Achtsamer Widerspruch oder Gretchenfrage?

Aktuelles Port Woling - An uns Alle stellt sich die Gretchenfrage: “Wollt IHR die totale systematische Erniedrigung eurer Persönlichkeit als auch Aufgabe von Privatsphäre, Freiheit und Frieden?”


Was tun gegen totale Erniedrigung

Ich den­ke, also bin ich hier falsch!”

Zitat aus einer span­nen­den Rede zur aktu­el­len, dra­ma­ti­schen Wen­de in der Geschich­te (ver­ständ­lich geführt, weil frei nach dem Red­ner “ohne Zun­gen­kuss­kon­dom”) von Prof. Dr. Mar­tin Schwab, Rechts­wis­sen­schaft­ler der Uni­ver­si­tät Bie­le­feld und Mit­glied bei [die­Ba­sis]). Acht­sa­mer Wider­spruch zur Rede ist mög­lich, aller­dings m.E. im Grund­satz zur Lage­ein­schät­zung nicht nötig. Aus sei­nen Aus­füh­run­gen erschließt sich auch die Sys­tem­fra­ge - auch wenn er es nicht unbe­dingt beim Namen nennt.

An uns Alle stellt sich die Gretchenfrage:

Wollt IHR die tota­le sys­te­ma­ti­sche Ernied­ri­gung eurer Per­sön­lich­keit als auch Auf­ga­be von Pri­vat­sphä­re, Frei­heit und Frieden?”

Was ich aller­dings acht­sam bemän­geln möch­te, ist fol­gen­der Umstand: Die pri­vi­le­gier­te → Poli­ti­schen Klas­se ist am Ende - sie haben ihre Rol­le aus­ge­spielt - auch wenn sie es noch nicht wahr­ha­ben wol­len. Es bedarf kei­ner neu­en Par­tei­en. In der aktu­el­len Situa­ti­on ist bis jetzt jede neue Par­tei - ja sogar Bewe­gung - sys­te­ma­tisch von VS-Kol­la­bo­ra­teu­ren unter­wan­dert wor­den und letzt­lich in kur­zer Frist geschei­tert. Da wird auch eine [SW] oder [die­Ba­sis] bei klas­si­scher, oppor­tu­nis­ti­scher Vor­ge­hens­wei­se dar­an nichts ändern.

Das Agie­ren der Poli­ti­schen Klas­se hat de fac­to Metho­de - eine im Sys­tem imple­men­tier­te Metho­de zu sei­nem Schutz. Und für das exis­ten­te Wahl­sys­tem der Polit­gauk­ler hat sich nun das Glei­che her­aus­ge­stellt. Die Metho­de wird qua­si nie eine Ver­bes­se­rung des Sys­tems her­bei­füh­ren - weil sie ein­fach nicht dem Wäh­ler dient.

Nicht nur vor dem Hin­ter­grund, dass das Par­tei­en- und Wahl­sys­tem geschei­tert ist, weil es nun sicht­bar das men­schen­ver­ach­ten­de Sys­tem immer ver­kleis­ter­te, als auch tra­gen­der­wei­se sta­bi­li­sier­te, son­dern weil es in einer dro­hen­den neu­en Dik­ta­tur und Umge­bung eines Tota­li­ta­ris­mus nicht mehr gebraucht wird (die Part­or­gs wis­sen es nur noch nicht), stellt sich fol­gen­de FRAGE.

Wie soll­te eine basis­de­mo­kra­ti­sche Bewe­gung struk­tu­rell und orga­ni­sa­to­risch aus­se­hen, die eben nicht der Gefahr der Unter­wan­de­rung erlie­gen kann, um Prin­zi­pi­en wie Frie­den, Huma­nis­mus, Nut­zen für Alle (statt Mehr­wert für Weni­ge), Frei­heit, Acht­sam­keit, Macht­be­gren­zung, Schwar­min­tel­li­genz wirk­lich und effi­zi­ent eine Chan­ce zu geben?

Wenn wir der Logik wis­sen­schaft­li­cher Grund­la­gen zur Gesell­schafts­ent­wick­lung fol­gen, müs­sen wir es mit Marx hal­ten. Ohne eine Über­gangs­dik­ta­tur wird es nicht mög­lich sein, die aktu­el­le krie­ge­ri­sche Dik­ta­tur des Kapi­tals (die ein­zig dem Mehr­wert Weni­ger zuge­tan ist, aber nicht dem Nut­zen für Alle) zu stürzen.

Der Grund für die vor­an­ge­hen­de Fest­stel­lung liegt auf der Hand . Sie wer­den die Macht nicht frei­wil­lig aus den Hän­den geben. Die Men­schen wer­den die tota­le Ernied­ri­gung nicht ver­hin­dern, ohne macht­vol­le Gegen­re­ak­ti­on. “Actio gleich Reac­tio” (New­ton­sches Axiom/Gesetz der Gegenwirkung).

Marx begrün­de­te eben­falls eine not­wen­di­ge macht­vol­le Gegen­wehr auf Basis sei­ner wis­sen­schaft­li­chen Welt­an­schau­ung. Aus­druck des­sen ist u.a. sein fol­gen­des Zitat:

Was mich nun betrifft, so gebührt mir nicht das Ver­dienst, weder die Exis­tenz der Klas­sen in der moder­nen Gesell­schaft noch ihren Kampf unter sich ent­deckt zu haben. Bür­ger­li­che Geschichts­schrei­ber hat­ten längst vor mir die his­to­ri­sche Ent­wick­lung die­ses Kamp­fes der Klas­sen, und bür­ger­li­che Öko­no­men die öko­no­mi­sche Ana­to­mie der­sel­ben dar­ge­stellt. Was ich neu tat, war 1. nach­zu­wei­sen, daß die Exis­tenz der Klas­sen bloß an bestimm­te his­to­ri­sche Ent­wick­lungs­pha­sen der Pro­duk­ti­on gebun­den ist; 2. daß der Klas­sen­kampf not­wen­dig zur Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats führt; 3. daß die­se Dik­ta­tur selbst nur den Über­gang zur Auf­he­bung aller Klas­sen und zu einer klas­sen­lo­sen Gesell­schaft bil­det.” (Quel­le: Karl Marx/Friedrich Engels - Wer­ke, Band 28, Brief­wech­sel zwi­schen Marx und Engels aus den Jah­ren 1852 bis 1855 sowie Brie­fe, die sie in die­ser Zeit an drit­te Per­so­nen rich­te­ten, Kapi­tel 14, Marx an Joseph Wey­de­mey­er in New York, 05.03.1852, Lon­don, S. 508, Dietz Ver­lag, Ber­lin, 1. Auf­la­ge 1962, Berlin/DDR)

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