Indus­trie­ge­bäu­den, Lager­häu­sern usw. befreit, wodurch Wohn­ge­bie­te vom Fluss abge­schnit­ten wur­den. Im Nord­os­ten wird die Stadt durch das Was­ser­kraft­werk Wol­ga (in der Stadt Wol­ga) geschlos­sen, im Süd­wes­ten durch den Schiff­fahrts­ka­nal Wol­ga-Don, der die Mil­lio­nen­stadt Wol­go­grad zu einem Hafen der fünf Mee­re machte.

Wol­go­grad ist heu­te ein bedeu­ten­des indus­tri­el­les und kul­tu­rel­les Zen­trum mit zwan­zig höhe­ren Bil­dungs­ein­rich­tun­gen, einem Pla­ne­ta­ri­um mit ein­zig­ar­ti­ger Aus­stat­tung und dut­zen­den Biblio­the­ken. Die Stadt erfüllt dank ihrer güns­ti­gen ver­kehrs­tech­ni­schen und geo­gra­fi­schen Lage sowie sei­nes hohen Indus­trie­po­ten­zi­als wich­ti­ge stra­te­gi­sche Funk­tio­nen in der sozio­öko­no­mi­schen Ent­wick­lung Süd­russ­lands. Das Vor­han­den­sein einer leis­tungs­star­ken wis­sen­schaft­li­chen Basis und höhe­rer Bil­dungs­ein­rich­tun­gen ver­schie­de­ner Spe­zia­li­sie­run­gen in Wol­go­grad schafft in der Gegen­wart die Vor­aus­set­zun­gen für eine groß ange­leg­te Umstruk­tu­rie­rung der Indus­trie­pro­duk­ti­on und Trans­for­ma­tio­nen des städ­ti­schen Wirt­schafts­kom­ple­xes auf einer fort­schritt­li­chen inno­va­ti­ven Basis.

8. Ein Menschenschicksal

Ich möch­te hier von einem Freund berich­ten, von Ser­gej. Er ist Rus­se, und lebt seit eini­gen Jah­ren in Deutsch­land im Nach­bar­dorf. Er stammt aus dem Ural. Ser­gej hat­te eini­ge Zeit als Sol­dat in Afgha­ni­stan gekämpft. Sein Groß­va­ter hat­te damals (1942/43) Sta­lin­grad ver­tei­digt - für uns ein Men­schen­schick­sal, eins aus jener Zeit, wie es auch Michail Scho­loch­ow beschrieb und Ser­gei Bon­dart­schuk groß­ar­tig im → Film wie­der­gab, wenn auch ein ande­res - ein Ein­zel­schick­sal, wie mil­lio­nen­fach, wie fast in jeder Fami­lie der dama­li­gen Sowjetunion.

Ser­ge­js Groß­va­ter Dmi­t­ri Alex­an­d­ro­witsch Kori­o­nov war Matro­se auf einem Wol­ga-Schiff. Sei­ne Mann­schaft hat die Sta­lin­grad-Kämp­fer an Land mit Muni­ti­on ver­sorgt und Zivi­lis­ten sowie Ver­wun­der­te eva­ku­iert. In den bei­lie­gen­den Bil­dern sehen wir Aus­zeich­nun­gen und Info’s von/zu ihm. Im Archiv in Podol­sk bei Mos­kau hat Ser­gej die­se Bil­der gefun­den. Lei­der gibt es nicht mehr Bil­der oder wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Großvater.

Heu­ti­ge Geschichts­auf­zeich­nun­gen dür­fen sol­che Men­schen­schick­sa­le nicht unver­ges­sen las­sen. Sie müs­sen sie noch mehr ehren bzw. erwäh­nen. Die Erin­ne­rung muss leben.

Bil­der aus dem Archiv in Podolsk:

9. Historische Einordnung der Schlacht

Die­ser Sieg der Roten Armee mar­kier­te nach einer Rei­he von Nie­der­la­gen in den Jah­ren 1941–1942 den Beginn eines „radi­ka­len Wan­dels“ - das Errin­gen der stra­te­gi­schen Initia­ti­ve - nicht nur im Gro­ßen Vater­län­di­schen Krieg, son­dern im gesam­ten gesam­ten Zwei­ten Weltkrieg.

Die mili­tä­ri­sche Bedeu­tung des Sie­ges bestand dar­in, dass die Gefahr einer Beset­zung der Gebie­te der unte­ren Wol­ga­re­gi­on und des Kau­ka­sus sowie der Baku-Ölfel­der durch die Wehr­macht und ihre Ver­bün­de­ten besei­tigt war.

Die Fol­ge des Sie­ges der UdSSR in der Schlacht war, dass die Tür­kei die Inva­si­on der UdSSR im Früh­jahr 1943 auf­gab und Japan den geplan­ten Sibi­ri­en­feld­zug nicht unter­nahm. Rumä­ni­en, Ita­li­en und Ungarn began­nen nach Mög­lich­kei­ten zum Aus­stieg aus dem Krieg und zum Abschluss eines Sepa­rat­frie­dens mit Groß­bri­tan­ni­en und den USA zu suchen.

Laut einer Stu­die von WZIOM (rus­si­sches Markt- und Mei­nungs­for­schungs­un­ter­neh­men), die im Janu­ar 2018 durch­ge­führt wur­de und dem 75. Jah­res­tag der Nie­der­la­ge der Inva­so­ren in der Schlacht von Sta­lin­grad gewid­met war, hal­ten 55 % der befrag­ten erwach­se­nen Rus­sen den Sieg in der Schlacht von Sta­lin­grad für ein ent­schei­den­des Ereig­nis für die Ergeb­nis des Gro­ßen Vater­län­di­schen Krieges.

Der 2. Febru­ar – der Tag des Endes der Schlacht von Sta­lin­grad – ist einer der Tage des mili­tä­ri­schen Ruhms Russlands.

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Quellenverzeichnis

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